Plaßmann: „Das ist der Tod des privaten Kunstsponsorings“

Das Hagener Osthaus-Museum  hat Dauerleihgaben an die Dörken-Stiftung zurückgegeben, um die Versicherungsprämien einzusparen.
Das Hagener Osthaus-Museum hat Dauerleihgaben an die Dörken-Stiftung zurückgegeben, um die Versicherungsprämien einzusparen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Debatte um den Verkauf von Kunst aus Museen der öffentlichen Hand verunsichert Förderer und Mäzene. Die Dörken-Stiftung hat Konsequenzen gezogen.

Hagen/Herdecke.. Im Goldrausch: Derzeit wittern Politiker, die sonst kaum als Kulturkenner auffallen, in den kommunalen Kunstsammlungen Schätze, die sich lukrativ versilbern lassen könnten. Die aktuelle Diskussion um Verkäufe von Kunst aus dem Besitz der öffentlichen Hand hat allerdings fatale Folgen. Denn die Förderer dieser Häuser werden verunsichert.

„Das ist der Tod des privaten Kunstsponsorings“, betont Dr. Jochen Plaßmann als Vorstand der Werner Richard – Dr. Carl Dörken-Stiftung mit Sitz Herdecke, die zu den engagiertesten Kunstförderinnen des Landes gehört. „Es ist doch naiv zu glauben, dass ein Sponsor oder ein Förderverein einem Museum Bilder schenkt, wenn er befürchten muss, dass diese Bilder 20 Jahre später verhökert werden“, konstatiert Plaßmann.

Konsequenzen gezogen

Die Dörken-Stiftung hat bereits Konsequenzen gezogen. Sie schenkt den Museen keine Kunst mehr, sondern stellt sie nur noch als Dauerleihgabe zur Verfügung. Hintergrund ist der Verkauf von Gerhard Richters „Seestück“ durch den früheren Leiter des Hagener Osthaus-Museums Michael Fehr im Jahr 1989, das 1971 durch private Mittel erworben worden war. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Museen in Hagen, Dortmund und Münster zusammen insgesamt 250 000 DM zum Ankauf von Werken zur Verfügung gestellt.

Gerade in dieser Zeit wurde in Hagen der Verkauf von Bildern aus dem Bestand des Osthaus-Museums diskutiert, um aus dem Erlös sonstige Defizite zu decken. Einem solchen Schicksal wollten wir die von uns finanzierten Bilder nicht aussetzen“, erläutert Plaßmann. Nach Rücksprache mit der Aufsichtsbehörde hat die Dörken-Stiftung daher das Konzept der Dauerleihgabe entwickelt.

Eigene Etats zum Ankauf hat in Zeiten kommunaler Finanzkrisen kaum noch ein Museum. Man ist auf die Unterstützung von Donatoren angewiesen. 400 der Werke in der berühmten Christian-Rohlfs-Sammlung des Osthaus-Museums stammen zum Beispiel aus Schenkungen von Prof. Dr. Paul Vogt aus Essen, dem Neffen des Künstlers. Eine von der Politik leichtfertig ins Spiel gebrachte Verkaufsdebatte kann das Vertrauen in ein Haus nachhaltig erschüttern. Zumal die Kunst sich ja nicht als Geldanlage im Museum befindet, sondern als kommunales Gedächtnis.

Nicht zuletzt deshalb fordert der Bundesverband der Fördervereine deutscher Museen für Bildende Kunst die Einrichtung einer Kommission, die einen Verfahrens-Kodex zum Verkauf von Kunstwerken aus direktem oder indirektem Eigentum der öffentlichen Hand erarbeiten soll. Zentrale Maßgabe: Gelder, die aus solchen Verkäufen erlöst werden, sind in Kunst und Kultur zu reinvestieren.

Belastete Beziehungen

Doch auch jenseits aktueller Begehrlichkeiten belastet die Finanznot der Städte die Beziehungen zwischen Stiftern und Museen. Auch hier geht Hagen wieder vorweg. Das Osthaus-Museum hat als einziges Haus in NRW inzwischen 16 der 18 vom früheren Museumsdirektor erworbenen Dauerleihgaben an die Dörken-Stiftung wieder zurückgegeben. Begründung: Man müsse die Versicherungsprämien einsparen.

Ist damit die langjährige Freundschaft zwischen den Herdecker Mäzenen und dem Hagener Museum beendet? Dr. Jochen Plaßmann: „Für eine neue Förderung müsste das Museum einen Antrag stellen. Das ist schon lange nicht mehr passiert.“