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Spielzeugwaffen selbst für Experten der Polizei „zu echt“

21.01.2015 | 11:00 Uhr
Spielzeugwaffen selbst für Experten der Polizei „zu echt“
Bernd Seifert von der Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis zeigt eine Auswahl eingezogener Anscheinswaffen.Foto: Andreas Gruber

Wetter/Ennepe-Ruhr.   Die EN-Polizei weist auf die Risiken von Spielzeugpistolen hin, die von echten Waffen kaum zu unterscheiden sind, wie ein Überfall in Wetter zeigte.

Als er in die Pistole sah und entdeckte, dass der Lauf vorne keine Sperre hat, sei ihm klar geworden, dass die Täter eine „echte“ Schusswaffe bei sich hatten. So schildert Tankstellenpächter Hans-Joachim Paulus den Moment, als ihm klar wurde, dass der Überfall auf die Oil-Station in Ennepetal vor Kurzem kein übler Scherz war, wie er erst dachte. Die Zeiten, als man scharfe Waffen von Spielzeugwaffen unterscheiden konnte, sind längst vorbei. Im Gegenteil. Sie sind heutzutage so identisch, dass selbst Experten sie durch die bloße Inaugenscheinnahme nicht mehr auseinander halten können. Welche Risiken sich daraus – auch für spielende Kinder – ergeben, erklärt Bernd Seifert von der Kreispolizei Ennepe-Ruhr.

Zuständig für das Waffenrecht

Seifert ist zuständig fürs Waffenrecht und damit zuständig für den Missbrauch von so genannten Anscheinswaffen. Auf seinem Schreibtisch liegen ein Schnellfeuergewehr, eine Maschinenpistole und mehrere Pistolen. Sie sehen bis aufs kleinste Detail aus wie „scharfe“ Waffen, sie haben die gleichen Maße, sie haben nahezu das gleiche Gewicht, ihre Handhabe ist dieselbe und sie werden geladen und gespannt wie „scharfe“ Waffen. Doch sie sind es nicht.

Bei den Spielzeugwaffen handelt es sich oft um Softair-Pistolen, aus denen erbsengroße Kügelchen abgefeuert werden. Sie sind nicht gefährlich, aber täuschend echt. So echt, wie es heutzutage auch Schreckschusspistolen oder Gaspistolen sind. Die Industrie, vor allem die Spielzeugindustrie, wirft immer wieder Modelle auf den Markt, die den „scharfen“ in nichts mehr nachstehen. Man bekommt sie im Handel, auf der Kirmes und selbstverständlich im Internet.

Bei Spielzeugwaffen gibt es zwar eine Altersempfehlung, der Verkauf an Kinder aber erst ab 14 Jahre. Bindend, so Seifert, ist das aber nicht. Theoretisch könnten sich Sechsjährige täuschend echte Waffen besorgen. Die „Uzzi“ gibt es für 20 bis 25 Euro, das aktuelle Sturmgewehr der Bundeswehr in der Softair-Version angeblich schon unter 100 Euro.

Worüber sich viele nicht bewusst sind: Seit 2008 ist die Benutzung von Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit verboten. Wer im Wald mit Softair-Pistolen „Krieg spielt“, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wer dabei erwischt wird, riskiert ein Verwarnungsgeld. Die Höhe (zwischen 75 und 150 Euro) bemisst sich am Einkommen. Die Spielzeugwaffe wird eingezogen und bleibt es auch.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis werden jährlich 25 bis 30 Ordnungswidrigkeiten wegen Verstoßes gegen Paragraph 42a (Verbot des Führens von Anscheinswaffen) verhängt. In den meisten Fällen handelt es sich um 14- bis 18-Jährige. „Die jüngsten sind zwölf“, sagt Seifert.

Noch schlimmer: Für Außenstehende ist die Situation nicht mehr einschätzbar. Sind die Waffen harmlos oder tödlich? Auch für die Polizei erhöhe sich das Risiko. Seifert erzählt von Anrufen in der Leitstelle, dass Spaziergänger Jugendliche mit Waffen im Wald beobachten. Polizisten fuhren raus und mussten damit rechnen, dass es sich um echte Waffen handelt. Das macht es heikel – für die Beamten und die Jugendlichen. Daher trainiert die EN-Polizei Einsatzsituationen unter Stress regelmäßig im Schießzentrum in Hattingen, wie Sprecher Dietmar Trust erklärte. „Übrigens nicht nur das Schießen, sondern auch das Nicht-Schießen“, so Trust, also das situative rechtzeitige Erkennen, wann die Waffe nicht eingesetzt werden darf. Mahnendes Beispiel ist der Tod eines Zwölfjährigen im November 2014 in den USA. Der Teenager hatte mit einer Druckluft-Spielpistole einen Polizisten bedroht, er wurde von ihm erschossen.

Überfall auf Aldi in Wetter

Doch auch bei Straftaten spielen täuschend echte Spielzeugpistolen immer wieder eine Rolle. Auch im EN-Kreis. So zuletzt beim Überfall auf den Aldi in Wetter im vergangenen Oktober. Die Täter, die mehrere Spielhallen in der Region ausraubten, bedrohten ihre Opfer mit Spielzeugwaffen, wie sich später bei der Festnahme herausstellen sollte.

Bei wievielen Straftaten genau dies der Fall ist, wird von der Polizeistatistik nicht erfasst. Das liegt auch daran, dass es bei der Einordnung der Straftat überhaupt keine Rolle spielt. Ob mit Spielzeug- oder mit scharfer Waffe: Beide Male ist es eine bewaffnete Straftat, und die wird härter bestraft.

Umgekehrt warnt Seifert auch davor, sich eine Spielzeugpistole zur Verteidigung anzuschaffen, nach dem Motto: Ich will niemanden erschießen, aber dem Einbrecher oder Räuber zumindest Angst einjagen. „Im schlimmsten Fall hat der Täter eine scharfe Waffe dabei und benutzt sie auch“, so Seifert. Er rät daher vom Kauf einer Spielzeugwaffe ab. „Es ist überflüssig. Das braucht auch keiner.“

Andreas Gruber

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2015-01-21 11:00
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