Phantasievolle Reisen aus Herdecke um die Welt

Gustav Niermann hat kurz vor seinem Tod noch viele Geschichten aufgeschrieben. Seine Tochter Elke Niermann (links), Nichte Elisabeth Birkenkötter (rechts) haben ein kleines Malbuch daraus gemacht. Gegen eine Spende wird die Geschichten-Sammlung abgegeben. Das Geld kommt dem Mali-Hilfsprojekt von Christel Horkenbach (Mitte) zu Gute.
Gustav Niermann hat kurz vor seinem Tod noch viele Geschichten aufgeschrieben. Seine Tochter Elke Niermann (links), Nichte Elisabeth Birkenkötter (rechts) haben ein kleines Malbuch daraus gemacht. Gegen eine Spende wird die Geschichten-Sammlung abgegeben. Das Geld kommt dem Mali-Hilfsprojekt von Christel Horkenbach (Mitte) zu Gute.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kurz vor seinem Tod hat sich der Ender Landwirt Gustav Niermann noch einmal auf eine Reise um die Welt gemacht. In seiner Phantasie. Seine Nicht hat die Geschichten gesammelt.

Ende..  Gustav Niermann hat geträumt – vom Fliegen. Der kürzlich verstorbene Landwirt aus Ende, ein echtes Urgestein, wie viele Ender sagen, ist aus seinem Ort kaum herausgekommen. Doch in seiner Fantasie war Niermann ein weit gereister Mann. Nichte Elisabeth Birkenkötter hat die Geschichten ihres Onkels, die er im letzten Jahren vor seinem Tod aufgeschrieben hat, gesammelt und ein einem hübsch gestalteten Heft zusammengefasst. „Man kann es als Malbuch für Kinder nehmen“, sagt die 66-Jährige, „oder die Geschichten einfach vorlesen.“

Gustav Niermann hat in seinem letzten Winter auf seinem Hof nicht mehr viel tun können. „Das ist ihm sehr schwer gefallen“, sagt Tochter Elke Niermann. Der Alt-Bauer war es gewohnt, noch immer mit anzupacken. Also griff Niermann zum Buch. Doch auch das Lesen fiel ihm schwer. „Er hat mich gebeten, ihm vorzulesen“, erinnert sich Elisabeth Birkenkötter. Eine Bitte, der sie gerne nachkam, war doch Onkel Gustav für sie auch immer ein Bildbuch-Onkel gewesen. Einer der den Kindern Geschichten erzählt und auch vorgelesen hat.

Doch auch das Vorlesen war nicht das, was Gustav Niermann zufrieden stellte. „Dabei kommt doch nichts heraus“, sagte er, und also begann er zu schreiben. „Manchmal mit einem Finger auf der Schreibmaschine“, sagt Elke Niermann. Manchmal auf viele Zettel mit der Hand. Elisabeth Birkenkötter hat die Geschichten des Onkels abgeschrieben und ist dabei mit in die Ferne gereist. Mit einem alten Doppeldecker, so hat es Niermann geschrieben, ist er nach Afrika zu den Elefanten geflogen. Oder in den Norden zu den Eskimos. „Dabei ist er selbst in seinem Leben nur bis nach Tschechien gereist“, erinnern sich die Cousinen. Seine Frau flog in den Urlaub, Gustav Niermann reiste mit dem Zug hinterher.

Vielleicht ist es genau das, was die kleinen Geschichten des Ender Urgesteins so lesenswert macht. Gustav Niermann hat sie sich einfach ausgedacht. Zum Beispiel die von den Störchen, die früher noch ihr Nest auf dem Dach des Hofes am Kirchender Dorfweg bauten. Mit seinem roten Doppeldecker sind Niermann und seine Großmutter Justine den Tieren hinterher geflogen.

Spenden für Mali-Projekt

Gelandet ist er zum Beispiel in Mali. Kein Zufall, denn Niermann hat das Spendenprojekt der Herdeckerin Christel Horkenbach immer unterstützt. Die Hobbygärtnerin verkauft am Niermannschen Bioladen ihre Stauden, um mit dem Geld eine Schulkantine im malischen Dorf Hombori zu unterstützen. „Das Dorf kommt in einer seiner Geschichten sogar vor“, freut sich Christel Horkenbach, die die Geschichte auch nach Mali geschickt hat. Einen mit vielen exotischen Marken gespickten Brief aus dem fernen Land hat Niermann noch erhalten. „Und jetzt beten die Menschen in Hombori für ihn“, sagt Horkenbach.

Das Büchlein mit den Niermann-Geschichten soll nun gegen eine Spende abgegeben werden. Das Geld kommt dem Kantinen-Projekt zu Gute.