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Stadt Herdecke hat einen „Klotz am Bein“

20.01.2015 | 16:11 Uhr
Stadt Herdecke hat einen „Klotz am Bein“
Foto: Oliver Berg/DPA

Herdecke.   Die Aufwertung des Schweizer Franken führt zu jährlichen Mehrausgaben. Und auch sonst drückt er die Stadt.

Ein Kredit aus dem Jahr 2005 kommt die Stadt Herdecke jetzt teurer zu stehen als erwartet. Weil die Schweizer Nationalbank den Schweizer Franken vom Euro entkoppelt hat, zahlt die Stadt Herdecke nun jährlich mehr Zinsen und hat eine insgesamt höhere Schuldenaufnahme. „Wir haben da einen Klotz am Bein“, gesteht Finanzdezernent Frank Zagler ein.

Spielraum der Stadt wird kleiner

Bei der Kreditaufnahme belief sich die Kredithöhe auf zwei Millionen Euro. Im Lauf der Jahre waren daraus durch die Kursentwicklung und Stützungsmaßnahmen der Schweizer 2,5 Millionen Euro geworden. Nun kam für die Herdecker Kämmerei wie auch die Schatzmeister vieler anderer Städte im Revier die Nachricht: Schweizer Franken und Euro sind nicht mehr fest aneinander gekoppelt. Statt dem Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken für einen Euro gilt aktuell ein Kurs von etwa Eins zu Eins. Der Euro verliert also deutlich an Wert. Für Herdecke hat das gleich drei Folgen auf einmal: Der Rat hat der Stadt Kassenkredite von maximal 20 Millionen Euro erlaubt. 2,5 Millionen Euro waren bislang davon für den Kredit in der Schweiz vergeben. Nun sind aktuell drei Millionen Euro davon schon weg. Der Spielraum für andere Kassenkredite verringert sich also deutlich.

Weil die Kreditsumme des Schweizer Kredites jetzt mit 3 Millionen Euro veranschlagt wird, müssen auch für 500 000 Euro mehr Zinsen gezahlt werden. Der Zinssatz ist zwar sehr niedrig und liegt bei rund 0,5 Prozent. Dennoch muss die Stadt jetzt im Jahr rund 3000 Euro mehr an Zinsen für diesen Kredit überweisen.

Hypothek aus der Vergangenheit

So lange die Stadt den Kredit nicht zurück zahlt, hat sich auch die Gesamtverschuldung um 500 000 erhöht. Bei rund 55,5 Millionen Euro liegt sie damit. Die Stadt hat nämlich längst nicht nur Kassenkredite, sondern auch für Investitionen Geld aufgenommen.

„Wir sind nicht risikofreudig an die Sache herangegangen“, versichert Frank Zagler und spricht von einer „Hypothek aus der Vergangenheit.“ Schließlich seien alle anderen Kredite der Stadt Herdecke auf Euro-Basis aufgenommen worden. Und auch für die anderen Städte sei die Entkoppelung ja völlig überraschend gekommen.

Trotzdem scheint jemand den richtigen Riecher gehabt zu haben: Es hat im Herdecker Rathaus Überlegungen gegeben, diesen einen anderen Kredit auf Franken-Basis vielleicht doch abzulösen. Zu Beginn dieses Jahres hatte die Verwaltung Kontakt zum Geschäftspartner aufgenommen. Das Ergebnis fiel anders aus als erwartet: Plötzlich kostete die gleiche Summe aufgenommenen Geldes 500 000 Euro mehr.

Eine Ablösung des Kredites wäre natürlich auch jetzt noch möglich, aber Frank Zagler will „den Kredit nicht sofort loswerden“: Die Linie im Rathaus lautet: „Wir müssen das beobachten. Zur Zeit ist der Markt einfach sehr überhitzt.“ Vielleicht gibt es ja bald einen Zeitpunkt, der eine Rückzahlung weniger zu einem Verlustgeschäft machen würde.

Klaus Görzel

Kommentare
22.01.2015
01:15
Stadt Herdecke hat einen „Klotz am Bein“
von RAllimontecarli | #1

Kämmerer als Spekulanten gegen den Markt, denn niedrige Zinsen ohne Risiko, wo gibt`s das denn.
Die Realitätsverweigerung ist grausam.
Wie gut das der...
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2015-01-20 16:11
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