Paul Heer legt den Panama-Hut ab

Fast vier Jahrzehnte hat er den Dritte-Weltkreis Panama gelenkt, jetzt hört Paul Heer aus Altersgründen auf.
Fast vier Jahrzehnte hat er den Dritte-Weltkreis Panama gelenkt, jetzt hört Paul Heer aus Altersgründen auf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Generationswechsel beim Dritte-Welt-Kreis in Herdecke. Die Hilfe für die arme Region im Mittelamerika geht weiter.

Herdecke..  Fast 40 Jahre lang war Paul Heer das Gesicht und der Motor des Dritte-Welt-Kreises Panama. Jetzt zieht er sich zurück. Ein Nachfolger ist gefunden. Nun beginnt für den pensionierten Lehrer vermutlich doch so etwas wie der Ruhestand. Mit fast 81 Jahren.

„Man muss hier den Kontakt pflegen zu den Schulen und in Panama fragen, wo der Schuh drückt.“ Auf Paul Heers Nachfolger warten viele Aufgaben. Klaus Reuter wird das sein. Er ist ein Spezialist für Demografie und Nachhaltigkeit und saß lange Jahre für die Grünen im Herdecker Rat. An diesem Wochenende soll er gewählt werden.

Ist der Panamakreis auch ohne Paul Heer denkbar? Für ihn jedenfalls schon. Auch in zehn Jahren wird es die Initiative noch geben, ist er überzeugt. Die „jungen Leute“, wie Heer sie nennt, geben ihm diese Zuversicht. Die jungen Leute, das sind junge Erwachsene, die in Panama ein freiwilliges soziales Jahr ableisten. Seit ein paar Jahren gibt es das „und hat dem Dritte-Weltkreis das Überleben möglich gemacht“.

Dahin, wo es warm ist

Die jungen Leute sind aber auch einer der Gründe, die Paul Heer jetzt Abschied nehmen lassen. Viele Veränderungen hat er im Laufe von über 30 Jahren mitgemacht. Jetzt merkt er immer mehr, dass er nicht mehr ganz in die Zeit passt. Wie etwa bei den Buttons für den Panamalauf. Früher wurden die Motive selbst gestaltet, kopiert und dann im Wohnzimmer der Heers Stück für Stück geprägt. Viel Arbeit, aber ein Gemeinschaftswerk in der Gruppe. Heute werden die Buttons im Internet bestellt. Der Preis ist nicht zu schlagen. Das Gemeinschaftswerk entfällt.

17 000 Euro hat allein der Schülerlauf vor drei Jahren gebracht. Private Spenden sind immer hinzu gekommen und haben die Arbeit in Panama möglich gemacht. „Was wir machen, ist auf ganz niedrigem Niveau“, sagt Paul Heer. „Wir gehen in die Dörfer, um die sich sonst keiner kümmert“. Mehrere Dutzend Trinkwasserleitungen sind mit Geld aus Herdecke und Zupacken von Herdeckern entstanden.

In Kolumbien hat Heer nach seinem Studium als Lehrer an einer deutschen Schule angeheuert. Zu Kolumbien gehörte auch einmal Panama. Bevor die Amerikaner Interesse an einem Kanal und einer leicht lenkbaren Regierung hatten. Auch Rom oder Kabul hätten es werden können. Heer wollte nach der Uni hinaus in die Welt, „dahin, wo es warm ist. Ich friere so leicht.“

Jetzt lebt der geborene Sauerländer in Herdecke. Und ist rundherum zufrieden. Die Stadt gefällt ihm, auch die Lage. Sein Blick könnte in den Garten schweifen oder zu der Riesenhängematte, die quer durchs Wohnzimmer gespannt ist. Sieben Meter misst sie bestimmt. Eine Hängematte muss lang genug sein, weiß her. Sonst ist es nicht bequem. Zu bequem darf die Lage aber auch nicht sein. „Ich kann darin nicht schlafen, nur dösen“, lacht er. Oder vielleicht lesen. Das hat er sich für die Zeit jetzt, ohne den Panamakreis und ohne seine Frau, die vor wenigen Wochen gestorben ist, vorgenommen.

Endlich Zeit fürs Lesen

Von den unzugänglichen Bergwäldern Panamas geht es in den Dschungel der Sprache. „Labyrinth der Wörter“ heißt das Büchlein, das auf dem gläsernen Couch-Tischchen auf seinen Leser wartet.