Richter Beckmann führt Leser durch Amtsgericht Wetter

Dieses historische Foto vom Amtsgericht Wetter deutet an: In diesem Gebäude gibt es für Leser viel zu entdecken. Amtsrichter Heinz-Dieter Beckmann kann zudem viel von seinen persönlichen Erfahrungen berichten.
Dieses historische Foto vom Amtsgericht Wetter deutet an: In diesem Gebäude gibt es für Leser viel zu entdecken. Amtsrichter Heinz-Dieter Beckmann kann zudem viel von seinen persönlichen Erfahrungen berichten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein bisschen kriminell wird es bei der Sommertour: Der langjährige Richter Heinz-Dieter Beckmann führt Leser am 16. Juli durch das Amtsgericht Wetter.

Wetter..  Wenn es normal läuft, landen anständige Bürger nicht auf der Anklagebank und kennen dementsprechend keine Gerichtssäle von innen. Genau dies ermöglicht die Lokalredaktion nun aber den Lesern: Am Donnerstag, 16. Juli, führt der langjährige Amtsrichter Heinz-Dieter Beckmann eine Gruppe von 15 Personen (Teilnahme ab 14 Jahren) durch das Gebäude in Wetter. Die etwa 90-minütige Sommertour in der Gustav-Vorsteher-Straße 1 startet um 16. 30 Uhr.

Im Amtsgericht Wetter werden aber nicht nur Straftäter verurteilt. Zwar bietet Beckmann auch an, rechtliche Fragen oder die Bedeutung Gustav Vorstehers für das Haus zu beantworten, doch gibt es in dem am 31. Januar 1914 eingeweihten Gebäude noch viel mehr zu entdecken. Da wäre etwa ein altehrwürdiger Sitzungssaal, in dem sich schon viele Einwohner aus Wetter und Herdecke verantworten mussten. Auch das Grundbuch will der Amtsrichter den Lesern zeigen, ein konkreter Einblick ist aus Datenschutzgründen natürlich aber nicht möglich. Transparent erklären kann Beckmann hingegen, wie die Geschäftsstelle aufgebaut ist und wie die interne Organisation abläuft.

Die Hausvisite beginnt mit dem Passieren der Eingangsschleuse, womit gleich Sicherheitsaspekte an einem deutschen Gericht ins Blickfeld rücken. Beim weiteren Durchgang im Gebäude steht dann immer wieder auch die Kriminalität im Vordergrund. Daher gibt es etwa auch eine Arrestzelle, in die schon mal Angeklagte oder Zeugen, die in einer Justizvollzugsanstalt einsitzen, vor dem Prozessbeginn untergebracht werden.

Gedanklich und konkret ist es dann nur ein kurzer Weg zur Jugendarrestanstalt für junge weibliche Straffällige. Seit fast zehn Jahren leitet Beckmann, der zuvor Stellvertreter dort war, diese besondere Einrichtung in Nordrhein-Westfalen und ermöglicht der Besuchergruppe auch hier einen kurzen Einblick in eine Zelle sowie in den Innenhof. Dieses Nebengebäude in der Kaiserstraße wurde früher als Richterwohnung genutzt und ist auch nach seiner Umwandlung zu Büroräumen in seiner Struktur noch als Wohnhaus erkennbar. Im Jahr 2011 wurde die Nebenstelle an die Jugendarrestanstalt übergeben.

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude in neubarocker Form gibt Aufschluss, wie vor Beckmanns Zeit hier in Wetter Recht gesprochen wurde. Dabei reichen die Rückblicke bis ins preußische Zeitalter, in denen es auch um angemessene öffentliche Repräsentation mit Funktionsabläufen und Wohnfürsorge verbunden ging.

Menschliche Komponente

Beckmanns juristische Schwerpunkte umfassen das Erwachsenen- und Jugendstrafrecht. Auch in zivilrechtlichen Fragen kennt sich der gebürtige Wittener, der seit 2003 in Wetter wohnt und seit Februar 1986 in der Gustav-Vorsteher-Straße Urteile fällt, aus. Vor seiner Zeit als Amtsrichter hier war er in Witten, Essen. Gelsenkirchen, Schwelm und Hagen als Richter im Einsatz. Entsprechend vielfältig sind seine Erfahrungen und Erlebnisse, die er den Lesern einige Monate vor seiner Pensionierung gerne näher bringen möchte. Sein richterliches Credo hat Beckmann 2014 so umschrieben: „Wichtig ist, das Menschliche nicht zu vergessen.“