Paar zeigt Reue nach gewerbsmäßigem Betrug

«Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit.
«Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In Elektromärkten schlossen eine Herdeckerin und ihr Freund fünf Mobilfunkverträge ab, wohl wissend, dass sie die Rechnungen nicht würden zahlen können.

Herdecke/Wetter..  Mit den Prämien von fünf neu abgeschlossenen Mobilfunkverträgen wollte sich ein Herdecker Pärchen das Leben offenbar etwas angenehmer gestalten – wohl ahnend, dass es bei den monatlichen Rechnungen Probleme geben würde. Jetzt begann der Prozess gegen das zwischenzeitlich entfremdete Duo vor dem Amtsgericht Wetter. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug.

Vor zwei Jahren tauchten die 26-jährige Frau aus Herdecke und ihr damaliger Freund (35) immer wieder in Elektromärkten in der Umgebung auf, schlossen Verträge ab, gaben dabei ihre Personalien sowie seine Kontodaten an und erhielten dafür entweder teure Smartphones oder Gutscheine im Wert von 500 Euro für das jeweilige Geschäft. Ein Handy behielt die junge Herdeckerin offenbar für sich, die beiden anderen verkaufte ihr Ex-Freund, und die Gutscheine nutzten sie laut Anklage, um sich mit der neuesten Technik auszustatten.

Dabei, so zumindest der Vorwurf, waren sich beide sehr wohl bewusst, dass Abbuchungen in dem Umfang vom Konto des 35-jährigen Herdeckers unmöglich sein würden. Zudem hätte die junge Frau die Verträge gar nicht allein abschließen dürfen, da sie unter Betreuung steht und ein so genannter Einwilligungsvorbehalt ihrer damaligen Betreuerin bestand.

Ansatzweise schuldbewusst saß das einstige Paar, das mittlerweile getrennte Wege geht, jetzt auf der Anklagebank. Die 26-Jährige erklärte, sie könne sich nicht genau an alle Einzelheiten erinnern, wisse jedoch, dass sie mehrere Verträge abgeschlossen hätten und dies auf ihren Namen, weil es bei ihm nicht möglich gewesen sei.

Er habe ihr hoch und heilig versprochen, die fälligen Raten zu zahlen. „Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe, warum ich eingewilligt habe.“ Irgendwann habe sie ein schlechtes Gewissen bekommen und habe sich ihrer Betreuerin anvertraut. Es sei ihr durchaus bewusst gewesen, dass die Verträge ohne deren Zustimmung nicht wirksam gewesen seien.

Ihr Verflossener bekundete, nur für seine Ex gehandelt zu haben, da sie Geld benötigt und Wünsche gehabt hätte. Er selbst habe von den Aktionen gar nichts gehabt. Vielmehr habe er tatsächlich vorgehabt, die Raten zu zahlen – und das wäre ihm auch trotz geringer Einkünfte durch das Jobcenter gelungen.

Die damalige Betreuerin der jungen Frau aus Herdecke erinnerte sich im Zeugenstand, wie sie das Paar mit der Angelegenheit konfrontiert habe. Beide hätten zugegeben, dass das nicht richtig gewesen sei und dass sie auch wüssten, dass die 26-Jährige die Verträge gar nicht hätte unterschreiben dürfen. Allerdings hätten beide auch immer wieder versucht, sich herauszuwinden.

In seinem Gutachten sah der psychiatrische Sachverständige zunächst keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder gar aufgehobene Schuldfähigkeit der Herdeckerin, die offenbar unter einer schizophrenen Psychose leidet. Allerdings wurde er dann mit einem älteren, ihm bis dato unbekannten Gutachten im Rahmen der Betreuungssache konfrontiert. Darin war von einer eingeschränkten Einsichtsfähigkeit die Rede.

Schuldfähigkeit neu bewerten

Mit diesem Gutachten wird sich der Sachverständige nun bis zur Fortsetzung des Verfahrens Mitte Februar befassen, um dann erneut eine Einschätzung ihrer Schuldfähigkeit abzugeben.