Schnelle Hilfe bei Armut im Alter

Foto: Gewerkschaft NGG
Was wir bereits wissen
Die Caritaskonferenz in Herdecke will Armutskundschafter ausbilden und Senioren zu Behörden begleiten. Unter Altersarmut leiden besonders Frauen.

Herdecke..  Geschulte Augen sehen mehr. Daher will die Caritaskonferenz in Herdecke jetzt Armutskundschafter ausbilden. Sie sollen versteckte Armut in der Stadt finden und natürlich auch etwas dagegen unternehmen.

Im ganzen Erzbistum Paderborn gibt es Ausbildungsangebote für Armutskundschafter. Und auch der Caritaskonferenz in Herdecke ist das Thema nicht fern. Seit Jahren machen ihre Mitglieder Besuche, gratulieren zu Geburtstagen „und merken dabei, wo Hilfe gebraucht wird.“ Das sagt Norbert Schwarzkopf, einer von zwei Männern bei der Caritaskonferenz, neben über 30 Frauen, die sich für andere Menschen in der Stadt einsetzen.

Infos morgen im Gottesdienst

Fällt Bedürftigkeit auf, gibt es schnell und unbürokratisch Hilfe. Etwa wenn ein Familienvater zur Kur ist und dem Rest der Familie das Geld für einen Besuch fehlt. Oder wenn die Caritaskonferenz einen Ausflug unternimmt und klar ist, dass jemand nur deswegen nicht mitkommen kann, weil die Geldbörse leer ist. „Die Scheu, nach finanzieller Hilfe zu fragen, ist groß“, weiß Schwarzkopf, die Diskretion bei der Caritaskonferenz aber auch.

Armut hat viele Gesichter und Dimensionen. So steht es auf einem Schaubild für das Kundschafterprojekt im Erzbistum. Wer arm ist, der hungert vielleicht, wird schneller krank, kann nicht so viel leisten, verdient entsprechend wenig – und verharrt in der Armut. Das ist ein möglicher Teufelskreis. Bei der Bildung und dem Einkommen sieht es nicht viel anders aus.

Das Schaubild wird in Herdecke bald schon hoffentlich viele Betrachter haben: Die Caritaskonferenz möchte Armutskundschafter regelrecht ausbilden und darauf aufmerksam machen: Beim Caritasgottesdienst am Sonntag in der Kirche an der Wetterstraße und bei einer Info-Veranstaltung im Pfarrheim am 5. März um 19 Uhr.

Altersarmut ist weiblich, weiß Norbert Schwarzkopf. Kerstin Jakob vom städtischen Sozialamt hat das der Caritaskonferenz für Herdecke bestätigt. „Oft sind das Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, die Kinder groß gezogen haben. Und plötzlich stehen sie mit einer Rente da, die nicht mal zum Leben reicht“ – für Schwarzkopf ist das ein Zustand, den er schwer ertragen kann. Und deshalb hilft er, wie die anderen Mitglieder der Caritaskonferenz in Herdecke auch. Aber die Aktiven sind an ihre Grenzen gekommen. Daher die Suche nach neuen Mitstreitern.

Sozialsprechstunde geplant

Es geht nicht nur um Armutskundschafter, die Not sehen und handeln. Die Caritaskonferenz hat auch Ideen, in welchen Bahnen dieses Handeln geschehen könnte. So ist eine Sozialsprechstunde im Pfarrheim geplant, die Hilfe und Beratung bietet. „Viele alte Menschen sind überfordert, wenn sie einen Antrag auf Wohngeld ausfüllen“, weiß Norbert Schwarzkopf. Auf der Wunschliste der Caritaskonferenz stehen auch Behördenbegleiter. Das könnten ausgebildete Armutskundschafter sein. Aber gesucht sind auch sonstige Helfer. Sie müssen nur bereit sind, die Not der Anderen zu sehen und zu handeln.