Strafe kann 24-Jährigen nicht bremsen

Diese Justitia, Göttin der Gerechtigkeit, wacht in Ulm vor dem Amts- und Landgericht.
Diese Justitia, Göttin der Gerechtigkeit, wacht in Ulm vor dem Amts- und Landgericht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Immer wieder rasselte ein Wetteraner ohne Führerschein in die Polizeikontrolle. Jetzt landete sein Fall vor dem Hagener Landgericht.

Wetter..  Ohne Führerschein rasselte ein Wetteraner immer wieder in die Polizeikontrolle. Geldstrafen und eine Bewährungsstrafe konnten ihn aber nicht bremsen. Im Oktober verurteilte das Amtsgericht Wetter den jungen Familienvater zu einer sechsmonatigen Haftstrafe. Jetzt landete sein Fall vor dem Hagener Landgericht.

Mit dem Auto zum Bewährungshelfer

Das Ziel, das sich der führerscheinlose Wetteraner gesetzt hatte, war hoch. Vor der 8. Kleinen Strafkammer des Landgerichts wollte er im Berufungsverfahren bewirken, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Und das, obwohl er sich auch von einem Urteil im April vergangenen Jahres nicht abschrecken ließ. Schon zehn Tage nachdem das Amtsgericht Wetter ihn zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt hatte, fuhr der junge Mann wieder mit einem Auto in der Stadt herum und wurde insgesamt drei Mal erwischt.

Besonders dreist: Eine seiner verbotenen Fahrten war zu einem Termin bei seinem Bewährungshelfer, den das Amtsgericht ihm kurz zuvor zur Seite gestellt hatte. Damit hatte er eindeutig gegen die Bewährungsauflagen verstoßen.

Umso verblüffter war die Kammer, dass der 24-Jährige in zweiter Instanz auf Bewährung hoffte. „Bei aller Liebe! Wie soll das denn gehen?“ fragte der Vorsitzende Richter Dieter Krause den Angeklagten. „Nach dem Urteil sind Sie gleich wieder gefahren. Das ist so uneinsichtig. Das kann doch keiner hier im Saal mehr verstehen!“

Mit Tränen in den Augen sagte der Wetteraner, dass er nun einen Job hätte. Erst vor einer Woche wurde sein zweites Kind geboren. Und das Auto, ein Leasingfahrzeug, habe er abgeschafft. Voller Reue versicherte er, dass er sich nun nicht mehr ohne Führerschein ans Steuer setzen würde.

Aber egal wie traurig der Angeklagte seine Augen aufschlug, angesichts seiner einschlägigen Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit sah das Gericht keine Chancen und verwarf die Berufung.

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn sprach in seinem Plädoyer von einem „Extremfall“, der sich durch nichts beeindrucken ließ. „Er fuhr trotz Strafen immer weiter. Das ist ein starkes Stück und nicht nachvollziehbar!“ Das sah auch die Kammer so. „Wir können dem Angeklagten keine positive Sozialprognose stellen. Es sind weitere Taten von ihm zu erwarten.“

Gericht nicht ernst genommen

Dabei zeigte das Gericht durchaus Bedauern für den jungen Mann, der einen Job verlieren wird und sich eigentlich um seine Familie kümmern sollte, statt im Gefängnis zu sitzen. Aber: „Man sollte von einem Mann, der eine Lehre gemacht hat und arbeitet, erwarten können, dass er die Entscheidungen eines Gerichts ernst nimmt.“