Teure Radtour mit dem E-Bike und dem Zug

Wetter..  „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen“, dichtete Matthias Claudius im 18. Jahrhundert. Nun will sich der Wengeraner Ulrich Griehl nicht mit dem Dichter vergleichen, zu erzählen hat er aber dennoch einiges. Von einer Reise, die mit seinem E-Bike im Zug mit einem erhöhten Beförderungsgeld von 40 Euro und einer schmerzenden Bandscheibe endete.

Zusatzkarte gefragt

Doch von Anfang an. Ulrich Griehl war mit seinem E-Bike auf dem Ruhrtalradweg unterwegs. Von Wetter nach Kettwig sollte es gehen. Eine schöne Tour, doch für den Rückweg hatte Griehl dennoch die Bahn eingeplant. Erst mit der S-Bahn, dann mit der Abellio-Regionalbahn von Essen nach Witten. Eine Fahrkarte hatte Ulrich Griehl, für sich. Fürs das Rad fand er am Automaten kein entsprechendes Zeichen. „Es hätte eine Zusatzkarte sein müssen“, weiß er jetzt. Von Fahrrad habe dabei aber nichts gestanden. Lediglich ein kleines Bild, das drei Figuren mit einem halb verdeckten Rad zeigt, hätte ihn auf die Rad-Karte aufmerksam machen können.

Informationen fehlen

„Zu wenig Infos“, findet der Wengeraner. „Auch mit seit 27 Jahren vorhandenen Kenntnissen in der EDV muss man schon in der Bedienung dieses Automaten routiniert sein“, sagt Griehl und sieht sich durch unzählige Beiträge im Internet bestätigt. „Wer selten fährt, ist überfordert.“

Und selbst im Nachhinein ist Ulrich Griehl mit den Infos von Abellio nicht zufrieden. „Ich habe mir heute im Internet ihren Auftritt angesehen. Auch da muss man sich zu den Angaben über die Bestimmungen zum Fahrradtransport mühsam über die Suchfunktion „durchwühlen“. Ein deutlich abgesetzter Hinweis fehlt“, schreibt er in einem Brief an das Unternehmen Abellio, in dem er die 40 Euro Strafzahlung zurückfordert.

Der Fahrkartenkontrolleur habe ihm vorgeschlagen, sich die notwendigen Infos doch an den Servicestationen des VRR zu besorgen. „Er hielt mir dazu ein paar zerschlissene Broschüren entgegen, die er aus seiner Tasche zog. Er setzte auch voraus, dass ich darüber Bescheid weiß, dass im Zug sich ein Fahrkartenautomat befindet. Ein deutlicher Hinweis darauf war im Fahrradabteil aber nicht zu finden“, ist Ulrich Griehl noch immer verärgert und zieht grundsätzlich in Zweifel, dass entlang eines so beliebten Radweges die Mitnahme des Fahrrads überhaupt etwas kostet. „In anderen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Hessen und in den neuen Bundesländern ist der Fahrradtransport kostenlos“, sagt Griehl. „Das ist geradezu eine Antiwerbung für den Radweg.“

Unzumutbare Zustände

Und noch etwas ist dem Pensionär aufgefallen. „Die Zustände auf den Bahnhöfen waren unzumutbar.“ In Dahlhausen habe der Kartenentwerter nicht funktioniert, ein Fahrstuhl sei nicht vorhanden. „Was machen hier Behinderte?“ Zum Bahnsteig 2 habe es nur eine steile Treppe aufwärts gegeben. In Essen sei die Abfahrt um 18.07 Uhr für ein falsches Gleis angegeben worden. „Auf Zuruf des Fahrkartenkontrolleurs mussten wir und andere Fahrgäste Hals über Kopf in den Zug „springen““, erinnert sich Griehl. Der Kontrolleur habe nur lapidar geantwortet: „Ach, haben die das wieder mal nicht durchgegeben?“ Die Sauberkeit an den Bahnhöfen in Witten und Wetter erwähnt Griehl in seinem Beschwerdeschreiben an den Verkehrsverbund beinahe nebenbei. „Unmögliche Zustände“, sagt er.

Und nun? Wartet der rüstige Radler auf eine Antwort. Und behält sich vor, Abellio gegenüber seine Arztkosten und Schmerzensgeld geltend zu machen.