Stolperfallen auf dem Bildschirm müssen nicht sein

Noch gibt es viele überflüssige Hürden beim Abruf von Informationen im Internet
Noch gibt es viele überflüssige Hürden beim Abruf von Informationen im Internet
Foto: WP
Christian Radek aus Wetter arbeitet bei der „Meldestelle für digitale Barrieren“. Dabei ist Barrierefreiheit auf dem Bildschirm so leicht.

Wetter..  Sie sind klein und stehen wild auf der Seite und sollen eigentlich nur richtig erkannt werden. Zugleich sind die Abfolgen von Buchstaben und Zahlen aber auch eine Hürde, eine der häufigsten, die Christian Radek gemeldet werden. Der Wetteraner ist Mitarbeiter der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung. Sie betreibt in Düsseldorf eine Meldestelle für digitale Barrieren. Radek arbeitet aber auch mit bei der Umsetzung des Aktionsplans, der Wetter noch mehr zu einer menschengerechten Stadt machen soll.

Capcha nennen sich die tanzenden und nach jedem Aufruf neu zusammengewürfelten Zeichen. Sie sollen dabei helfen, dass sich nicht ein automatisiertes Programm irgendwo anmelden will sondern wirklich ein Mensch, der die aktuelle Zeichenfolge gerade vor sich sieht. Dabei gibt es technisch längst viel bessere Möglichkeiten, weiß Christian Radek. Zur Stolperfalle werden die Capchas dennoch, vor allem bei Menschen, die nicht oder nicht gut sehen können.

Gehen denn solche Menschen überhaupt ins Internet? Und ob, sagt Christian Radek. Nicht unbedingt, weil sie im Internet etwas lesen wollen, sondern weil sie sich mit Hilfe von Zusatzprogrammen Internetseiten vorlesen lassen können. Das klappt aber nur reibungslos, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. Dazu zählt, dass im Hintergrund kleine Texte eingegeben sind, wo für den gewöhnlichen Betrachter ein Bild den Bildschirm füllt. Wichtig ist auch, dass die Möglichkeiten zur Strukturierung von Texten genutzt werden. Wer als Gestalter Überschriften einfach nur fett markiert, macht es den Vorleseprogrammen schwer. Wer mit Formatierungsvorlagen gliedert, macht ein Durchhuschen durch den Text möglich.

„Wer Webseiten macht, sollte mit Verstand daran gehen“, sagt Christian Radek. Und mit Verstand habe es manchmal wenig zu tun, wenn irgendwelche Firmenlogos in einem eigens erfundenen Farbton gedruckt würden, am besten noch blass dazu. Was soll eine Vorleseprogramm zu diesen Designs sagen? Es fehlt vielfach an Wissen, ist Radek überzeugt; Wissen, das vor gar nicht allzu langer Zeit einmal da gewesen ist. Anfangs brauchten viele Rechner ziemlich lange, bis sich eine Seite mit vielen Bildern auf dem Bildschirm aufbaute. Wer wollte, konnte eine Darstellungsform ohne Bildchen wählen. Und es gab auch Menschen, die wussten, wie man die Internetseiten entsprechend einrichtet. „Dieses Wissen ist aber vielfach schon wieder verloren gegangen“, beklagt Radek, der lange in Wetter am Forschungsinstitut Technologie und Behinderung gearbeitet hat und weiterhin einen kurzen Draht zu der Einrichtung hat.

Bei Christian Radek melden sich Nutzer, die auf einer Seite keinen Zugang zu einem Anbieter gefunden haben, weil dieser noch auf Capchas setzt. Bei Radek kommt aber auch an, wenn mal wieder eine Seite ganz viele Stellen hat, die sich nicht mit dem Tabulator ansteuern lassen. Das wird wichtig, wenn der Mensch am PC, warum auch immer, keine Maus führen kann.

Barrierefreiheit sollte normal sein

Radek nimmt bei der Meldestelle diese Hinweise auf und setzt sich dann mit den Anbietern der problematischen Seiten in Verbindung. Manchmal ist es leicht, einen Ansprechpartner zu finden. Bei den globalen Spielern mit ihren Firmensitzen irgendwo in der Welt hat er das aber fast aufgegeben. Eine Verpflichtung zu barrierefreien Seiten haben zumindest private Anbieter nicht, und natürlich auch keine, auf Radeks Mails hin etwas zu ändern. Manche tun das aber trotzdem.

Viel Wissen ums Programmieren ist verschwunden, weil es immer mehr Dienstleister gibt, die es nahezu jedem möglich machen, eigene Internetseiten für sich, den Verein oder die Firma zu basteln. „Das wäre eine tolle Sache“, findet Christian Radek, „wenn diese Dienstleister Barrierefreiheit ganz selbstverständlich mit anbieten würden“, und die Abnehmer erkennen, dass ihre Seiten so noch mehr Leser (und Vorleser) finden können.