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Historiker legten Buch...

Schreckensbilder aus dem Heim

16.03.2010 | 19:40 Uhr

Ein Buch berichtet jetzt von den Leiden der Kinder im Johanna-Helenen-Heim der Nachkriegszeit.

Die Schreckenszeit währte ziemlich genau 20 Jahre und wirkt fast ein halbes Jahrhundert später noch nach. Mit den Königsberger Diakonissen zogen 1947 im Johanna-Helenen-Heim Angst und Schrecken ein. Mit ihrem Gehen begann eine neue Zeit. Nun hält ein Buch die Zustände im damaligen Johanna-Helenen-Heim fest, „einem vergessenen Haus”, wie Mitautorin Ulrike Winkler bei der Buchvorstellung gestern sagt.

Vergessen, weil das Kinderheim „für die Ärzte nur ein lästiges Anhängsel” war. Ihnen war die Entwicklung der Klinik wichtiger. Vergessen, weil sich nicht einmal der Vorstand der damaligen Krüppelanstalten um das Leid der Kinder kümmerte, obwohl sein Büro an den Speisesaal grenzte. Vergessen auch, weil Jahre darauf gewartet wurde, dass Neubauten die Raumnot linderten. Vergessen aber vor allem, weil die Kinder den Diakonissen überlassen blieben.

Und die? Ohne pädagogische Ausbildung, viel zu wenige für die vielen Kinder, selbst von den Erlebnissen des zweiten Weltkrieges traumatisiert, blieben sie hoffnungslos überfordert. Eine Erklärung, aber kein Entschuldigungsversuch, den Ulrike Winkler da von sich gibt. Zu weit sind die Diakonissen über das hinaus gegangen, was akzeptiert gewesne sein mag in der Erziehung.

500 Exemplare wurden gedruckt: Klaus Dickneite von der Freien Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim (li.) und ESV-Vorstand Jürgen Dittrich (re.) nehmen ein Buch von Ulrike Winkler und Hans-Walter Schmuhl entgegen. Foto: Klaus Görzel

An Zwangsfütterungen, Schläge und Einsperren erinnert Klaus Dickneite, Sprecher der Freien Arbeitsgruppe Johanna-Helenen-Heim. Sie hat sich vor vier Jahren gegründete, als einigen Opfern die ersten Aufarbeitungsversuche der Evangelischen Stiftung Volmarstein nicht ausreichten. Gestern nun saß er mit vor Kopf, als das von der Stiftung in Auftrag gegebene Buch über „Gewalt in der Körperbehindertenhilfe” vorgestellt wurde. „Eine gelungene Dokumentation über die Schreckenszeit auf den Kinderstationen und in den Schulräumen des Heims”, sagt die Gruppe. Auch wenn es noch viel mehr geschundene Kinder gab als jetzt auf den Seiten der Arbeitsgruppe und in Gesprächen mit den Historikern zu Wort gekommen sind.

Diese Gespräche, sie haben auch die beiden Historiker verändert, sagt Hans-Walter Schmuhl. So viele verpasste Lebenschancen, so viele Narben der Seele, „das ist unter die Haut gegangen”. Da ist aber noch etwas anderes, nämlich „der allergrößte Respekt vor Menschen, die ihre Leben dennoch gemeistert haben.”

Jürgen Dittrich für

„lebendiges Gedenken”

Respekt ist auch aus den Worten von Pfarrer Jürgen Dittrich herauszuhören, dem heutigen Vorstand der ESV. Er unterstreicht die Verdienste der Arbeitsgruppe bei der Aufarbeitung dieser Schreckenszeit. Für die Stiftung entschuldigt er sich „mit tiefem Bedauern und großer Betroffenheit” für die Misshandlungen. Und er sagt noch einmal, was für ihn „lebendiges Gedenken” heißt: Ein geplantes Kinderheim wird nach Marianne Behrs benannt, einem Opfer von damals. Und in der Ausbildung bei der Stiftung bleibt Gewalt an Schutzbefohlenen ein Thema - „damit so etwas nie wieder geschieht.”

Neben dieses „Nie wieder” gesellt sich bei der Freien Arbeitsgruppe auch ein „Nicht mit uns”. Kritisch vermerkt Klaus Dickneite, dass am „Runden Tisch Heimerziehung” in Berlin kein Platz für einen Vertreter der behinderten Opfer war. „Nicht locker lassen” will die Arbeitsgruppe auch beim Diakonischen Werk und der Evangelischen Kirche. Hier geht es um Entschuldigungen für zugefügtes Leid, aber auch um Wiedergutmachung. Bislang stünden nur ungenügende Angebote im Raum, und viel mehr als Platitüden sei nicht gekommen, sagt Dickneite kämpferisch. Und lässt keinen Zweifel, dass er und seine Mitstreiter „einen wirklichen Ausgleich verlangen für den Schaden,” der damals in den Kinderseelen angerichtet wurde.

Klaus Görzel

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Kommentare
16.03.2010
22:30
Schreckensbilder aus dem Heim
von combo59 | #1

Schrecklich, einfach nur schrecklich!
Kindern im allgemeinen und erst Recht behinderten Kindern so etwas anzutun, man kann es nicht fassen!
Ebenso verstehe ich nicht, warum
unser Bürgermeister bei der Buchübergabe nicht zugegen war! Hier geht es um schwerste Gewalt die behinderten Kindern ín einem Wetteraner Kinderheim angetan wurde. Ich kann mich doch nicht bei der konstituierenden Sitzung des neuen Sozialverbandes VDK ablichten lassen, und anschließend bei der Vorstellung des Buches in dem es um die Aufarbeitung der Schreckenszeit in der ESV geht, nicht zugegen sein. Herr Herr Hasenberg ist Mitglied im Kuratorium der ESV, ebenso unser früherer Bürgermeister Herr Schmidt. Keiner war vertreten. Aber beim VDK.
Die Aufgaben des VDK lauten:
Der VDK vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderungen!!!!
Chronisch Kranken, Seniorinnen und Senioren, Patientinnen und Patienten gegen über der Politik und an den Sozialgerichten.
Deshalb finde Ich, wenn der Bürgermeister schon an der Konstituierenden Sitzung des VDK teilnehmen kann, siehe Foto und lese denArtikel, dazu noch Mitglied des Kuratoriums der ESV ist, wäre es seine Pflicht gewesen an der Veranstaltung zur Übergabe des Buches teilzunehmen. Auch eine persöhnliche Stellungnahme hätte ich mir gewünscht. Die ESV gehört zu Wetter. Ihre Vergangenheit gehört auch zu Wetters Vergangenheit!

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