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Riesiger Wasserhahn abgedreht

14.05.2013 | 18:40 Uhr
Riesiger Wasserhahn abgedreht
Betriebsleiter Oliver Surges mit Kathrin Schmelter (stellvertretende Revisionsleiterin)Foto: Steffen Gerber

Herdecke.   Fünf Millionen Euro investiert RWE in die Modernisierung des Koepchenwerks in Herdecke. Bis November steht der Betrieb - in Absprache mit anderen Stromerzeugern - still. Am Dienstag wurde aufwendig der Kugelschieber gehoben.

RWE hat dem Koepchenwerk den Hahn abgedreht - und keiner hat’s gemerkt. Seit dem 6. Mai ruht der Betrieb im Pumpspeicherkraftwerk Herdecke, am Dienstag wurde ein 185 Tonnen schwerer Kugelschieber ausgebaut. Keine Sorge: Ab Ende November soll am Hengsteysee wieder Strom produziert werden, bis dahin soll im Rahmen einer großen Revision die Anlage generalüberholt werden.

„Was für eine Keule“, sagte am Dienstag einer der 50 Mitarbeiter des Koepchenwerks, als Fachleute den stählernen Kugelschieber (Durchmesser: 5,5 Meter) etwa 45 Meter hoch ans Tageslicht beförderten. Bis zu 110 Kubikmeter Wasser, also der komplette Wasserbedarf einer vierköpfigen Familie im Jahr, oder umgerechnet 700 Badewannen strömen sonst pro Sekunde durch dieses verschließbare Zwischenstück, das seit 24 Jahren direkt am Berg angedockt ist.

Problemloser Abbau

Bei RWE heißt dieser Prototyp „größter Wasserhahn der Welt“, der nun erstmals seit seiner Inbetriebnahme 1989 abmontiert wurde. Mit offenen Mündern standen viele Kollegen in der riesigen Haupthalle des Pumspeicherkraftwerks und schauten in die Tiefe. „Alles läuft problemlos“, sagte Betriebsleiter Oliver Surges über eines der größten Projekte, das das Koepchenwerk je erlebt hat.

Fünf Millionen Euro kostet RWE Power die Revision. Die Anlage wird in den nächsten Monaten generalüberholt, neben der Inspektion und Wartung zahlreicher Komponenten wird die Prozessleittechnik modernisiert, damit das Kraftwerk auch künftig von 0 auf 100 in 60 Sekunden hochgefahren werden kann - oder schneller. In Zeiten unterschiedlicher Einspeisungen von erneuerbaren Energien sei die Pumpspeichertechnik am Hengsteysee mit 153 Megawatt nach wie vor ein zuverlässiger Energielieferant für mehr als 350.000 Haushalte. „Dieser immer flexiblere Einsatz der Maschinen, gerade in Zeiten von plötzlichen Windflauten oder Schlechtwetterfronten, erfordert auch einen höheren Wartungsaufwand“, so Surges.

Pro Tag wird der Kugelschieber zehn bis zwölf Mal geöffnet, um die Wassermassen für 15 bis 30 Minuten durchrauschen zu lassen. Bei solch einer Beanspruchung und hohem Druck sei Verschleiß bei den Dichtungen nach vielen Jahren „normal, die Sicherheit war aber nie gefährdet“, betont Surges. Nach Teilmaßnahmen in den vergangenen Jahren sei nun aber die große Lösung fällig gewesen.

Seine Mannschaft habe sich mit Fremdfirmen auf diesen besonderen Tag vorbereitet: Waren mehrfacher Gerüst(um)bau und Schweißarbeiten noch die leichtere Übung, ging es gestern nun um Feinarbeiten, teils blieb den Fachleuten beim Auslösen des Rings nur ein Spielraum von zwei Zentimetern.

Stundenlang bauten die Experten gestern das runde Monstrum ab. Was in der Tiefe noch recht schnell gelang, dauerte nach dem Aufzug per Kran länger, zumal der Koloss in viele Einzelteile zerlegt wurde, damit er in Schwertransportern am 24./25. Mai zur Generalüberholung nach Ravensburg in Richtung Bodensee gebracht werden kann. „Verkehrsbeeinträchtigungen kann es in der Zeit leider geben“, warnt Surges schon mal vor. Zurück geht es im Ganzen Ende September per Schiff über den Dortmunder Hafen. „Nach der Rücklieferung dauert es etwa fünf bis sechs Wochen, bis alles montiert ist und die Anlage wieder in Betrieb gehen kann“, erläutert Surges. „Das ist mit dem Netzverband abgestimmt, unsere Revisionsplanungen haben vor etwa drei Jahren begonnen“, so Kathrin Schmelter, die mit Surges die Wartung organisiert. Und auf die nun viel Arbeit wartet. Oliver Surges: „Die ganze Organisation in der Zwischenzeit wird stressiger als der normale Betrieb.“

Von Steffen Gerber


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