Stadt Herdecke schafft neue Räume für Menschen in Not

In Räumen der Albert-Schweizer-Schule und des früheren Jugendzentrums Mittendrin entstehen 15 Zimmer für Flüchtlinge. Im Bild Dieter Joachimi, Evgenij Ufelmann, Claudia Schulte und Katja Strauss-Köster.
In Räumen der Albert-Schweizer-Schule und des früheren Jugendzentrums Mittendrin entstehen 15 Zimmer für Flüchtlinge. Im Bild Dieter Joachimi, Evgenij Ufelmann, Claudia Schulte und Katja Strauss-Köster.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ex-Jugendzentrum und Klassenräume werden umgebaut. In Herdecke ist eine vierte Sammelunterkunft für Flüchtlinge bald bezugsfertig.

Ende..  An einer der Türen hängt noch das Schild „Löwenklasse“, und auch an den Kacheln im WC hängen weiter Klebebildchen. Die Spuren der Vergangenheit machen auch die Gegenwart bunter. Wo früher einmal Jungen und Mädchen der Albert-Schweizer-Schule unterrichtet wurden, sollen bald Flüchtlinge ein vorübergehendes Heim finden. Auch im angrenzenden früheren Jugendzentrum Mittendrin sind die Handwerker bei der Arbeit. Die ehemalige Hausmeisterwohnung haben schon zwei Flüchtlingsfamilien bezogen.

Eine erste Bleibe in der Stadt

Die Tür der Löwenklasse führt jetzt nicht mehr in einen großen Klassenraum, sondern zunächst in einen kleinen Vorflur. Von ihm gehen drei Zimmer ab, zwei Wohn- und Schlafräume, eine Gemeinschaftsküche. Die Trockenbauer sind schon länger mit den neuen Zwischenwänden fertig. Die hellen Farben wirken mal freundlich, mal ein wenig blass. Blech-Spinde, ein Tisch und Stühle sowie Metallbetten zählen zur Grundausstattung. Die Matratzen sind noch in Folie eingeschweißt. In zwei Wochen soll sich das ändern. Dann könnten die ersten Flüchtlinge in die mittlerweile vierte Sammelunterkunft in Herdecke einziehen.

Nicht alle 15 Zimmer werden dann schon fertig sein. Aber der erste von zwei Bauabschnitten ist so gut wie bezugsfähig. Auch die nötigen sanitären Anlagen sind hergerichtet. Toiletten gab es, und auch eine große Sammeldusche im Kellergeschoss. Hier wurde allerdings eine Wand eingezogen. Jetzt muss immer noch in der Gemeinschaft geduscht werden, aber für Männer und Frauen getrennt.

Das Jugendzentrum ist aus anderen Gründen vom Stadtteil Ende in die Herdecker Innenstadt verlegt worden. Die Albert-Schweizer-Schule hat ihre Klassen in einem neueren Bereich und wird ohnehin im Sommer komplett nach Witten umziehen. Die Flüchtlinge finden dann eine Unterkunft vor, die gerade Familien mit Kindern viel zu bieten hat: Im Innenhof gibt es Spielgeräte, und auch wenn Erwachsene mal draußen rauchen oder reden wollen, gibt es nicht gleich Probleme mit den Nachbarn.

Umbau billiger als Wohn-Container

In Kürze sollen auch die Räume im früheren Jugendzentrum fertig sein. Noch hängen Kabel aus der Decke, fehlt Farbe an den neuen Zwischenwänden, muss eine große Küche noch aufgebaut werden. 338 Quadratmeter beträgt die Gesamtfläche der Flüchtlingsunterkunft, rund 40 000 Euro wird der Umbau kosten, etwas mehr als ursprünglich geplant. Und doch viel weniger, als Container-Wohnungen gekostet hätte. Diese Unterbringungsvariante hätte die Stadtkasse mit 80 000 Euro Miete belastet, und das Jahr für Jahr.

Ziel bleibt es, die Flüchtlinge in der Stadt verteilt unterzubringen, sagt Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster. Bei fast der Hälfte der Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Herdecke geflohen sind, hat das geklappt. Für die akute Not gibt es jetzt mehr Platz.