Polizei sieht private Vermissten-Suche auf Facebook kritisch

Wer privat das soziale Medium Facebook nutzt, wird nicht lange überlegen, auch eine Vermisstensuche dort zu starten. Doch hier ist Vorsicht geboten, sagt die Polizei.
Wer privat das soziale Medium Facebook nutzt, wird nicht lange überlegen, auch eine Vermisstensuche dort zu starten. Doch hier ist Vorsicht geboten, sagt die Polizei.
Foto: picture alliance / dpa
Immer wieder suchen Menschen ihre entlaufenden Hunde und Katzen inzwischen via Facebook. Auch Bilder von vermissten Kindern tauchen hier auf.

Herdecke/Wetter.. Der Aufruf auf Facebook berührt. Da wird eine 12-Jährige vermisst, und die Mutter bittet in der Gruppe „Du bist Herdecker, wenn...“ um Hilfe. Menschen bieten Hilfe an, andere teilen den Suchaufruf, um noch mehr Menschen zu erreichen. Stunden später ist das Mädchen wieder da. Ein Glück.

Schulkameraden und Freunde

Was bleibt, ist der Name im weltweiten Netz. Zwar ist der Post mit der Suche aus der Herdecker Gruppe entfernt worden, sucht man im Internet nach dem Namen des Mädchens, findet man zumindest den Text der Suche wieder.

Die Polizei, die in diesem Fall auch informiert war, sieht die Facebook-Suche kritisch. „Für eine öffentliche Fahndung oder Suche gibt es nicht umsonst hohe Hürden“, sagt Polizeisprecherin Birte Boenisch. Die Erfahrung der Polizei sei, dass die meisten Fälle schnell geklärt werden können. „Der Name ist aber in diesem Zusammenhang im Internet und das bekommt man nicht wieder raus“, so die Einschätzung der Polizistin. „Liest das ein späterer Arbeitgeber, kann es auch einen falschen Eindruck vermitteln.“

Natürlich können die Ermittler verstehen, dass besorgte Eltern alle Möglichkeiten nutzen wollen, um das vermisste Kind wieder zu finden. Und wer Facebook oder andere soziale Medien wie selbstverständlich nutzt, tut dies auch in einem solchen Fall.

Birte Boenisch rät aber dazu, zunächst die klassischen – „vielleicht etwas langweiligen“ – Wege zu gehen. „Rufen Sie bei Schulkameraden an, bei der Familie, sprechen Sie mit der besten Freundin, denn die weiß oft etwas“, so die Polizeisprecherin.

Auch der Weg zur Polizei sei durchaus richtig, wenn ein Kind ungewöhnlich lange ohne Nachricht von zu Hause fort bleibt. Wie lange diese Zeitspanne sein kann, lässt sich nach Aussage von Boenisch nicht pauschal beantworten. „Eltern können das selbst gut einschätzen, was bei ihrem Kind ungewöhnlich ist.“ Melde sich ein sonst immer pünktliches Kind nicht ab, sei es durchaus ratsam, schnell zu reagieren. Bei einem Träumer, der schon häufig auf dem Nachhauseweg gebummelt hat, könne man sicher auch noch ein wenig abwarten.

Immer wieder müssen sich die Beamten in einem Vermisstenfall vorwerfen lassen, zu wenig zu unternehmen. Dabei setzt bei allen vermissten Personen unter 18 Jahren eine feste Routine ein. „Wir strömen aber nicht alle mit Tatü-tata aus“, sagt Birte Boenisch. Auch bei der Polizei gelte das oberste Gebot in einem solchen Fall: Ruhe bewahren.

Gefunden hat das Kind übrigens die Polizei.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE