Park der Ruhe lädt zum Erinnern in der Natur

Die Stadt Wetter entwickelt ihren Friedhof zum Park der Ruhe. Regelmäßig finden Führungen statt.
Die Stadt Wetter entwickelt ihren Friedhof zum Park der Ruhe. Regelmäßig finden Führungen statt.
Foto: WP
Lange war vergessen, dass der Friedhof Gartenstraße einmal als Park angelegt worden war. Das soll sich nun ändern.

Wetter..  Wenn Egbert Feuerstack über den wetterschen Friedhof geht, kann er ins Schwärmen kommen. Denn die städtische Bestattungsfläche ist unter der Regie des Stadtbetriebes zum „Park der Ruhe“ geworden. Ein Park, das war der Friedhof allerdings schon zuvor, nur dass diese Funktion der von einem Gartenarchitekten geplanten Anlage für lange Zeit in Vergessenheit geraten war.

Mit Friedhofsführungen will der Mitarbeiter des Stadtbetriebes nun die Schönheit und auch die Geschichte des Friedhofs wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rufen. Wer mit Feuerstack gut anderthalb Stunden zwischen den Gräbern flaniert, ist nicht am morbiden Charme des Vergänglichen interessiert, sondern sucht ein Stück Kulturgeschichte. Und bekommt sie in aller Ausführlichkeit geliefert.

Belegungen laufen aus

Fünf Hektar groß ist die Fläche, die nach und nach immer wieder erweitert wurde. Noch in den 1970er Jahren wurde auf einem verfüllten Steinbruch ein neuer Friedhofsteil eröffnet – Fläche, die angesichts der aktuellen Entwicklung eigentlich nicht mehr benötigt wird. Doch einfach schließen lässt sich ein Gräberfeld nicht. „Wir lassen die Belegungen auslaufen“, sagt Egbert Feuerstack. Der obere Friedhofsteil wird also noch mehr Parkfläche. „Das kommt auch den Nutzern entgegen, die alle nicht mehr so gerne den Berg hinauf wollen.“

Lange Zeit war der Friedhof – bis auf die übliche Pflege – mehr oder weniger sich selbst überlassen worden. Folge: Um die Parkanlage in ihrer ursprünglichen Form wieder erlebbar zu machen, müssen Pflanzen darum nun teilweise radikal beschnitten werden. Riesige Rhododendren werden nach und nach gestutzt, große Bäume zum Teil entfernt. „Wir wollen die Sichtachsen wieder frei bekommen“, so Feuerstack. Ein Engel, der unter einer groß gewachsenen Eibe verschwunden war, ist wieder zu sehen.

Wasser- und Rosengarten geplant

Der Aufwand, der nun in die Pflege gesteckt wird, soll dem Parkcharakter des Friedhofs zu Gute kommen. Doch ist eine Restrukturierung auch notwendig, um künftige Pflegearbeiten in Grenzen zu halten. Liegen Grabstätten weit verstreut über eine große Fläche, ist der Aufwand, die Wiesen dazwischen zu pflegen, sehr groß.

Konzentration ist also gefragt. Zumal der Trend bei der Bestattung weg vom traditionellen Wahl- oder Reihengrab hin zu Urnenfeldern geht. Ein solches neues Feld findet sich nahe dem Eingangsbereich des Friedhofs. Mit dem Namen „Kieferngarten“ passt es in das neue Park-Konzept der Bestattungsanlage. „In den kommenden Jahren sollen ein Wassergarten, ein Rosengarten und ein Garten der Farben folgen“, erläutert Egbert Feuerstack seine Ideen. Die Möglichkeit der Erinnerung und Trauer soll in diesen gestalteten Flächen ebenso geboten werden, wie der Genuss der Natur.

Apropos Natur: die kehrt mit der geringeren Bewirtschaftung des Friedhofs in Form von Dachs, Fuchs und Reh zurück. Nicht immer zur Freude der Angehörigen, die so manch abgefressene Blume ersetzen müssen.

Tod und Leben verknüpfen

Doch der Friedhof trägt den Frieden in seinem Namen: „Hier ist ein befriedeter Bereich, das heißt, es darf nur in Ausnahmefällen gejagt werden“, erklärt Feuerstack. Für den Stadtbetriebs-Mitarbeiter ist es auch kein Problem, dass zum Beispiel ein Dachs am Rande der Fläche seinen Bau angelegt hat. „Wir freuen uns, dass die Natur hier Platz findet.“

Natur – und Menschen. Die sollen den „Park der Ruhe“ als Oase erleben, aber auch als Begegnungsfläche. „Friedhof, das soll kein gruseliger Ort sein, den das Enkelkind furchtsam an der Hand der Oma erlebt“, will sich Feuerstack von überkommenen Bildern verabschieden. „Tod und Leben sollen verknüpft werden.“

So ist geplant, sogar eine kleine Spielfläche für kleine Kinder einzurichten. Im übrigen sind die großen Park-Friedhöfe wie zum Beispiel der in Hamburg Ohlsdorf Vorbild. Ein Park, der vor allem im Sommer zu Verweilen einlädt. „Wir haben bereits 2014 Parkliegen aufgestellt“, sagt Egbert Feuerstack.

Ähnliche Ruheplätze soll es in Zukunft noch mehr geben.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE