RWE: Freiraum für Standort sichern

Herdecke..  Unter dem Titel „Dem Standort Freiraum sichern“ können RWE-Mitarbeiter und Ehemalige in der Juni-Ausgabe lesen, dass das Unternehmen etwa 7,5 Millionen Euro investieren müsste, um das stillgelegte Koepchenwerk an der Ruhr zu erhalten. Darum möchte man gerne abreißen, doch – so heißt es in dem Text: „Aus der lokalen Öffentlichkeit gab es Protest.“ Doch der Konzern sehe keine neuen Nutzungsmöglichkeiten, eine „öffentliche Zuwegung ist schon aus Sicherheitsgründen nicht realisierbar“, wiederholt der Leiter der Flächen- und Standortentwicklung die Argumente von RWE.

Standort erhalten

Wenn die seit 1994 ungenutzte Halle allerdings stehen bleiben müsse, sieht RWE sich nicht nur finanziell überlastet. „Wir stecken da Geld hinein, ohne einen Nutzen zu haben“, sagt Lothar Lambertz, RWE-Pressesprecher. Auch in den Entwicklungsmöglichkeiten am Standort sei man durch das alte Kraftwerk behindert. „Wir wollen die Zukunftsfähigkeit des Standorts und die damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten“, wird der Leiter Technik und Wasserkraft, Michael Moltrecht, zitiert. Dazu brauche man finanziellen Spielraum und dann die frei werdende Fläche. Für Konzernsprecher Lambertz ein logischer Schluss, der aber keinesfalls darauf schließen lasse, dass sich RWE aus Herdecke zurückziehen wolle. „Wir wollen diesen Standort erhalten, aber es gehört auch dazu, dass wir ihn wirtschaftlich halten können.“

Lob vom Rat im Jahr 1930

Dabei gehe es nicht nur um notwendige Investitionen in ein Gebäude mit „null Nutzen“, die bei einem Erhalt den finanziellen Druck erhöhen würden. Auch andere Faktoren setzen dem Energieerzeuger zu. „Es ist paradox, dass die Speichertechnik im Rahmen der Energiewende unter Druck steht“, so Lambertz. Dennoch sehe man für das laufende Kraftwerk eine Zukunft – mit der Option auf der möglicherweise frei werdenden Fläche Batteriespeicher zu erbauen.

Heute Abend werden RWE-Vertreter in der Sitzung des Rates zu den Abriss-Plänen nochmals ausführlich Stellung nehmen (Beginn 17 Uhr). Dabei wird ihnen – anders als in einem Zeitungsartikel vom November 1930 beschrieben – allerdings nicht allein die Bewunderung der Stadtverordneten sicher sein, die damals nach einer Besichtigung von einem „Wunder der Technik und Ingenieurskunst“ schwärmten. Vielmehr geht es um den Erhalt des Gebäudes. Die Einschätzung der Ratskollegen aus dem Jahr 1930 war eindeutig: Ein „wunderbares Hallengebäude, einzigartig in seiner architektonischen Wirkung“.