Tiefschläge haben Lichtburg wach gerüttelt

Wünsch Dir was, das gibt es nur im Märchen. Die hat das Lichtburg-Musical Fairy Tales erzählt. In der Realität müssen die Kulturschaffenden um jeden Euro kämpfen.
Wünsch Dir was, das gibt es nur im Märchen. Die hat das Lichtburg-Musical Fairy Tales erzählt. In der Realität müssen die Kulturschaffenden um jeden Euro kämpfen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Kulturverein in Wetter musste nicht nur Mittelkürzungen wegstecken. Auch die Vergabe des Seefestes an einen anderen Anbieter war ein Schlag ins Kontor. Nun will man sich kulturpolitisch wieder mehr einbringen.

Wetter..  Der Groll ist – wenn es ihn denn gegeben hat – gewichen. Geblieben ist eine Aufbruchstimmung, ein „Jetzt erst recht!“ Nach zuletzt drei Tiefschlägen für den Kulturverein Lichtburg wollen die Vereinsmitglieder mit neuem Schwung in die Zukunft gehen. In eine Zukunft mit mehr Kulturpolitik für eine Stadt und ihre Bürger, die „kulturelle Vielfalt verdient haben“, wie es Lichtburg-Geschäftsführer Christian Müller-Espey und Vereinsvorstand Ekkehard Meinecke formulieren.

Ein Blick zurück: Die Diskussion über den Erhalt des Stadtsaales ist gestoppt, beendet ist sie nicht. Zwar haben Politik und Verwaltung nach internen Diskussionen für einen zentralen Veranstaltungssaal in Alt-Wetter gestimmt, hinter den Kulissen wird aber dennoch weiter nach Partnern gesucht. „Wir haben aber die Zusage, dass der Stadtsaal als Spielstätte für die Lichtburg garantiert ist“, sagt Geschäftsführer Christian Müller-Espey. Inklusive der Bewirtung durch den Verein. Einmal Atemholen und weiter.

Zuschuss um ein Fünftel gekürzt

Der Zuschuss (zusätzlich zu den für die Kulturdienstleistung festgeschriebenen 42 000 Euro) für die Kulturarbeit in der Stadt ist von der Politik zwar nicht gestrichen, aber um ein Fünftel auf jetzt 20 000 Euro gekürzt worden. Mit dem Hinweis, man gebe nun zwar weniger Geld, das aber für die kommenden drei Jahre zuverlässig. Geld, das die Lichtburg immer zum Überleben gebraucht hat. „Dieser städtische Zuschuss ist ein wesentlicher Faktor unserer Finanzierung“, sagt der Vorsitzende des Lichtburg-Vereins, Ekkehard Meinecke. Immerhin: 62 000 Euro stehen im städtischen Haushalt für die Lichtburg. Noch einmal Atemholen und weiter.

Schließlich der Paukenschlag im Streichkonzert: Die Vergabe des Seefest-Kulturprogramms an einen externen Anbieter. Der Vorstand des Stadtmarketings wollte die Verantwortung, die ein Veranstalter seit der Loveparade-Katastrophe tragen muss, nicht länger auf sich nehmen. „Wir haften persönlich für die Sicherheit der Besucher“, sagt Markus Francke, Sparkassen-Vorstand und Vorsitzender des Stadtmarketings. Zu viel für einen Ehrenamtler. Die Organisation wurde an die Stadt abgegeben, die hat ausgeschrieben und einer Hagener Agentur den Zuschlag gegeben. Atemholen und weiter?

„Ja“, sagt Ekkehard Meinecke beinahe trotzig. Und fügt leise hinzu: „Vielleicht war das Ganze auch ein Weckruf für uns, damit wir uns an unsere eigentlichen Ziele erinnern.“ Geweckt hat vor allem das Aus beim Seefest noch etwas anderes: die Solidarität der Bürger. „Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viel Zuspruch erhalten“, sagen der Geschäftsführer und auch der Vereinsvorsitzende. Zuspruch, der sich in zählbaren und zahlenden Mitgliedern widerspiegelt. Über 30 Vereinseintritte hat es gegeben. Zurzeit sind es 180, „aber wir wollen mindestens auf die 200 kommen.“

200 Bürgerinnen und Bürger, die ideell, aber auch durchaus tätig das Rückgrat für einen Verein bilden, der sich künftig wieder lauter zu Wort melden will. Man will nicht nur Kulturdienstleister für die Bürger sein, sondern auch wieder kulturpolitischer Motor für die Stadt. „Wir müssen uns wieder mehr in die Diskussion einbringen“, sagt Ekkehard Meinecke. Mit einer gehörigen Portion Selbstkritik blickt er dabei auf die Arbeit des ehrenamtlichen Lichtburg-Vorstands in den vergangenen Jahren zurück. „Wir haben vielfach nur noch zufrieden zur Kenntnis genommen, dass das Programm läuft.“

Es geht auch um Mitarbeiter

Es läuft noch immer – „auch Dank der zuverlässigen Förderung durch die Stadtsparkasse“, so Meinecke –, doch ist der Motor, der den Kulturbetrieb antreibt, ins Stocken geraten. Denn eines ist klar: Mit einem geringeren Zuschuss und dem fehlenden Auftrag für das Seefest haben sich die finanziellen Grundlagen für die Lichtburg dramatisch verändert. „Da geht es auch um Mitarbeiter, die wir vielleicht nicht mehr finanzieren können“, sieht Geschäftsführer Müller-Espey nicht nur nach außen sichtbare Folgen für den Betrieb der Lichtburg.

Mehr noch als das eigene Befinden richten die Lichtburg-Macher aber den Fokus auf die kulturelle Identität der Stadt. „Wenn die Vergabe des Seefestes so weiterläuft, haben wir im nächsten Jahr 50 Bewerber aus allen Regionen der Republik“, sagt Ekkehard Meinecke. „Und dann ist der Bezug zur Stadt irgendwann verloren.“