Schwestern aus Wetter lassen Wasserschloss leuchten

Künstlerische Schwestern lassen Wasserschloss Werdringen leuchten: Ingrid und Ute Sanders aus Wetter haben sich auf Acrylmalerei spezialisiert
Künstlerische Schwestern lassen Wasserschloss Werdringen leuchten: Ingrid und Ute Sanders aus Wetter haben sich auf Acrylmalerei spezialisiert
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ingrid und Ute Sanders aus Wetter haben sich auf Acrylmalerei spezialisiert. Das Ergebnis ist im Wasserschloss Werdringen zu sehen.

Wetter..  Die Schwestern Ute und Ingrid Sanders betrachten ihre Bilder an den weißen Wänden. Hier im Wasserschloss Werdringen in Hagen müssen sie plötzlich an ihren Vater denken. Der gelernte Architekt hatte sich immer gewünscht, das Talent seiner Töchter an diesen geschichtsträchtigen Mauern hängen zu sehen. Leider kann er die Erfüllung seines Traums nicht mehr miterleben. Vor acht Jahren ist er gestorben. Die große Lust an der Kunst hat er seinen Töchtern aber vererbt. „Er hat die Kunst immer von der fachmännischen Seite betrachtet“, sagt die 50-jährige Ute Sanders über ihren Vater. „Unsere Mutter war da mehr aus dem Bauch heraus“, erinnert sie sich.

Ehrgeiz zahlt sich aus

Vielleicht ist es gerade diese Mischung der elterlichen Vorlieben, die bei Ute und Ingrid Sanders das Talent für ausdrucksstarke Bilder freigesetzt hat. „Talent? Das sind höchstens fünf Prozent“, meint die 44-jährige Ingrid Sanders, „Der Rest ist Fleiß.“ Fleißig sind sie beide. Seit ihrer Kindheit kritzeln sie schon bei jeder Gelegenheit mit Bleistiften in Zeichenblöcken und wissen: „Ohne diese Grundlagen geht es nicht.“ Erst daraus entwickelt sich ein eigener Stil. „Am Anfang ist es bei uns immer ein wildes Pinseln auf dem Papier“, sagt die jüngere der beiden. Und dann sprudeln die Ideen. Die Schwestern sehen ihre Motive, bevor sie da sind. „Das Blatt wird gedreht und gewendet und auf den Kopf gestellt“, sagt Ingrid Sanders. Das geht dann so lange, bis aus den Strichen, Linien und Farben vor dem inneren Auge das Bild entsteht. Und wenn ihnen das nicht gefällt, dann übermalen sie die Eingebung wieder.

Der Ehrgeiz zahlt sich aus. Die Bilder sind abwechslungsreich und haben dennoch eine eigene künstlerische Handschrift. „Ingrid malt oft Frauen mit aufwendigen Frisuren oder Kopfbedeckungen“, sagt Ute Sanders über ihre jüngere Schwester. Und das sind gerne auch afrikanische Frauen mit Gewändern in leuchtenden Rottönen, in Gelb und Ocker, den Nuancen einer afrikanischen Wüstenlandschaft im Sonnenuntergang. Eine weitere Leidenschaft, die der Vater seinen Töchtern mit auf den Weg gegeben hat: ferne Länder, fremde Kulturen.

Hier, inmitten ihrer Bilder, denken sie besonders gern an ihn und seine Anekdoten. „Er hat sich einfach in einen Zug gesetzt und ist nach Tunesien gefahren. So war er.“ Heute ist Ingrid Sanders diejenige, die in ihrem Job bei der Bundeswehr viel herum kommt. Viel öfter als ihre Schwester Ute, die in der Verwaltung eines Krankenhauses arbeitet. „Ich reise dafür in meinem Kopf“, sagt sie lächelnd. Und genau dort geht es manchmal auch ganz tief runter. Wenn sie beim Malen gedanklich in ein türkisblaues Gewässer taucht. Dort trifft sie einen farbkräftigen Neptun, den römischen Gott des Wassers, zögert nicht und bringt ihn auf die Leinwand.

Dieser Neptun hängt nun zusammen mit 55 anderen Gemälden bis Mitte März im Wasserschloss auf der Hagener Seite des Harkortsees. Welche der beiden Schwestern wie viele Bilder beigesteuert hat, das ist ihnen egal. Neidische Blicke oder Konkurrenzdenken gibt es bei ihnen nicht. „Die Leute sind immer ganz erstaunt, wenn wir das sagen“, meinen sie und lachen. Aber man glaubt es ihnen sofort. Sie gehören zu der Sorte von Geschwistern, die die Sätze des jeweils anderen vollenden können. Und genauso ist es auch beim Malen. „Siehst du das auch?“, fragt die eine die andere schon mal, wenn sie vor dem noch leeren Papier steht, auf dem nur ein paar wilde Farbtupfer aus dickflüssiger Acrylfarbe darauf warten, vermischt zu werden. Aber manchmal sieht jede auch etwas ganz anders.

Zufällige Ausstellung

Mit Acryl zu malen, das haben Ute und Ingrid Sanders im Atelier des Hagener Künstlers Uwe Nickel gelernt. Auch er ist für seine farbintensive großflächige Acrylmalerei bekannt. „Uns hat einfach die Leuchtkraft der Farben fasziniert“, begründet Ingrid Sanders schlicht ihre Vorliebe. 15 Jahre ist der erste Workshop bei Uwe Nickel jetzt her. Für Ute Sanders war dieser Tag so inspirierend, dass sie einfach weitermachen wollte. Und das hat sich gelohnt. Jetzt steht sie zusammen mit ihrer Schwester in der ersten großen, eigenen Vernissage.

Man könnte sagen, das Wasserschloss Werdringen ist ähnlich zufällig zu den Künstlerinnen gekommen wie ihre Motive. Der Rahmen war schon da, alles andere hat sich ergeben. Denn bei den Kunst-Seminaren von Uwe Nickel hat auch Brigitte Theobald vom Schlossverein Werdringen gemalt. „Dort haben wir uns kennengelernt“, sagt die Galerie-Beauftragte. Sie wollte die beiden Frauen am liebsten sofort in das Wasserschloss holen. „Wir haben enorm gute Künstler vor der Haustür“, sagt sie, „wir müssen uns gar nicht in ganz Deutschland umsehen.“ Und deswegen ist die hausgemachte Kunst aus Wetter noch bis zum 15. März im Wasserschloss Werdringen ausgestellt.