RWE will Ende 2015 Klarheit über Abriss am Koepchenwerk

Trotz Denkmalschutzes will RWE am Koepchenwerk das Schieberhaus am Oberbecken mit den markanten drei Buchstaben, die oberirdischen Druckrohrleitungen und das Krafthaus am Ufer des Hengsteysees abreißen lassen.
Trotz Denkmalschutzes will RWE am Koepchenwerk das Schieberhaus am Oberbecken mit den markanten drei Buchstaben, die oberirdischen Druckrohrleitungen und das Krafthaus am Ufer des Hengsteysees abreißen lassen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Streit um den Abriss des alten Koepchenwerks: Während Herdeckes Ratsmitglieder die RWE-Sicht anzweifeln, drängt der Konzern auf eine baldige Entscheidung.

Herdecke..  Passend zum Thema: Energiegeladen verlief die Debatte im Herdecker Rat zum RWE-Antrag, die alte Koepchenwerkanlage abzureißen. Energisch und einstimmig wollten die Lokalpolitiker die vier Vertreter des Energiekonzerns überzeugen, dass diese denkmalgeschützte Landmarke erhalten bleiben muss und neue Ideen gefragt seien. Dabei gab es einige Überraschungen, verhärtete Standpunkte und am Ende doch eine kleine Annäherung.

Zunächst erklärte Michael Moltrecht, seit Kurzem der technische Leiter für die RWE-Wasserkraftwerke, dass das Unternehmen zwar nicht auf Fristen bestehe, mit Blick auf Planungsvorbereitungen aber bei einem anvisierten Abriss ab 2019 eine Entscheidung im Jahr zuvor zu spät käme. Neben den bekannten Problemen wie wirtschaftliche Verluste, hohe Instandhaltungsbeträge (prognostizierte 7,5 Millionen Euro) und der schwierigen Lage habe ein Ideenwettbewerb auch unter Herdecker Mitarbeitern ergeben, dass keine neue Nutzung realisierbar sei. „Uns ist bewusst, dass es populärere Maßnahmen gibt als den Abriss. Aber andere Varianten scheitern an Zuwegen und Kosten, das Heizen im Maschinenhaus hätte eine Dimension von 70 Einfamilienhäusern.“

Abbruch-Kosten zwei Millionen Euro

Überraschend ergänzte Franz-Josef Drabig, führender Vertreter aus der Immobiliensparte des Konzerns, dass die Stadt Herdecke und die Politiker in den nächsten sechs Monaten ausreichend Zeit für die Prüfung alternativer Nutzungskonzepte hätten. „Danach wollen wir das formelle Abriss-Verfahren mit den Gremien in Angriff nehmen.“ Sollte dies so kommen, müsste RWE nach eigenen Berechnungen zwei Millionen Euro für den Rückbau des Schieberhauses mit den drei Buchstaben, der großen Halle am Ufer („Die ist nicht für Besucher konzipiert, allein für die Sicherung des Gebäudes müssten wir zwei bis drei Millionen investieren, neue Nutzungsmöglichkeiten würden bis zu vier Millionen kosten“) und der oberirdischen Rohre am Hang ausgeben. Dies stehe im Abriss-Antrag, der für alle bei der Stadt einsehbar sei. „Wir haben keine Lust auf einen Abbruch, aber wegen der teuren Energiewende und hohen Instandhaltungskosten hier dient diese Maßnahme wie andere auch zur Absicherung von Beschäftigtenverhältnissen“, erklärte Drabig. RWE wolle sich neuen Lösungen nicht verschließen, komme als Betreiber aber nicht infrage.

Kritik an zeitlicher Vorgabe

Vor allem der zeitliche Aspekt rief vielfach Widerstand hervor. SPD-Fraktionsvorsitzende Nadja Büteführ fand es befremdlich, dass „RWE uns jetzt die Pistole auf die Brust setzt“. Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster sagte, dass RWE eine zumutbare Denkmalpflicht habe und das alte Koepchenwerk womöglich bei der Ruhrgebiets-Bewerbung als industrielle Kulturlandschaft für die UNESCO interessant sein könnte. „Ich sehe Hoffnungsschimmer für den Erhalt und hoffe, dass Sie uns mehr Zeit lassen.“ Bauamtsleiter Daniel Matißik erwähnte die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die das alte Pumpspeicherwerk ebenfalls als besonderes Objekt eingestuft habe. Zudem gelte es auszuloten, ob es Chancen auf eine Förderung aus Städtebaumitteln gebe.

Auch Peter Gerigk von den Grünen verlangte mehr Spielraum zur Entwicklung der anvisierten Machbarkeitsstudie, zumal RWE ihrer Verantwortung am Standort Herdecke in den letzten Jahren nicht gerecht geworden sei. „Und bei einer Museumsnutzung und dem überschaubaren Besucherandrang sollte es Lösungen für Fluchtwege geben.“ Jochen Plaßmann (FDP) störte sich wie andere auch an der unausgewogenen Finanzargumentation des Konzerns.

Immer mehr zeichnete sich ab, dass RWE zwar transparent vorgehen will, aber die Gegenseite beim Aufzeigen neuer Konzepte gefordert sieht. Dagegen hofften Vertreter der Verwaltung und der Parteien, dass sich das Unternehmen an diesem Prozess beteiligt. „Sie schieben den Ball in unsere Hälfte, aber als Eigentümer sind Sie in der Pflicht“, meinte Patrick Wicker (CDU). Abschließend fing die Bürgermeisterin beide Richtungen ein: „Wir bringen die Ideen, gehen den Weg aber mit RWE gemeinsam.“