Spielplätze und Raser in der Kritik

Nicht nur die Redakteurinnen der Westfalenpost kamen mit den Besuchern am WP-Mobil ins Gespräch. Auch die Politiker vor Ort mussten sich Einiges anhören. Von links: Marit Roschin (SPD), Doris Hülshoff (FDP), Gerd G. Michaelis (Bürger für Wetter) und Jörg-Michael Birkner (SPD) diskutieren mit Volker Kowalski über Lkw-Stellplätze.
Nicht nur die Redakteurinnen der Westfalenpost kamen mit den Besuchern am WP-Mobil ins Gespräch. Auch die Politiker vor Ort mussten sich Einiges anhören. Von links: Marit Roschin (SPD), Doris Hülshoff (FDP), Gerd G. Michaelis (Bürger für Wetter) und Jörg-Michael Birkner (SPD) diskutieren mit Volker Kowalski über Lkw-Stellplätze.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Lebhafte Gespräche führten die Redakteurinnen mit den Bürgern von Schmandbruch am Redaktionsmobil. Es gab Lob, aber auch Kritisches über den Ortsteil.

Volmarstein..  Metzgerei, zwei Schulen, Bäckerei, Spielplatz, Bürgertreff – was will man mehr? „Der Schmandbruch ist einer der blühendsten Stadtteile Wetters“, meinte Jörg-Michael Birkner noch bevor ein Bürger sich am Redaktionsmobil zu Wort gemeldet hatte. Der SPD-Politiker, zu dessen Wahlkreis der Schmandbruch gehört, musste im Verlauf des Vormittags dennoch anerkennen, dass es in dem Ortsteil durchaus das eine oder andere Problem gibt.

Raser am Oberberger Weg

Anwohner des Oberberger Wegs etwa trugen jede Menge Kritik vor. „Man darf dort nur 30 fahren, aber die meisten Autofahrer brettern mit 50, 60 oder 70 Sachen durch. Da müsste die Polizei mal messen“, klagte Gustav Krug. Zudem werde an der Einmündung zur Vogelsanger Straße ständig so geparkt, dass man keine Sicht habe und beim Einfahren in die Straße in den Gegenverkehr fahre.

„Mein Sohn hatte letztens dort genau aus diesem Grund noch einen Unfall“, ergänzte der 81-Jährige. „Ansonsten wohne ich hier ganz herrlich und bin zufrieden“, so Krug weiter. Seinen Plan, mit 80 den Führerschein abzugeben, habe er jedoch nicht in die Tat umgesetzt: „Denn ohne Auto ist es unmöglich, hier zu leben.“ Ein anderes Anliegen lag Margot Kuschorrek am Herzen: „An der Ecke Eckenerstraße/Lilienthalstraße standen immer Container, aber die sind jetzt leider verschwunden. Es wohnen so viele alte Leute hier, und wir müssen jetzt alle ins Industriegebiet Knorr Bremse. Dabei ist es so gefährlich, sich zwischen all den Lastwagen zu bewegen.“

Die 80-Jährige wohnt seit 41 Jahren am Schmandbruch, „glücklich und zufrieden“, wobei sie sich über eine Anbindung ihres Stadtteils an den Bürgerbus sehr freuen würde: „Noch kann ich selber Auto fahren, aber irgendwann ist das vorbei.“

Kein leichtes Unterfangen, wie die Gerd G. Michaelis als Vorsitzender des Bürgerbusvereins an Ort und Stelle klären konnte: „Dafür braucht man etwa 20 ehrenamtliche Fahrer, einen neuen Bus und die Genehmigung der VER.“ Grundsätzlich aber müsse man aufgreifen, dass es offenbar kaum Unterstützung für alte Menschen am Schmandbruch gebe, so Karen Haltaufderheide (Grüne): „Das ist ein Argument für die Entwicklung von Quartierskonzepten, zu denen auch Treffs für die Leute gehören.“

Treffpunkt Schule

Einen solchen Treffpunkt organisiert Agnes Kölker. Die 74-Jährige hat am Schmandbruch eine Gruppe der Evangelischen Frauenhilfe aufgebaut. Jeden zweiten Donnerstag treffen sich die alten Damen in der Grundschule. „Nur, wie lange noch?“ fragt sich Agnes Kölker. Acht Kinder wurden fürs kommende Schuljahr angemeldet, zu wenig für eine Klasse. Der Standort am Schmandbruch hat kaum Zukunft, gerade einmal 18 Jahre nachdem die Schule bezogen wurde. Das Tanzsportzentrum könnte eine Lösung sein, wenn die Schule keinen Platz mehr bietet, so die Idee von Inge Holland (BfW). Sie will sich kümmern.

„Der Schmandbruch, das ist ein Luftkurort“, schwärmt einer der Leser am WP-Mobil und lässt die anwesenden Vertreter von SPD, FDP, Grünen und Bürger für Wetter einmal aufatmen. Endlich etwas Positives. Doch dann holt der Rentner noch einmal Luft: „Für einen Kurort gibt es aber zu wenig Ärzte, demnächst nicht mal mehr einen!“ Dr. Narchi werde seine Praxis ins neue Ärztehaus in Alt-Wetter verlegen, verkündet er auch für die Wahlkreisvertreter etwas Neues. Der Mann sieht die Politik in der Pflicht, sich um einen Stadtteil wie den Schmandbruch zu kümmern. Seinen Namen will er dann aber nicht verraten. „Gehen Sie einfach mal von Haus zu Haus, dann lernen Sie mich kennen.“

Katzen, Ratten und Lärm

Fritz-Ulrich Brüne ist auch nicht wirklich gut auf die Politik zu sprechen. Steuererhöhungen und die Zerstörung der Landschaft durch ein Industriegebiet am Stork, das ist dem 63-Jährigen ein Dorn im Auge. Doch auch ganz konkret gibt es Dinge in seiner Nachbarschaft, die ihn ärgern. Katzen, die von einzelnen Familien gefüttert würden, bevölkerten Gärten und Straßen. Und das Futter im Überfluss locke wiederum Ratten an. „Ich habe beim Ordnungsamt angerufen, aber da kümmert sich niemand“, so Brüne. Ebenso wenig um ein Haus an der Flötpfeife, an dem alltags wie sonntags Autos repariert würden. „Mitten im Wohngebiet!“ Da habe ihm die Stadt geraten, ein Foto zu machen. Ohne ein solches Dokument der Verfehlungen könne das Ordnungsamt nicht reagieren. Ein Thema, das auf den Zettel von Jörg-Michael Birkner (SPD) kommt. Und Zettel hat er schon viele.

Kümmern müssen sich Stadt und Politik auch um die Spielplätze. Gerade noch hatte SPD-Ratsherr Birkner die Spielflächen in höchsten Tönen gelobt, da kommt Christian Küsters mit Töchterchen Luna (3) zum WP-Mobil. „Ich gehe auf den Spielplatz und weiß nicht mehr, was ich mit den Kindern dort machen soll, weil alle Geräte verschwunden sind“, ärgert sich der Familienvater. Für die jüngere Tochter gebe es noch ein Angebot, doch seine 13-Jährige finde dort nichts mehr.

Ein Problem, das Karen Haltaufderheide als Vorsitzende des Unterausschusses Spielplätze, kennt. Sie hat alle Spielplätze gesehen und war teilweise entsetzt. Jetzt soll es 50 000 Euro für die Bestandspflege geben. Allerdings müsse die Zahl der Plätze noch reduziert werden, um aus vielen schlechten einige gute zu machen. Drei Brachflächen, die lange als ehemalige Spielplatzflächen vorgehalten wurde, sollen womöglich verkauft werden. Und ein Teil des Erlöses könne dann in die Sanierung zum Beispiel auch am Schmandbruch gehen. „Mal sehen, wie lange das dauert“, verabschiedet sich Küsters nicht wirklich zuversichtlich.

Kein Platz für Lkw

Volker Kowalski treibt ein anderes Problem zum Redaktionsmobil: Der Berufskraftfahrer ärgert sich maßlos über das Parkverbot von 6 bis 20 Uhr für Lkw etwa im Altenhofer Weg. Irgendwo müsse er den Lkw für die vorgeschriebene Standzeit von elf Stunden parken. Aber: „Ich kriege dort regelmäßig Knöllchen. Lkw-Fahrer aus dem Ausland, die da sogar übernachten und alles zumüllen, zerreißen die Knolle und sind fein raus.“ Ein Gewerbegebiet ohne ausreichende Parkplätze für Lkw, das gehe gar nicht.