Projekt hilft, Vorurteile abzubauen

Wetter/Sprockhövel..  Die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule lebt Vielfalt. Schüler und Lehrer beteiligen sich regelmäßig an Projekten, die dabei helfen sollen, Vorurteile gegen Schwule und Lesben abzubauen. Bei dem sexualpädagogischen Projekt „Räume der Vielfalt“ findet dazu ein spezieller Workshop statt. Die Sprecherin des Arbeitskreises Schule der Vielfalt, Schulsozialarbeiterin Christine Niephaus, erläutert die Absichten des Projektes.

1 Wie kann das Projekt helfen, Vorurteile abzubauen?

Bei einem unserer Workshops gibt es ein Grundthema, das ist Homophobie. Aber die Treffen leben natürlich von dem, was die Schülerinnen und Schüler an Fragen mitbringen. Das Beratungsteam der „Rosa Strippe“, einer unserer Kooperationspartner, unterstützt uns dabei. Jugendarbeiter kommen in unsere Schule, in der Regel sind das junge Leute, die sich selbst als schwul, lesbisch oder bisexuell geoutet haben.

2 Was für Reaktionen zeigen die Schüler?

Ich erinnere mich noch gut an die Reaktion eines Schülers im vergangenen Jahr. Der Junge hatte immer besonders große Vorurteile, hat aber nach dem Workshop gesagt: ‚Die sind nicht nur schwul, sondern auch noch cool.’ Für uns ist das ein großer Erfolg. Wir haben festgestellt, je ausführlicher wir das Thema Homophobie im Unterricht behandeln, desto weniger Vorurteile haben die Schüler.

3 Und wie reagieren die Eltern auf die Workshops?

Als wir vor drei Jahren mit den Workshops begonnen haben, waren zuerst einige Eltern skeptisch. Sie befürchteten, durch die Auseinandersetzung mit dem Thema würden ihre Kinder erst recht neugierig gemacht werden. Ähnliche Effekte kennen wir auch aus der Drogenaufklärung. Das sind Bedenken, die wir natürlich ernst nehmen, doch inzwischen sind auch die Eltern entspannter geworden. Sie erkennen, dass es in der Gesellschaft Lebenskonzepte oder Sexual-Typen gibt, die zwar anders sind, aber deswegen nicht schlecht sein müssen.

4 Überträgt sich die gelebte Toleranz auf andere Bereiche?

Wir sind nicht nur „Schule der Vielfalt – Schule gegen Homophobie“ sondern auch „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Das sind zwei voneinander unabhängige Titel, die für uns aber zusammengehören. Bei unserem nächsten Aktionstag am Donnerstag, 29. Januar, sprechen wir mit den Schülern über Ausgrenzung und Fremdenhass. Natürlich werden auch die aktuellen politischen Strömungen und die vermeintliche Angst vor dem Islam Thema sein. Was wir unseren Schülern vermitteln wollen, das ist Offenheit. Sie sollen Informationen an die Hand bekommen und sich dann daraus selbst eine Meinung bilden.