Therapieauto hilft Patienten

Das Therapieauto in der Orthopädischen Klinik Volmarstein umrahmt von Ideengeber Matthias Mund,  Heribert Büsgen, Patient Rolf Göbeler (hinten von von rechts) und den Ergotherapeuten Philipp Zaydowicz, Marion Kammler und Yvonne Grote (von links in Grün)
Das Therapieauto in der Orthopädischen Klinik Volmarstein umrahmt von Ideengeber Matthias Mund, Heribert Büsgen, Patient Rolf Göbeler (hinten von von rechts) und den Ergotherapeuten Philipp Zaydowicz, Marion Kammler und Yvonne Grote (von links in Grün)
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ins Auto ein- und aussteigen mit neuem Hüftgelenk – das will geübt sein. Patienten der Orthopädischen Klinik Volmarstein steht dafür jetzt ein Übungsfahrzeug zur Verfügung.

Volmarstein..  Es ist gar nicht so einfach, mit einem neuen Hüftgelenk in ein Auto ein- und auch wieder auszusteigen. Patienten der Orthopädischen Klinik Volmarstein bzw. des Therapiezentrums übten das bislang mit einem Ergotherapeuten und einem Stuhl. Diese Zeiten sind jetzt vorbei; denn seit gestern steht mitten im Erdgeschoss der Klinik ein Therapieauto.

„Von Patienten kam des öfteren der Wunsch, das Einsteigen in ein richtiges Auto zu üben. Aber bislang war das schwierig, weil dann Angehörige helfen und mit ihrem Auto herkommen mussten“, berichtet Ergotherapeutin Marion Kammler, die den Einsatz von Therapieautos aus dem Bergmannsheil-Krankenhaus kennt. Da traf es sich gut, dass auch Matthias Mund, kaufmännischer Bereichsleiter der Volmarsteiner Klinik, aus seiner Zeit als Leiter zweier Reha-Einrichtungen in Süddeutschland den Einsatz von Therapieautos kannte. Schnell war dann der Kontakt zum Autohaus Büsgen in Schwelm hergestellt, das nun der Klinik einen Fiat Panda für das Patiententraining zur Verfügung stellt.

Erste Trainingseinheit

Das Fahrzeug von der Anlieferzone durch den Flur bis in den Eingang der Klinik zu bugsieren, erwies sich allerdings als schweißtreibende Millimeterarbeit: Mit vereinten Kräften schoben und lenkten Autohaus-Chef Heribert Büsgen, Therapiezentrums-Leiter Philipp Zaydowicz, Matthias Mund und weitere Mitarbeiter den Fiat auf seinen ausgewählten Platz. Denn bei laufendem Motor hätte die Alarmanlage ausgelöst und die wiederum die Feuerwehr auf den Plan gerufen.

Als erster Patient mit neuem Hüftgelenk konnte Rolf Göbeler, der eine ambulante Reha in der Stiftung absolviert, eine kleine Trainingseinheit im neuen Therapieauto absolvieren. Dazu musste er sich parallel zur geöffneten Beifahrertür in Position bringen und dann rückwärts auf den Sitz setzen. Erst dann wurden die Beine ins Auto gehoben und der Oberkörper in Fahrtrichtung gedreht. Therapeut Philipp Zaydowicz half bei der Übung. „Ich habe zuhause auch schon mal geübt. Aber jetzt kann man das ja gleich hier machen“, begrüßte Göbeler das neue Angebot in der Klinik. Wobei er auch gleich noch einen Verbesserungsvorschlag macht: „Der Sitz müsset mit einer glatten Oberfläche abgedeckt werden. Dann kann man sich besser drehen, wenn man sitzt, ohne dass die ganze Hose so verrutscht.“

Philipp Zaydowicz jedenfalls weiß, dass es den Patienten Sicherheit geben wird, „wenn wir mit ihnen gleich hier ganz praktisch am Auto üben“. Denn in den ersten sechs Wochen nach dem Einsetzen eines neuen Hüftgelenks besteht ein erhöhtes Ausrenkrisiko. Patienten dürfen in dieser Zeit nicht selbst fahren; als Beifahrer können sie jedoch schon am fünften oder sechsten Tag nach der OP das Ein- und Aussteigen in ein Fahrzeug üben. „Man muss nur in der Anfangszeit auf bestimmte Bewegungen besonders achten“, so Philipp Zaydowicz.

Das bezieht sich im übrigen nicht nur auf Patienten mit neuer Hüfte, sondern auch auf solche mit einem neuen Kniegelenk oder nach einer Schulter-OP. Auch sie können jetzt direkt in der Orthopädischen Klinik an und mit dem neuen Therapieauto das Ein- und Aussteigen, das Schalten sowie das Beladen des Kofferraums üben.

Auch Matthias Mund freut sich über die Kooperation mit dem Autohaus: „Damit gewinnen unsere Patienten ein Stück Mobilität und Lebensqualität zurück.“ Und Heribert Büsgen ergänzt: „Ältere oder behinderte Menschen müssen nach einer OP mit der neuen Lebenssituation klar kommen. Da ist es doch schön, wenn wir den Start erleichtern können.“