Raupen fressen sich durchs Ender Tal

Raupen der Gespinstmotte haben einen Baum eingesponnen.
Raupen der Gespinstmotte haben einen Baum eingesponnen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Raupen der Gespinstmotte haben vor allem im Ender Tal in Herdecke viele Bäume befallen und komplett kahl gefressen. Die Tiere spinnen ein weißes Netz, das die Pflanzen komplett einhüllt.

Herdecke..  Es ist ein gespenstisches Bild: Ein Baum, kahlgefressen und mit einem weiß schimmernden Netz überzogen. Kein Gespenst, sondern Gespinstmotten sind verantwortlich für diesen Anblick. Die Raupen der Schmetterlingsart nisten sich vorwiegend in Traubenkirschen ein und fressen sich an den Blättern satt. Um sich vor Fressfeinden und der Witterung zu schützen, spinnen sie ihren Wirtsbaum komplett ein.

In Vorgärten, am Straßenrand und auch im Wald finden sich die eingesponnenen Bäume und Sträucher. Befallen werden neben den Traubenkirschen, von denen es auch Zierformen für den Garten gibt, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln, Schlehen oder Weiden. „Die Verwaltung ist von mehreren Bürgern auf die eingesponnenen Bäume angesprochen worden“, sagt Janina Flüs vom Umweltamt. Auch aus Sorge, dass es sich um den Eichenprozessionsspinner handeln kann. Der umhüllt die Bäume ebenfalls mit einem weißen Netz. „Allerdings bevorzugen diese Tiere Eichen“, sagt Janina Flüs. Und in Herdecke seien dieser Falter und seine Raupen noch nicht aufgetreten.

Im Westen wird gespritzt

Dabei setzt gerade dieser Schädling, dessen feine Härchen schwere Allergien und Hautreizungen auslösen können, seinen Zug durchs Land immer weiter fort. Von Westen her steigen die Fallzahlen. In der Region Aachen fahren Spezialfahrzeuge, die mit Sprühturbinen ausgestattet sind. Gespritzt wird ein sogenanntes Biozid, also ein Schädlingsbekämpfungsmittel, das nur von den Raupen aufgenommen wird und später seine tödliche Wirkung entfaltet. Allerdings heißt es in einer aktuellen Empfehlung des Umweltbundesamtes, dass chemische oder biologische Maßnahmen nur als letztes Mittel eingesetzt werden sollten. Bei weniger starkem Befall oder Bäumen, die in der Nähe von Wohngebieten stehen, werde vielmehr das Absaugen empfohlen.

Diesen Aufwand müssen Gartenbesitzer, die einen von den Raupen der Gespinstmotte eingesponnenen Baum finden, in Herdecke nicht treiben. Denn nach Auskunft von Janina Flüs sind die kleinen Krabbeltierchen für den Menschen ungefährlich. Und auch für die betroffenen Bäume besteht kein Grund zur Sorgen. „Wenn bei starkem Befall Bäume und Sträucher komplett kahl gefressen werden, sind dennoch keine Gegenmaßnahmen erforderlich“, sagt die Expertin aus dem Umweltamt. „Die betroffenen Pflanzen treiben nach dem so genannten Kahlfraß wieder aus“, erklärt Flüs, dass eine zweite Vegetationsstufe den Bäumen neues Leben einhaucht. „Mit dem Johannistrieb werden sie wieder grün.“ Für die Natur hat das vermehrte Auftreten der Gespinstmotten-Raupen also nur vermeintlich einen Nachteil. Im Gegenteil. Für Vögel sind die kleinen Raupen ein gefundenes Fressen.