Politik setzt auf Geländer im Quartier Ruhraue in Herdecke

Sechs Stufen mitten im Ruhrvorland: Verwaltung und Politiker stritten über die Notwendigkeit eines Geländers an dieser Treppe im Quartier Ruhraue.
Sechs Stufen mitten im Ruhrvorland: Verwaltung und Politiker stritten über die Notwendigkeit eines Geländers an dieser Treppe im Quartier Ruhraue.
Foto: Steffen Gerber
Was wir bereits wissen
Mehr Barrierefreiheit in Herdecke: Die Verwaltung soll sowohl an Treppen im Ruhrvorland als auch am Wadfriedhof Geländer anbringen.

Herdecke..  Hürden beseitigen, Erreichbarkeiten verbessern: Das Thema Barrierefreiheit bleibt auch in Herdecke auf der Agenda. Mit zwei konkreten Beispielen setzte sich kürzlich nach entsprechenden Anträgen der SPD-Fraktion der Ausschuss für Bauen, Planen und Verkehr auseinander. Sowohl am Herrentisch-Friedhof als auch im Quartier Ruhraue könnte jeweils ein Handlauf an Treppen älteren und bewegungseingeschränkten Bürgern den Zugang erleichtern.

So berichtete Andreas Schliepkorte als Technischer Leiter, dass die Technischen Betriebe Herdecke (TBH) bereits am Waldfriedhof in der Buchenstraße aktiv geworden seien. Nachdem ein Rollstuhlfahrer vor einigen Monaten eine Trauerfeier nicht besuchen konnte, fassten TBH-Mitarbeiter zwei Pkw-Stellflächen zu einem neuen Behindertenparkplatz zusammen und senkten Bordsteine am Eingang ab.

Keine Vorgaben für drei Stufen

Auf dem Weg zur Trauerhalle bzw. Kapelle wartet mit einer Treppe ohne Geländer aber das nächste Hindernis nahe des Haupteingangs. „Bei drei Stufen ist laut Vorschrift kein Handlauf nötig“, sagte Schliepkorte zunächst skeptisch zum vorliegenden SPD-Antrag. Zumal neben der Treppe ein kurzer Umweg über eine wassergebundene Decke einen barrierefreien Zugang ermögliche und es an einem Seiteneingang zur Trauerhalle eine neue Kunststofframpe gibt. Eine kostengünstige Lösung für einen neuen Zusatz am Geländer wolle er überprüfen und gegebenenfalls sogar etwas aus einem Baumarkt beschaffen.

Jan Schaberick (SPD) lobte einerseits die umgesetzten Maßnahmen, betonte andererseits die Erleichterung durch einen Handlauf, auch wenn dies nicht vorgeschrieben sei. Sein Parteikollege Ulrich Schwellenberg meinte, dass dies doch nicht an Kosten von etwa 150 oder 200 Euro scheitern könne.

Unplanmäßiger Trampelpfad

Kontrovers verlief die Diskussion über Handläufe an eine Treppe im Quartier Ruhraue. Ralf Grunwald, bei der Stadt Herdecke für die Grünflächen zuständig, betonte, dass die beantragten Geländer im Fortlauf der so genannten Sitztreppe zu einem Weg gehören, den es in der ursprünglichen Planung gar nicht geben sollte. Wenn jeder Trampelpfad solche Forderungen nach sich ziehen würde, kämen immer mehr Kosten zusammen. „Auch hier erfordern drei Stufen eigentlich keinen Handlauf. Die Treppe liegt mitten in der Anlage, ein barrierefreier Zugang ist dort über zwei andere Wege möglich, womit seinerzeit auch der Sozialverband einverstanden war“, meinte Grunwald.

Das sah eine Mehrheit der Lokalpolitiker anders. „Immer wieder ist von demographischen Veränderungen die Rede. Wir können aber nicht Wasser predigen und Wein trinken. Es wäre auch kein Präzedensfall“, meinte Schaberick und richtete den Blick auf die Unfallgefahr an der Treppe. „Wenn dort jemand hinfallen sollte, ist das Geschrei groß.“ Auch ästhetische Gründe sprächen nicht gegen eine Verbesserung der Verbindung zum Ruhrwanderweg. Gerd Tebben (SPD) berichtete, dass ein Fraktionskollege bereits einen Sturz beobachtet habe. „Diese Stolperfalle, ist ja auch in der Dunkelheit nicht beleuchtet. Es geht hier nicht zuvorderst um rechtliche Fragen, sondern um die Sicherheit der Bürger.“

Dem widersprach Peter Gerigk von den Grünen. Die Bürger hätten zwar dort – im wahrsten Sinne des Wortes – mit ihren Füßen abgestimmt und einen unplanmäßigen Weg („Mir wäre es am liebsten, wenn der zurückgebaut würde“) ertrampelt, doch könne die Politik nicht überall alles absichern. Dagegen regt Christian Korge von der FDP an, nach einem Sponsor für die Handläufe und entstehende Kosten von geschätzten 500 Euro zu suchen.

Mit der Mehrheit von elf Stimmen erhielt die Verwaltung bei drei Enthaltungen schließlich den Auftrag, Handläufe anzubringen.