Sechs Jahre gelebte Ökumene in Herdecke

Beschenkten sich zum Abschied: Elisabeth Wader und Faiza Ziane von der Caritas St. Philippus und Jakobus mit Annegret Lüder und Anneliese Küppers (von links) vom Ev. Seniorenkreis Herdecke.
Beschenkten sich zum Abschied: Elisabeth Wader und Faiza Ziane von der Caritas St. Philippus und Jakobus mit Annegret Lüder und Anneliese Küppers (von links) vom Ev. Seniorenkreis Herdecke.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach sechs Jahren Obdach im katholischen Pfarrheim an der Wetterstraße hat der Evangelische Seniorenkreis nun Abschied genommen. Für die Gastgeber gab es kleine Geschenke.

Herdecke..  Als das Philipp-Nicolai-Haus im Oktober 2008 ein Raub der Flammen wurde, waren viele Gruppen der Evangelischen Kirchengemeinde Herdecke auf einen Schlag heimatlos. Auch der Seniorenkreis. „Zwei Mal haben wir uns in der Kirche getroffen, aber das war zu kalt und ungemütlich. Aber dann durften wir sofort mit Sack und Pack hier ins katholische Pfarrheim einziehen“, erinnert sich Annegret Lüder. Über sechs Jahre ist das her, und weil die Ev. Gemeinde mit dem neuen Philipp-Nicolai-Haus im Schatten der Stiftskirche nun endlich wieder ein eigenes Zuhause hat, hieß es für die Senioren am vergangenen Donnerstag Abschied nehmen.

Als Annegret Lüder den Schlüssel zum Versammlungsraum an Monika Schubert, Pfarrsekretärin der katholischen Gemeinde St. Philippus und Jakobus, zurück gibt, sagt sie: „Das war ein Schlüssel zu unserem Glück. Es war eine schöne Zeit hier, wir werden oft noch daran denken. Wir haben uns vom ersten Tag an nie fremd gefühlt. Es war, als wären wir in unserem eigenen Gemeindehaus gewesen.“ Annegret Lüder leitet und organisiert den Seniorenkreis gemeinsam mit Anneliese Küppers, die dann auch versichert: „Wir waren immer willkommen, und die zwischenmenschlichen Kontakte waren wohltuend und bereichernd für uns.“

Schwätzchen zwischendurch

Herzliche Worte, über die sich besonders auch Elisabeth Wader von der Caritas freut, die bei diesem letzten Kaffeetrinken dabei ist. Sie wiederum kann auch nur Positives aus den gemeinsamen Jahren berichten: „Es war immer wieder schön, die Schwätzchen zwischendurch mitzuerleben. Die evangelischen Senioren haben auch gerne Türdienst gemacht, wenn ausländische Mitbürger donnerstags zum Sprachunterricht mit Faiza Ziane herkamen und nicht gleich den Weg in die obere Etage fanden. Das alles wird uns fehlen.“ Faiza Ziane nickt und ergänzt: „Ich werde Euch vermissen, wir kommen Euch besuchen.“ Und als würden all die lieben Worte nicht ausreichen, tauschen Gastgeber und Gäste schließlich noch Geschenke als Zeichen des Dankes und der Verbundenheit aus.

Die erste Zeit der Heimatlosigkeit habe einmal mehr deutlich gemacht, so Annegret Lüder, wie wichtig es sei, Menschen zu haben, auf die man sich verlassen könne. Was Elisabeth Wader mit den Worten „Not lehrt beten“ auf den Punkt bringt. Nun jedenfalls schauen die Senioren nach vorn und freuen sich auf das neue Domizil, in dem sie sich erst einmal einleben müssen.

25 Frauen kommen im Schnitt bei den wöchentlichen Treffs des Seniorenkreises zusammen. „Früher waren es mal über 90, und da kamen auch noch viele Ehepaare“, erzählt Annegret Lüder. Die 69-Jährige leitet den Kreis seit 40 Jahren – wie zuvor schon ihre Mutter Helga Hoffmann, die die Gruppe gemeinsam mit Waltraud Schmidt dereinst gründete. Alle nur erdenklichen Feste, die man feiern könne, würden im Seniorenkreis gefeiert.

Fröhlicher Kreis von Leuten

„Ostern, Frühling, Herbst – mit den Jahreszeiten kann man schon viele Donnerstage gestalten“, so die Organisatorin. „Wir haben auch immer viel Programm, laden Referenten zum Beispiel von der Feuerwehr oder Polizei ein, machen Liedernachmittage oder Sitzsport. Manchmal tauschen wir alte Kochrezepte untereinander aus oder zeigen uns Handarbeiten von früher. Irgendwelche Themen fallen einem immer ein. Jedenfalls sind wir ein unheimlich fröhlicher Kreis von Leuten, die sich alle gegenseitig achten und schätzen“, so Annegret Lüder. Auch Freundschaften hätten sich gebildet – „sogar unzertrennliche“.