Schüler handeln Friedensvertrag aus

Die ersten Streitschlichter an der Sekundarschule am See: Sie helfen Mitschülern, sich nach einem Streit wieder zu vertragen.
Die ersten Streitschlichter an der Sekundarschule am See: Sie helfen Mitschülern, sich nach einem Streit wieder zu vertragen.
Foto: WP
Sie sind unparteiisch und verschwiegen: An der Sekundarschule in Wetter sind die ersten Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet worden.

Wetter..  Wenn es so einfach wäre, Konflikte zu beseitigen, gäbe es wohl keine Kriege auf dieser Welt. Immer wieder scheitern selbst Politiker oder Diplomaten daran, Auseinandersetzungen etwa zwischen verschiedenen Völkern zu beenden. Kein Wunder also, dass es auch an Schulen keine leichte Aufgabe ist, streitende Schüler wieder zu versöhnen. Trotzdem haben Chiara, Anna-Lena, Chantal, Björn, Colin, Nico und Jonas für genau diese Aufgabe eine einjährige „Ausbildung“ hinter sich gebracht. Die Siebtklässler sind die ersten Streitschlichter der Sekundarschule am See.

Freiwillig haben sich die Jungs und Mädels für diese AG im Rahmen der Themennachmittage entschieden, die sie ein ganzes Schuljahr lang jeden Mittwoch besucht haben. Was man als Streitschlichter lernt? „Man muss unparteiisch bleiben“, sagt Anna-Lena. „Und gut zuhören, was die beiden, die sich streiten, erzählen“, ergänzt Colin. Gut zuhören mussten die Siebtklässler auch schon während ihrer Ausbildung. „Am Anfang war es viel Theorie. Wir haben Übungen zum aktiven Zuhören gemacht, denn nur wer gut zuhört, kann Streitenden das Gefühl geben, verstanden zu werden. Die Schüler mussten lernen, was Ich-Botschaften und Konflikte sind, dass ein Schlichter jede Partei zu Wort kommen lässt und sich mit seiner eigenen Meinung zurückhält“, sagt Lehrerin Susanne Kempers, die die Streitschlichter ausbildete.

Vertrag hat offiziellen Charakter

Für den Ablauf einer Schlichtung haben die jungen Experten klare Regeln aufgestellt. Dazu gehört, dass sie ihren Mitschülern klar machen, dass sie selber keine Richter sind und dass alles, was besprochen wird, kein anderer erfährt. Ziel ist eine Lösung für den Streit, mit der beide Seiten einverstanden sein müssen. Wenn alles gut läuft, unterschreiben die Streithähne am Ende einen Friedensvertrag, in dem genau festgehalten wird, was jeder zu tun bereit ist, um die Auseinandersetzung zu beenden. „Die Kinder bekommen eine Kopie des Vertrages. Das Ganze hat einen offiziellen Charakter, so dass die Schüler das durchaus ernst nehmen.“

Ob es etwas gibt, was ihnen bei ihrer neuen Aufgaben schwerfällt? „Unparteiisch zu bleiben“, meint Boris, „aber da muss man sich eben zusammenreißen. Wir haben das ja geübt.“ Anna-Lena meint: „Für mich ist es schwer, dass man nicht drüber reden darf, was man gehört hat. Auch nicht mit der eigenen Freundin.“

Worum geht es denn in der Regel, wenn Schüler sich streiten? „Um Beleidigungen, Schubsereien und darum, dass die sich manchmal ihre Sachen wegnehmen“, antwortet Chantal. An einem Schlichtungsgespräch müssen beide Streithähne freiwillig teilnehmen; aber auch die Schlichter sind immer zu zweit. Dass Schüler besser einen Streit unter ihresgleichen schlichten können als Lehrer, davon ist Anna-Lena fest überzeugt: „Man möchte einfach als Schüler einem Lehrer, bei dem Unterricht hat, nicht alles erzählen. Da würde man sich nicht wohl fühlen. Von Schüler zu Schüler geht das besser.“

Am Ende der einjährigen Ausbildung zum Streitschlichter steht übrigens eine Prüfung, die als Rollenspiel wie ein Schlichtungsgespräch aufgebaut ist. Nach bestandener Prüfung gibt es einen Urkunde und einen Ausweis mit Foto und Unterschrift des Schulleiters und der Lehrerin. Wenn Chiara, Anna-Lena, Chantal, Björn, Colin, Nico und Jonas demnächst ihre Ausweise bekommen, ist das auch für die Sekundarschule etwas Besonderes. Susanne Kempers: „Wenn Schüler Streit unter Schülern schlichten, dann ist das nicht nur eine Entlastung für die Lehrer, sondern auch ein wichtiger Beitrag zu einer langfristig angelegten Prävention.“