Steller überredet Schüler zum Auftritt in der Dörken-Galerie

Herdecke..  Oliver Steller, der sich im Land als Rezitator von deutscher Lyrik und als Musiker einen Namen gemacht hat, tritt mit seiner Gitarre namens „Frieda“ normalerweise vor Publikum auf – etwa im vergangenen Jahr an zwei Abenden in Wetters Lichtburg. Im Herbst 2014 unterhielt er Viertklässler aus Herdecker Grundschulen im Werner-Richard-Saal mit Gedichten. Nun gab es ein Wiedersehen.

Am Freitag rückte Steller in der Dörken-Galerie auf Einladung der gleichnamigen Stiftung, wobei der Erlös des Abends an die Herdecker Bürgerstiftung ging, den Dichter Christian Morgenstern in den Mittelpunkt. Nicht nur Kinder und Jugendliche sollten erleben, wie Gedichte weniger analytisch, sondern durch einen kurzweiligen Vortrag zum Leben erweckt werden können.

Zuvor hatte der Künstler mit „Gretel“, der leiseren Gitarren-Schwester von „Frieda“, Station in der Friedrich-Harkort-Schule gemacht. Im vergleichsweise kleinen Kreis von Schülern (überwiegend aus dem Musik-Grundkurs der Jahrgangsstufe 11) begann der Workshop „Lyrikvertonung“, den Rainer Hatzky von der Bürgerstiftung und die Musik- und Deutschlehrerin Sabrina Heising initiiert hatten.

Training für Sprache und Gestik

„Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben.“ Zitate wie dieses aus Goethes „Zauberlehrling“ fielen, als die Schüler nacheinander ihre Lieblingsgedichte vortrugen. Von Klassikern der deutschen Literatur wie Rilkes „Der Panther“ über die amerikanische Dichterin Emily Dickinson bis hin zu Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt und moderner Alltagslyrik (z.B. „Handy am Abgrund“) war alles dabei. Oliver Steller half den Gymnasiasten gelegentlich etwas auf die Sprünge, ließ sie in Bezug auf Artikulation, Sprechhaltung und Gestus mit den Texten experimentieren und warm werden. Das Eis war laut Heising schnell gebrochen, jedoch juckte es bereits einigen Schülern in den Fingern, schließlich hatten sie Instrumente mitgebracht.

Nach einer durch Musik und Geräusche illustrierten Präsentation zweier Schülerinnen kristallisierte sich der Beerdings-Blues „Funeral blues“ als Lieblingsgedicht der Gruppe heraus. Ein Schüler schnappte sich die Gitarre und forderte damit alle zum Musikmachen auf. Steller ließ sich anstecken und gab auf „Gretel“ ein einfaches Akkordmuster sowie einen Groove vor. Schon bald konnte eine Geigenstimme ergänzt werden. Das Keyboard übernahm den Part des E-Basses, die Cajon den des Schlagzeugs. Über gesangliche Experimente wurden die ersten beiden Zeilen des Gedichts erarbeitet und zu einem zweistimmigen Liedsatz verfeinert. Doch nicht alle Teile des Gedichts waren demnach so einfach zu vertonen.

Improvisationsübungen

Nach einigen Improvisationsübungen entstand am Ende eine gelungene Version der ersten und dritten Strophe. Zum Schluss gab es positives Feedback, so Heising. Stellers Vorschlag, die Vertonung abends beim Morgenstern-Konzert in der Dörken-Galerie aufzuführen, wurde begeistert aufgenommen. Auch das Publikum honorierte dies mit Applaus. Mit diesem Rückenwind konnten die Elftklässler zu Studienfahrten nach London und Prag aufbrechen.