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Polizei warnt vor vermeintlich harmlosen Waffen

19.02.2016 | 12:00 Uhr
Polizei warnt vor vermeintlich harmlosen Waffen
Zum Verwechseln ähnlich: Rechts die Polizeiwaffe, links eine Softair-Pistole.Foto: Gewerkschaft der Polizei

Wetter/Herdecke.   In Hattingen hat die Polizei einen Mann angeschossen, der mit Waffen herumfuchtelte. Schreckschusspistolen, von denen es immer mehr gibt, warnt die GdP.

99 Kleine Waffenscheine hat die Kreispolizeibehörde 2016 bereits ausgegeben, fast 400 Anträge sind noch im Genehmigungsverfahren. Zum Vergleich: 2015 wurden 65 Kleine Waffenscheine erteilt, 2014 sogar nur 37, bei einer entsprechend niedrigen Zahl der Anträge. „Wir werden oft angesprochen, dass sich die Bürger eine Waffe zulegen wollen, um sich im Falle eines Angriffs selbst zu verteidigen“, sagt Tanja Wallenfels, Kreisgruppen-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und selbst aktiv im Streifendienst.

Schuss ins Bein

Sie sieht die Entwicklung mit Sorge, auch mit Blick auf sich und ihre Kollegen. Denn die Polizisten werden immer häufiger mit Situationen konfrontiert, in denen Menschen eine Waffe in der Hand haben. „Ob es eine scharfe Waffe ist, eine Schreckschuss-Waffe oder eine Gaspistole können wir da nicht erkennen“, so Wallenfels.

Eine Einschätzung, die auch Kreispolizeisprecher Dietmar Trust teilt. Erst in der vergangenen Woche trafen Beamte in Hattingen auf einen Mann, der gleich mit zwei Waffen herumfuchtelte. Alle Aufforderungen, die Waffen niederzulegen, liefen ins Leere. „In der Konsequenz hat ein Kollege den Mann durch einen Beinschuss angriffsunfähig geschossen“, so Trust.

Grundsätzlich sei beim Umgang mit der Waffe das Ziel, sie nicht abzufeuern. „Nicht umsonst heißt unser Training ‘Schießen/Nicht-Schießen-Ausbildung“, so Trust. Er hält ebenso wie Tanja Wallenfels die Bewaffnung der Bürger mit Schreckschuss- oder auch Signal-Pistolen für falsch. „Auch damit muss man umgehen können“, so der Polizeisprecher. Im schlimmsten Fall könne ein Angreifer jemanden Ungeübtes leicht entwaffnen und die Waffe gegen ihn richten.

Die Polizei nimmt natürlich das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Bürger wahr, empfiehlt aber, sich zum Beispiel mit einer Taschen-Sirene oder einer starken Taschenlampe auszurüsten. „Die Sirene schafft Öffentlichkeit“, sagt Trust, der auch von Pfefferspray abrät. „Die Handhabung ist schwierig und selbst unsere ausgebildeten Kollegen verletzten sich beim Einsatz teilweise selbst“, so die Erfahrung. Wichtigster Aspekt ist für den Polizeisprecher aber, sich mit möglichen Situationen auseinanderzusetzen und eher ein Selbstbehautptungstraining zu absolvieren, als zur Waffe zu greifen.

Kritisch sieht Tanja Wallenfels auch den leichten Weg zum Kleinen Waffenschein. „Für einen Führerschein, ja selbst für einen Angelschein gibt es strengere Auflagen als für den Kleinen Waffenschein“, so die Gewerkschafterin. Ganz Unrecht hat sie damit nicht: Ein Führerschein verlangt eine theoretische wie praktische Ausbildung, für einen Angelschein muss die Fischerei-Prüfung abgelegt werden. Über 350 Fragen von der Fischkunde bis zum Naturschutzrecht umfasst der Aufgabenkatalog dafür.

Persönlich abholen

Um den Kleinen Waffenschein zu erlangen muss man dagegen 18 Jahre alt sein und ein sauberes Führungszeugnis vorweisen. „Die einzige Auflage ist das persönliche Abholen nach der Erteilung“, kritisiert Wallenfells. Ob dann eine Verwaltungskraft erkennen könne, ob jemand zuverlässig ist, möglicherweise alkoholabhängig oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung eintritt, „das zweifle ich an“.

Susanne Schlenga

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2016-02-19 12:00
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