Pastor wegen Diebstahls verurteilt

Herdecke..  Der Blick in ein schon recht angeschlagenes Protokollbuch des Herdecker Holzgerichtes hat Erstaunliches zu Tage gefördert. Denn als Holzdieb betätigte sich sogar der lutherische Pastor in Herdecke-Ende. Allerdings geschah das schon vor über 400 Jahren.

Wie aus dem Protokoll des am 10. Juli 1589 abgehaltenen Holzgerichts der Herdecker Markgenossen – einem Zusammenschluss von Dörfern und Gehöften – hervorgeht, hatte der Geistliche in dem Herdecker Markwald unerlaubt gleich mehrere Buchen gefällt und anschießend zu Brandholz gemacht.

Zwei Mark Strafe

Vor allem wegen der dadurch verursachten nachhaltigen Schädigung des Markwalds wurde der Pastor zu der für die damalige Zeit recht empfindlichen Strafe von zwei Mark verurteilt. Möglicherweise ist er sogar ein Wiederholungstäter gewesen. Bereits in dem Holzgericht am 14. Oktober 1574 war gegen den lutherischen Pastor in Ende wegen des unerlaubten Fällens von zwei Buchen im Herdecker Markwald verhandelt worden.

Doch auch sein Amtskollege in Wetter hatte keine Bedenken, gegen das achte Gebot („Du sollst nicht stehlen“) zu verstoßen und holte sich heimlich Holz aus dem Herdecker Markwald. Der Vorladung zur Sitzung des Holzgerichts am 11. Juli 1575 leistete er jedoch keine Folge.

Die beiden Pastöre befanden sich aber in bester Gesellschaft. Zu den Holzdieben in dem Herdecker Markwald gehörte 1575 nämlich sogar der landesherrliche Richter in Wetter. Allerdings hatte dieser den Diebstahl nicht selbst begangen, sondern durch seinen Knecht ausführen lassen. Doch auch der erschien zur Verhandlung seines Falls im selben Holzgericht am 11. Juli 1575 nicht. Offensichtlich hat sich damals jedermann, hoch und niedrig, illegal Holz aus dem Markwald beschafft. Auch der Küster der lutherischen Kirche in Ende gehörte zu den Holzdieben, was nicht verwunderlich ist, wenn selbst sein Pastor nichts dabei fand, Holz zu stehlen.

Im Holzgericht am 3. Dezember 1579 wurde der Küster für seine Straftat zur Zahlung von einer Mark verurteilt.

Wie allgemein üblich der Diebstahl von Holz aus dem Herdecker Markwald seinerzeit war, bezeugt auch die Tatsache, dass der lutherische Pastor in Ende nur einer von insgesamt 35 Tätern war, gegen die wegen Holzdiebstahls in dem Holzgericht am 10. Juli 1589 verhandelt wurde. Anscheinend galt das illegale Beschaffen von Holz aus den ja nicht in privatem Besitz befindlichen, sondern von den Markgenossen gemeinschaftlich besessenen Markwaldungen damals aber nicht als eigentlicher Diebstahl.