Traumjob Polizist – Erinnerungen an 30 Jahre als Kommissar

Nahm am 1. April vor 30 Jahren seine Arbeit in Herdecke auf: Polizeihauptkommissar Jürgen Reith.
Nahm am 1. April vor 30 Jahren seine Arbeit in Herdecke auf: Polizeihauptkommissar Jürgen Reith.
Foto: WP
Was Polizeihauptkommissar Jürgen Reith in seinen 30 Dienstjahren erlebt hat, würde wohl ein ganzes Buch füllen. Auch Morddrohungen waren dabei.

Herdecke.. „Junge, wie die Zeit vergeht“, sagt Polizeihauptkommissar Jürgen Reith und kann es selbst kaum fassen: Am 1. April vor 30 Jahren begann er seinen Dienst in Herdecke. Und kann sich noch gut an diesen Tag erinnern: „Es begann mit einer Begrüßung bei Ernst Voss, dem damaligen Dienststellenleiter in Wetter. Zeitgleich mit mir begannen auch Udo Gemander und Peter Visarius. Für die war ich von Anfang an der Alte, obwohl sie nicht wesentlich jünger waren als ich. Nur hatte ich damals schon zehn Jahre Dienst in Iserlohn-Letmathe und im Rheinland versehen“, erinnert sich der 56-Jährige.

Anfangs war Jürgen Reith, der heute als Bezirksbeamter für Kirchende und Westende zuständig ist, im Wachdienst eingesetzt. Gemeinsam mit Rainer Lasberg, Wolfgang Augustin und Rudi Bendorf arbeitete er viele Jahre in der Polizeiwache an der Wetterstraße neben Dörken. „Und dass, obwohl ich eigentlich nie in der Stadt arbeiten wollte, in der ich wohne. Aber im Nachhinein betrachtet, hat es sich doch ganz gut handhaben lassen“, so der Herdecker, der in Altena geboren und der Liebe wegen ins Ruhrtal gekommen ist; denn Ehefrau Gabi stammt aus Wetter.

Erinnerung an Papstbesuch

Zu den Bürgern in Herdecke hat der Hauptkommissar guten Kontakt: „Das ist hier anders als in Großstädten. Wir sind ja auch viel bei Senioren, in Kindergärten und Schulen unterwegs und haben deswegen einen guten Draht zu den Jugendlichen. Viele junge Erwachsene kennen uns Polizisten noch aus ihrer Zeit im Kindergarten.“

Dass Jürgen Reith in seinen 30 Dienstjahren viel erlebt und gesehen hat, muss man nicht erwähnen: „Das würde ein ganzes Buch füllen.“ Dennoch sind manche Ereignisse präsenter, andere hingegen längst verblasst. So kann Reith sich noch gut erinnern, als Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980 in Bonn zu Besuch war und er mit vielen anderen Kollegen für dessen Schutz in der ehemaligen Bundeshauptstadt eingesetzt werden sollte: „Ich fuhr morgens los und stand direkt in der Hauptstraße, die damals ja noch nicht Fußgängerzone war, im Stau. Das war eine Katastrophe.“

Morddrohung gegen Polizisten

Nie vergessen werde er auch die Ereignisse rund um den Sprayer, der im Jahr 2003 nicht nur das Sparkassengebäude, sondern auch Grabsteine mit Tags beschmierte. „Wir haben den Graffiti-Täter festgenommen, der dann in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Aber er ist abgehauen und hat neben der BEK in der Goethestraße eine Frau überfallen und ihr ein Messer in den Bauch gestoßen“, erinnert sich der Polizeibeamte. Die Frau überlebte die Attacke, die Beamten konnten den unberechenbaren Täter kurz darauf am Nacken stellen. Jürgen Reith: „Er hatte auch gegen uns Morddrohungen ausgestoßen und damals ganz Herdecke unsicher gemacht.“ Vor dem Hintergrund dieses brutalen Raubüberfalls bekamen die Morddrohungen gegen die Polizisten eine völlig andere Qualität. Trotzdem, so sagt Jürgen Reith, habe er seine Berufswahl nie bereut: „Ich würde diesen Job wieder wählen.“

In seiner Freizeit schwingt sich der 56-Jährige häufig aufs Fahrrad, hält sich im Fitness-Studio und mit Saunabesuchen fit und fährt überdies auch Motorrad. Auf zwei Rädern ist der Jubilar auch im Dienst häufig unterwegs – allerdings mit einem überdachten C1-Roller von BMW. Ein Anblick, den wohl jeder Herdecker kennt. Reith lacht und sagt: „Leider ist der Roller im Moment kaputt, aber er ist sehr praktisch und flexibel, und ich bin damit sehr mobil.“