Schulkinder lernen auf vielen Kanälen

Die Bauanleitung auf dem Bildschirm, die Bausteine in der Hand: Unterricht an der Werner-Richard-Schule in Herdecke.
Die Bauanleitung auf dem Bildschirm, die Bausteine in der Hand: Unterricht an der Werner-Richard-Schule in Herdecke.
Foto: WP
An der Werner-Richard-Schule zieht Technik in den Unterricht ein. Aber nicht um jeden Preis sondern nur da, wo es auch Sinn macht.

Herdecke..  Nach dem schönsten Ferienerlebnis sind Generationen von Schülern schon gefragt worden. Macht es einen Unterschied, wenn sie die Antwort in einen Computer hacken und nicht mit dem Stift zu Papier bringen? „Das kann vielleicht einen Motivationsschub bringen“, sagt Matthias Wittler, Sonderpädagoge und an der Werner-Richard-Grundschule in Herdecke beschäftigt. Nur: Worin könnte dieser Vorteil liegen?

Bei Geschichten am Rechner kann man zuerst das Ende erzählen und den Rest davor setzen. Texte auf dem Bildschirm zeigen auf Wunsch jeden Rechtschreibfehler an und machen damit eine Korrektur durch die Schüler möglich, noch bevor der Lehrer die Fehler sieht.

„Was ich sehe, baue ich“

Bei ausgedruckten Texten „ist die Form nachher perfekt“, hat Matthias Wittler vielfach schon gesehen und will doch das Schreibheft nicht vollständig durch den Rechner ersetzen. Seine erste Frage lautet: Was soll gelernt werden? Und dann erst geht es um den Weg. Das Wissen selbst ist wichtig, aber auch die Art, wie die anderen Mitschüler am Wissenserwerb teil haben können. Lara steht an einer Tafel, auf der keine Kreide mehr kratzt. Eigentlich handelt es sich um eine Projektor-Computer-Leinwand-Kombination, die aber zugleich Bewegungen aufnimmt, etwa die von Lara. Aus einer handvoll Worte, die am rechten Rand steht, soll sie die Begriffe in die Mitte ziehen, die den selben Wortstamm haben. Alle in der Klasse schauen aufmerksam zu, wie ihre Hand nach einem Wort „greift“ und in die Freifläche rückt. Alle können sich fragen: Würde ich das Wort auch nehmen? Bleibt es haften? Und schwups, sitzt der richtige Begriff an der richtigen Stelle.

Ein paar Unterrichtsräume weiter hat jeder Schüler seine eigene elektronische „Tafel“ vor sich und eine Kiste mit Legosteinen dazu. Leven und Julian haben sich beide schon eine Trägerstange gegriffen und schauen jetzt auf dem Laptop-Bildschirm nach, wo Kurbel und Räder und ein Gummi anzubringen sind, damit sich das Drehen der Kurbel auf das zweite Rad überträgt. Tabea verfolgt aufmerksam die Bastelei und protokolliert sie auf einem Blatt Papier. Ruhig geht es zu, konzentriert, und irgendwo sitzt auch Lehrer Sebastian Kirch und hilft, wenn er mal gebraucht wird.

Die Laptops sparen Papier, sagt er. Früher musste er Kopien machen von den Anleitungen. So lernen die Schüler nebenbei auch noch den Umgang mit dem PC. Auch die Abstimmung von Hand und Augen wird verbessert. „Was ich sehe, baue ich,“ lautet hier das Motto.

Motivationsschub auch für Lehrer

Die Kombination von Legosteinen und Rechner ist also gut für Hand und Hirn. Und sie sorgt für Abwechslung im Unterricht. Das bringt zusätzliche Motivation ins Klassenzimmer. Nicht nur für die Schüler. Auch Lehrer können Motivationsschübe gebrauchen. Die richtige Technik im richtigen Moment kann einen solchen Schub auslösen.

„Man muss sich nur erst einmal ran trauen“, sagt Lehrer Sebastian Kirch. Bei einer Weiterbildung für das Kollegium der Werner-Richard-Grundschule hat das bestens geklappt. „Alle Lehrer haben mit allem gearbeitet.“

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