Schmiede formen Stahlriesen bei 1200 Grad

Hier wird die Temperatur des heißen Stahlrohlings in der Presse kontrolliert; auch das gehört zu den Aufgaben eines „modernen“ Schmieds bei von Schaewen.
Hier wird die Temperatur des heißen Stahlrohlings in der Presse kontrolliert; auch das gehört zu den Aufgaben eines „modernen“ Schmieds bei von Schaewen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Schmiede bei von Schaewen legen selten noch selbst Hand an; sie steuern Maschinen und müssen teamfähig sein. Ein Beruf, den kaum jemand kennt.

Wetter..  Eine Hüne von knapp zwei Metern, breitschultrig und mit Händen groß wie Bratpfannen, die mit Hammer und Amboss glühendes Metall bearbeiten – solche Bilder entstehen bei vielen Leuten im Kopf, wenn man von einem Schmied spricht. „Das ist längst Geschichte“, lacht Patrick Schwarz, Marketing-Chef beim Stahlbearbeitungsunternehmen von Schaewen. Denn heute hat der Beruf die komplizierte Bezeichnung „Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Holzzeugindustrie, Fachrichtung Stahlumformung“. Ein Job, der nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz verspreche, sondern auch die Möglichkeit zu Weiterbildung und Studium. Warum fehlen dennoch die Azubis?

Der Azubi-Mangel nehme generell von Jahr zu Jahr zu, was Betriebsleiter Andrä Yzerman unter anderem darin begründet sieht, dass „wir Anforderungen im Bereich Technik und Naturwissenschaften stellen, also in Mathe und Physik“. Der starke demografische Wandel verschärfe das Problem noch: „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen jetzt in Rente, und wir brauchen qualifizierte Nachrücker. Es gibt aber immer weniger junge Leute, die überhaupt zur Verfügung stehen.“ Hinzu komme, dass speziell diesen Beruf kaum jemand kenne. „Zerspaner, das sind Dreher und Fräser, und Industriemechaniker, die man früher Schlosser nannte, die sind noch bekannt, aber den Freiformschmied kennen junge Leute nicht“, weiß Patrick Schwarz.

Mit Kreativität und Teamgeist

Aber wie sieht denn nun die Arbeit eines solchen Schmiedes bei von Schaewen aus? „Wir arbeiten mit Bauteilen zwischen 300 Kilo und 33 Tonnen, da kann man nichts mehr mit der Hand bewegen“, sagt Andrä Yzermann. Und weil mit und an großen Maschinen gearbeitet wird, müsse man ein guter Anlagenführer sein. Die riesigen Rohblöcke aus Stahl werden mit Manipulatoren (baggerähnliche Greifzangen) zunächst in den Ofen gesteckt und erhitzt, um dann anschließend in die Presse gelegt zu werden, wo sie den Aufträgen der Kunden entsprechend bearbeitet werden.

„Wenn ich sage, dass ich 30 Tonnen, das sind immerhin 25 VW Golf, bei 1230 Grad verformen lasse, dann stehen viele Leute mit offenem Mund da“, erzählt Fritz Henke. Er ist Schmied mit Leib und Seele und weiß, dass „man auch schon mal ehrfürchtig davor steht, wenn man gerade eine Welle von 30 Tonnen geschmiedet hat“. „Je komplizierter das Teil ist und je besser man es hinbekommen hat, desto besser fühlt man sich hinterher. Man macht ja auch etwas, was nur ganz wenige können“, so Henke weiter. Ach ja, noch etwas ist unabdingbar in seinem Job: Teamarbeit. Je besser die – oft wortlose – Zusammenarbeit mit den Kollegen einer Schicht funktioniere, umso perfekter seien hinterher die Produkte.

Was man mitbringen sollte für diesen Beruf? Einen Schulabschluss (egal welchen) und gute Leistungen in Mathe und Naturwissenschaften. „Also die Grundrechenarten und Geometrie, eben das, was man bis zum siebten Schuljahr lernt“, erklärt Andrä Yzerman. Dazu ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Kreativität und Teamfähigkeit. Um zu überprüfen, ob jemand sich für den bzw. die Job(s) bei von Schaewen eignet, hat das Unternehmen einen eigenen Eignungstest entwickelt, der „eigentlich den gesunden Menschenverstand einordnet“, sagt Ausbildungsleiter Jürgen Böther.

Zwei Ausbildungsstellen für diesen Beruf (in Wetter und am Standort Hückeswagen) sind für 2015 noch nicht besetzt. Sollten sich sogar zwei Bewerber für Wetter melden, die das Zeug für den Job mitbringen, werden beide genommen.