Wetter

Sekundarschüler aus Wetter tüfteln im Betrieb

Wenn der Getriebebau nicht ganz nach Plan geht, hilft ein Konstrukteur: Siebtklässler der Technik-AG der Sekundarschule in Wetter arbeiten im Schülerlabor der Firma Bleistahl.
Wenn der Getriebebau nicht ganz nach Plan geht, hilft ein Konstrukteur: Siebtklässler der Technik-AG der Sekundarschule in Wetter arbeiten im Schülerlabor der Firma Bleistahl.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Einmal pro Woche tauschen Sekundarschüler das Klassenzimmer gegen das Schülerlabor der Firma Bleistahl. Dort bauen sie Getriebe, Motoren und mehr.

Wetter.  . Zwei Zahnräder greifen ineinander, eine kleine Kurbel treibt sie an. Dieses einfache Getriebe ist so groß wie ein Spielzeug-Auto. Wie es funktioniert, das können jetzt auch 12 Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule erklären. Doch sie lernen nicht bloß komplizierte Formeln an einer Tafel in ihrem Klassenzimmer. Einmal in der Woche schleppen sie ihre Schulrucksäcke zu einem Bürocontainer auf dem Gelände der Firma Bleistahl. Hier bohren, sägen und schrauben sie an ihren Versuchsobjekten. Konstrukteur Helmut Friedrich zeigt ihnen dann, wie ein Motor arbeitet, wie ein Getriebe funktioniert und welche verschiedenen Formen ein Zahnrad haben kann.

In dieser Unterrichtsstunde sollen die Nachwuchstechniker mit speziellen Werkzeugkästen ein Getriebe im Kleinformat nachbauen. Eine Anleitung dazu bekommen sie auf dem Papier mitgeliefert. Die Kooperation zwischen der Sekundarschule und dem Automobilzulieferer ist Teil der Technik-Initiative „Zukunft durch Innovation“, zdi, des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie soll beim Nachwuchs die Lust an den berühmten MINT-Fächern wecken: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Werkzeugkästen für Kinder

Die beiden Schüler Christian Engelbrecht und Lars Winter arbeiten im Team und kramen in den 50 verschiedenen Fächern ihres Baukastens nach den passenden Teilen. Christian Engelbrecht versucht mit viel Kraftaufwand ein kegelförmiges Zahnrad in das Modell zu pressen. „Das muss doch irgendwie da drauf gehen“, sagt er und gibt schließlich auf.

Bleistahl-Konstrukteur Helmut Friedrich schaut ihnen über die Schulter. „Warum ist das nicht das richtige Rad?“, will er von den beiden wissen. Bei der Antwort muss er zwar nachhelfen, doch dann ist den Schülern klar, dass in ihrer Bauanleitung ein einfaches Zahnrad gesucht wird. Eines, das die Kraft auf der gleichen Ebene überträgt, nicht in einem 90-Grad-Winkel wie das Kegelrad. Diese ersten Schritte in Sachen Technik hat Studentin Karolin Kamplade schon hinter sich. Allerdings hat sie das Wissen nicht wie die Kinder in der siebten Klasse gelernt, sondern erst Jahre später an der Uni während ihres Maschinenbaustudiums: „Ich wünschte, diese Möglichkeit hätte ich früher auch gehabt.“

Seit zwei Jahren arbeit sie bei Bleistahl als Werksstudentin, will Ende des Jahres ihren Abschluss machen und hofft dann auf einen Job im Unternehmen. Wahrscheinlich stehen ihre Chancen gar nicht schlecht. Denn Bleistahl geht in großen Schritten auf den Nachwuchs zu. Der hat allerdings weiterhin ein Problem: Auch in der nächsten Generation ist er hauptsächlich männlich. Karolin Kamplade ist eine Ausnahme. „Von 320 Studienanfängern waren wir 16 Frauen“, erinnert sich die Studentin der Technischen Universität Dortmund. Auch im Bleistahl-Bürocontainer ist die Frauenquote eher dürftig. Von den 12 Schülern sind zwei Mädchen. Insgesamt sei die Nachfrage an dem praktischen Schulunterricht in einem Unternehmen allerdings sehr groß gewesen. Sekundarschullehrer Jörg Lehmann konnte nicht jeden Wunsch erfüllen. „Es haben sich mehr gemeldet, als wir Plätze hatten.“ Mittwochs ist an der Sekundarschule immer Themennachmittag. Während bei Bleistahl gebaut wird, toben sich die anderen Schüler der vier siebten Klassen der Schule am See bei der Sport-AG aus, oder widmen sich der Kunst.

Neue Projekte geplant

Der Technikunterricht ist zwar eine Kooperation mit der Sekundarschule, doch auch die Kinder der Bleistahl-Mitarbeiter können an speziellen technischen Weiterbildungen teilnehmen. Demnächst soll es noch weitere Projekte geben, verrät Unternehmenssprecherin Katja Blum. „Ab September bieten wir Tagesveranstaltungen für interessierte Schülerinnen und Schüler anderer Schulen an.“ Bis dahin will auch Konstrukteur Helmut Friedrich noch dazulernen. Für ihn ist vor allem die Rolle des Lehrers eine neue Herausforderung. Die jungen Leute, mit denen er sonst zusammenarbeitet, sind in der Regel ein paar Jahre älter und wesentlich ruhiger als die Zwölf- und Dreizehnjährigen. „Altersmäßig musste ich mich schon umgewöhnen. Das hier ist definitiv die agilere Altersklasse“, sagt er. Das mache sich vor allem bei der Lautstärke bemerkbar, wenn einige schneller mit ihrer Aufgabe fertig seien als andere.

Der Konstrukteur findet, dass die anderthalb Stunden Technik-Unterricht an einigen Stellen noch geschmierter laufen könnten. An diesen Stellen will er bis zum nächsten Schuljahr noch feilen, davon soll die nächste Gruppe profitieren. Vielleicht sitzen dann auch nach den Sommerferien noch mehr Mädchen vor ihren Werkzeugkästen.