Stempeln gehen

Die moderne Gastronomie erfordert neue Schlüsselqualifikationen. Die Bedienung von heute muss stempeln können – wie wir Kinder der 60er-Jahre es stolz in unserer Kinderpost für Leben lernten: Stempelchen aufs Kissen und dann – zack! – mit Schmackes ins dafür vorgesehene Feld aufs Blatt.

Heutzutage, im Zeitalter der Rabattkarte (nach zehn Kaffee gibt’s den elften gratis), wird wieder gestempelt, was das Zeug hält. Eine junge Frau hinter der Bäckertheke erbrachte gestern allerdings den traurig stimmenden Beweis, dass sie ohne Kinderpost aufwachsen musste. Ihre kleinen roten Croissant-Stempel, kreuz und quer auf den Rabattkarten verteilt, nie im dafür vorgesehenen Feld mit der Kaffeetasse platziert, verrieten die blutige Anfängerin. „Oh“, sagte die junge Frau, „als ihr ein Stempel besonders entglitt, „der gilt aber trotzdem. Versprochen!“

Das wollen wir doch hoffen. Denn wenn sie nur Streit mit den Kunden schürt, müsste die junge Frau am Ende gar – wie sagte man früher noch – stempeln gehen.