Schultechnikum bei Dörken lockt Mädchen und Jungen an

Schultechnikum bei Dörken: Zehn Mädchen und Jungen erhielten von Tobias Kleyer (hinten, 3. von links) einen Einblick in die Welt der Farben, Lacke und Folien
Schultechnikum bei Dörken: Zehn Mädchen und Jungen erhielten von Tobias Kleyer (hinten, 3. von links) einen Einblick in die Welt der Farben, Lacke und Folien
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vier Jahre Schultechnikum bei Dörken: So stark wie in diesen Osterferien war die Nachfrage noch nie. Zehn Schüler konnten etwa Nagellack herstellen.

Herdecke..  Fachkräftemangel, Schultechnikum, Selbstläufer: Dieser Dreiklang schwebt über der zweiten Woche der Osterferien, wenn die Dörken-Unternehmen wieder jungen Leuten die Möglichkeit geben, den Betrieb und Herstellungsprozesse kennenzulernen. Mittlerweile im vierten Jahr angekommen, seien alle zehn Schultechnikum-Plätze frühzeitig belegt gewesen, für weitere Veranstaltungen dieser Art gebe es bereits Nachfragen.

Zwischen 14 und 19 Jahre sind die Teilnehmer alt, die der erprobte Dörken-Ingenieur Tobias Kleyer in dieser Woche an der Wetterstraße unter seine Fittiche nimmt. Manch einer hat von dem Ferienangebot in der Schule erfahren, andere aus dem Internet oder von Eltern. Tim aus Sprockhövel denkt schon weiter. „Ich mache bald meinen Abschluss, und mit der Fachoberschulreife gehe ich dann auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz“, erzählt der 17-Jährige. „Ich werde mich wohl auch hier sowie andernorts bewerben.“

Auffällig: Dieses Mal haben sich genau so viele Mädels wie Jungs angemeldet. „Manche haben mich schon schief angeguckt, dass ich mich in den Ferien für ein Chemie-Unternehmen interessiere“, so Madita (14) aus Hagen. „Wir bräuchten keine Frauenquote“, ergänzt Kleyer. „Sowohl in den kaufmännischen als auch den technischen Ausbildungsberufen ist es hier gut durchmischt.“

Dass die alten Vorurteile nicht mehr gelten, lässt sich auch an Gwendolin aufzeigen. Nach der Teilnahme am Girl’s Day und an einem vorigen Schultechnikum sowie einem Praktikum blickt die 15-Jährige nun das vierte Mal hinter die Dörken-Kulissen. „Es macht wieder Spaß, auch wenn mir manches schon bekannt vorkommt“, sagt die Herdeckerin. „Letztes Jahr war ich aber noch eine Einzelkämpferin unter den Jungs.“

Etwas klischeehafter geht es dann beim Ausblick auf die nächsten Aufgaben zu. Die Teilnehmer sollen bald Nagellack herstellen, den sie auch mit nach Hause nehmen können. „An für sich kann ich damit nichts anfangen“, meint Florian (16) aus Herdecke, der dann aber zustimmend nickt, als die 14-jährige Bochumerin Luisa sagt: „Es ist interessant zu erfahren, welche Stoffe da drin sind.“ Kleyer schränkt leicht ein, dass es mit knapp 15 Farbtönen in diesem Jahr eine etwas begrenztere Auswahl geben wird.

Auf Theorie folgt viel Praxis

Der Ingenieur für Nano- und Oberflächentechnologie kann auch direkt die vorsichtig formulierte Kritik entkräften, dass es zu Beginn des Schultechnikums zu theoretisch zugegangen sei. „Wir sind mitten im Umschwung“, sagt Kleyer im Labor für die Anwendungstechnik von CD-Color. Kaum haben die Teilnehmer dort selbst einen Lack angesetzt, können sie diesen Wetterschutzlack auch schon direkt auf Holzwerkstücke auftragen. Mit weißen Kitteln und Schutzbrillen bekleidet, machen sich die Schüler nach entsprechender Arbeitsschutz-Schulung ans Werk.

Ins Blickfeld rücken so die Ausbildungsberufe zum Verfahrensmechaniker in der Beschichtungstechnik und zum Oberflächenbeschichter. Passend dazu geht es am heutigen Donnerstag nach Schalksmühle, wo die Galvanotechnik und dann die Mikroschicht-Korrosionsschutz-Systeme (MKS) im Mittelpunkt stehen. Neuland für die jungen Leute, die mittlerweile nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung kommen. „Dieses Angebot hat sich mittlerweile über Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen. Wir hatten Anfragen für weitere Plätze, aber die Teilnehmerzahl ist nun mal auf zehn begrenzt.“

Nachwuchsförderung im Blick

Ihnen kann Kleyer direkt Hoffnung machen, dass Dörken auch schon mal Azubis nach deren vorigen Einblicken über ein Schultechnikum eingestellt hat. Mit Blick auf eine angehende Lacklaborantin, die sich verändernden Ausbildungsschwerpunkte und den Fachkräftemangel sagt er: „Unsere Nachwuchsförderung funktioniert. Wir haben natürlich die Absicht, einige der jungen Leute eines Tages zu übernehmen.“