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Umgang mit Verstorbenen...

Sterben - die letzte Verwandlung

07.04.2010 | 15:55 Uhr

Am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke hat die Sterbebegleitung und der bewusste Umgang mit dem Verstorbenen seit Gründung im Jahr 1969 einen ganz besonderen Stellenwert.

„Diese menschenwürdige Sterbekultur basiert auf dem Menschenbild Rudolf Steiners: Der Mensch ist ein sich entwickelndes Wesen. Und seine Entwicklung geht weit über den Tod hinaus in weitere Lebensformen.” Marly Joosten ist Krankenschwester für Pflegeüberleitung und langjähriges Mitglied des Aufbahrungskreises am Gemeinschaftskrankenhaus. Zu diesem gehören Pflegende, zwei Seelsorger sowie Kunsttherapeuten.

Erstere seien die Hüter des Übergangsprozesses vom Verstorbenen hin zum Leichnam. Sie waschen den Toten, ölen ihn ein und bahren ihn auf, damit er später würdig aus dem Krankenhaus gebracht werden kann. Rund 200 Menschen sterben jedes Jahr im Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus, ein Akutkrankenhaus.

„Die letzte große Verwandlung des Menschen ist der Sterbemoment”, sagt die gebürtige Holländerin - nach Steiner, der den Tod als den majestätischsten, strahlendsten Moment im Leben, als Neugeburt, sah.

„Die Persönlichkeit des Menschen geht über den Tod hinaus weiter - sonst bräuchten wir uns ja nicht entwickeln”, so Joosten - und weist auf den Unterschied zwischen dem Verstorbenen und dem Leichnam hin.

Die Sterbekultur helfe, diesen Übergang zu erleben. „Das ist kein Spuk, den man glauben muss. Das lässt sich ganz direkt erfahren”, weiß Joosten.

„Ein wunderbarer

Frieden”

Wer den Mut habe und das Gestorben-Sein zulasse, damit umgehe und sich damit auseinandersetze, der könne viele Entdeckungen machen. Das Gefühl für die Anwesenheit des Verstorbenen ändere sich. „Ein wunderbarer Frieden, ein Lächeln, erscheint Stunden nach dem Tod auf dem Antlitz. Und man spürt, dass es dem Verstorbenen da, wo er jetzt ist, gut geht.”

Joosten weiß, dass diese Erfahrung für die Angehörigen eine wesentliche Hilfe bei der Verarbeitung des schmerzhaften Verlustes ist. Dies hätten zahlreiche Angehörige bei späteren Begegnungen bestätigt. Und Marly Joosten selbst konnte es nicht nur beim Tod ihrer besten Freundin erleben.

„Wir bahren den Verstorbenen drei Tage lang auf, damit das Seelisch-Geistige sich auflösen kann.” Im Todesmoment lösten sich Geist, Seele und Lebensleib von dem physischen Körper. Bis zu dem Moment, wo nur noch die körperliche Hülle, der Leichnam da ist, der bestattungsreif ist. Drei Aufbahrungsräume, in denen Kerzen brennen, besitzt das Krankenhaus.

Durch das Tabuisieren der Formgebung im Umgang mit Verstorbenen würden wir, so Joosten, in unserer heutigen materiellen Zeit von geistig realen Erfahrungen abgeschnitten. „Ich fand den Umgang mit Verstorbenen in anderen Krankenhäusern oft verheerend - im Keller gestapelt wie Sondermüll.”

Überwindung

des Schmerzes

Joostens Trost für zurückbleibende Angehörige: „Es gibt kein Ostern ohne Karfreitag. Die Auferstehung ist der Jubel über die Überwindung des Schmerzes.” Die Aufbahrung als Übergangsritual gebe den Angehörigen Zeit, langsam Abschied zu nehmen.

Heike Adelberger

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