Schulen in Herdecke fühlen sich allein gelassen

Podiumsdiskussion des „Arbeitskreises Sprachförderung für zugewanderte Kinder und Jugendliche an Herdecker Schulen“: Rainer Hatzky, Mitglied des Arbeitskreises, stellt eine Frage.
Podiumsdiskussion des „Arbeitskreises Sprachförderung für zugewanderte Kinder und Jugendliche an Herdecker Schulen“: Rainer Hatzky, Mitglied des Arbeitskreises, stellt eine Frage.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Thema Flüchtlingskinder im Unterricht: Landespolitiker im Gespräch mit Schulleitern und engagierten Bürgern aus Herdecke

Herdecke..  „Politik trifft Wirklichkeit“ fasste Monika Düker, flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen in NRW, ihren Anspruch an den Abend zusammen. Auf Einladung des Arbeitskreises „Sprachförderung für zugewanderte Kinder und Jugendliche an Herdecker Schulen“ war die Landtagsabgeordnete nach Herdecke gekommen, um mit Bürgern, Lehrern und Politik-Kollegen über die Schwierigkeiten zu diskutieren, die Schulen mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen haben.

Materialien fehlen

Wie die Wirklichkeit aussieht, schilderten eindrücklich der Leiter der Realschule, Hubertus Schmalor, sein Kollege vom Gymnasium, Andreas Joksch, und Heike Schnell, Leiterin der Bonnermann-Schule, in deren Räumen die Podiumsdiskussion stattfand. Dabei reicht das Spektrum der so genannten Seiteneinsteiger von der vollkommenen Sprachlosigkeit (Schmalor: „Es gibt Kinder, die sprechen kein Wort Deutsch und haben über Jahre keine Schule besucht.“) bis zum Schüler eines ägyptischen Privatgymnasiums, der den Ansprüchen der gymnasialen Oberstufe im Prinzip mehr als genügen könnte, „der aber um seinen Deutschkursus zu besuchen, zwei Tage in der Woche im Unterricht fehlt“, so Andreas Joksch.

Wirklichkeit, das ist auch die Klage der Grundschulrektorin, dass die Kinder am Unterricht teilnehmen müssen, bei der Betreuung am Nachmittag aber oft außen vor bleiben. „Dabei lernen Kinder von Kindern viel mehr als wir ihnen am Vormittag beibringen können“, so Heike Schnell. Dabei ginge es auch um die Vermittlung von kulturellen Werten. „Was darf man, was darf man nicht.“ Und zur Wirklichkeit gehöre auch, dass Materialien für den Spracherwerb kaum vorhanden seien.

Wirklichkeit, das ist aber auch das ehrenamtliche Engagement, das bislang möglich macht, dass Kinder und Jugendliche an der Realschule in zwei unterschiedlichen Leistungsgruppen Deutsch lernen können. „Ein Engagement, das es anderswo nicht so gibt“, wie SPD-Politiker Thomas Stotko betonte. Und ohne das die Integration von Flüchtlingen nicht gelingen könne, wie auch Monika Düker betonte. Doch die Ehrenamtler, die wie die Mitglieder der Herdecker Bürgerstiftung auch Spenden einsammeln, um Deutschkurse zu finanzieren, fühlen sich überfordert und alleingelassen. „Es kann doch nicht Aufgabe von Ehrenamtlern sein, diese Arbeit zu erledigen“, sagte Rainer Hatzky, Mitglied im Arbeitskreis Sprachförderung. „Wir halten das Boot über Wasser“, betonte Hubertus Schmalor. Ein Bild, das angesichts der Flüchtlingsschicksale, nicht wirklich Mut macht.

Und die Politik? Die hat eigentlich alles so einrichtet, dass „die Dinge laufen“, wie Monika Düker sagt. Zum Beispiel Integrationszentren, die Schulen beraten sollen, wo sie welche Hilfe bekommen. Nur, so fasst die Grüne eine Erkenntnis des Abends zusammen: „Offenbar finden die Dinge, die wir in der Politik beschließen, nicht in die Praxis.“