Rotes Kreuz sorgt sich wegen weniger Blutspender im Kreis

Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2014 weniger Blutspender im Ennepe-Ruhr-Kreis. In der Orthopädischen Klinik Volmarstein  und im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke gehen die Ärzte mit dieser Ressource vorsichtig um.
Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2014 weniger Blutspender im Ennepe-Ruhr-Kreis. In der Orthopädischen Klinik Volmarstein und im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke gehen die Ärzte mit dieser Ressource vorsichtig um.
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Was wir bereits wissen
Obwohl die Blutspendebereitschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis gesunken ist, gibt es in den heimischen Krankenhäusern noch keine Engpässe.

Wetter/Herdecke..  Im EN-Kreis wurde im letzten Jahr deutlich weniger Blut gespendet als 2013. Da zudem die ersten Tage und Wochen eines neuen Jahres wegen den vermehrten Anforderungen aus den Kliniken und Arztpraxen das Deutsche Rote Kreuz (DRK) stets besonders herausfordern, mahnt der Blutspendedienst West: „Die Reserven reichen maximal für drei Tage.“ Besonders bei der Blutgruppe Null negativ sehe es schlecht aus.

Ließen sich im EN-Kreis (ohne Witten) 2013 noch 7681 Menschen Blut „abzapfen“, waren es in 2014 nur 6949. Ein Grund für den Rückgang der Blutspenden im EN-Kreis sei auch die Zurückhaltung von Neuspendern. 64 Neulinge weniger kamen zum Blutspenden (von 1200 auf 1136), berichtet Heinz Kapschak, Vize-Sprecher des Blutspendedienstes West. Dieser benötige für sein Gebiet täglich etwa 4500 Blutspenden, um die Kliniken und Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland zu beliefern. Allein im Regierungsbezirk Arnsberg würden etwa 800 Spenden täglich benötigt. Hinzu kommen bis zu 150 Anfragen für Notfallpatienten. Kapschak sagt: „Wenn es auf der A 1 einen schweren Unfall gibt, muss genug Blut vorhanden sein.“

In der Orthopädischen Klinik Volmarstein hat der rückläufige Trend 2014 keine Auswirkungen gehabt. „Ich bin jetzt seit 14 Jahren hier, in dieser Zeit habe ich noch keinen Blut-Engpass erlebt, wobei wir uns ja auch nicht um Notfälle kümmern müssen“, sagt Dr. Albert Marichal. Der Anästhesie-Chefarzt berichtet, dass die Ärzte diesbezüglich sparsam arbeiten. Bei 650 Hüft-Operationen in 2014 hätten nur sechs Patienten Bluttransfusionen benötigt, bei knapp 600 Knie-Prothesen sei der Wert mit 0,3 Prozent noch geringer. „Bei Eingriffen zum Prothesenaustausch brauchen wir aber deutlich mehr Blut. Der Durchschnittswert liegt bei ca. zwei Konserven à 250 Milliliter.“

Der Blutbedarf hänge von mehreren Faktoren ab, etwa dem Alter des Patienten oder Nebenerkrankungen. Senioren bräuchten tendenziell mehr aus dem hauseigenen Depot, in dem auch die Blutgruppe Null negativ Mangelware sei. „Nur etwa zehn Prozent der Menschen haben diese Blutgruppe, die wiederum universell für alle einsetzbar ist“, so Marichal. Fast 70 Prozent hätten Blutgruppe A.

Wie die Volmarsteiner Klinik gehört auch das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (GKH) zu den Kunden des Blutspendedienstes West. Laut Dr. Martin Marsch, Leitender Arzt der Anästhesiologie, Intensiv-, Schmerz- und Notfallmedizin, kostet eine Konserve der Gruppe Null negativ zwischen 100 und 110 Euro, andere seien mit 75 und 85 Euro günstiger. „Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Ich möchte aber nicht zu einem anderen Anbieter wechseln“, betont der Transfusions-Verantwortliche in der Ender Klinik.

Auch dort kämen die Ärzte im Vergleich zu früheren Zeiten nun mit deutlich weniger Blut aus. Neben der modernen OP-Technik sei dies auch auf die Wissenschaft zurückzuführen. „Man hat nachgewiesen, dass es keinen kritischen Hämoglobingehhalt gibt. Das frühere Motto ‘Viel hilft viel’ kommt bei uns nicht mehr zum Zug“, wirbt Marsch für einen rationalen Einsatz, zumal Blut eine knappe Ressource sei sowie nach 31 Tagen die Konserven verfallen und zu entsorgen sind. 2014 habe das GKH 4500 Blutkonserven benötigt, davon nur 100 in den insgesamt 7500 Operationen, die meisten in der Onkologie und auf der Intensivstation.

Laut Marsch komme es eher zu Engpässen in den Sommermonaten und in der Urlaubszeit. Während im urbanen Raum die Spendebereitschaft immer mehr zurück gehe, sei es auf dem Land stabil. Daher appelliert Marsch: „Gehen Sie Blut spenden!“