Notgeld macht Herdecker zum Multi-Millionär

Der Herdecker Heimatsammler Peter Arnold hat Notgeld aus der Inflationszeit 1923 erworben.
Der Herdecker Heimatsammler Peter Arnold hat Notgeld aus der Inflationszeit 1923 erworben.
Foto: WP
Peter Arnold aus Herdecke hat Scheine aus dem Jahr 1923 erstanden. Damals war die Inflation unvorstellbar hoch. Sein neuer Reichtum ist mehr ideell.

Herdecke..  Zehn Euro hat Peter Arnold investiert. Jetzt ist er Multi-Millionär. Zur Aufbesserung seiner Rente wird der Gewinn nicht dienen können. Er ist eher ideeller Natur: Der Millionen-Gutschein ist ein Stück Geschichte. Inflationsgeschichte auch in Herdecke.

Nicht nur den einen Schein hat Arnold bei einem Trödler in Hamm erstanden. Fünf Millionen Mark hat er ebenso preiswert erstanden wie einen Ein-Millionen-Schein. Einzulösen waren sie alle bis zum 31. Oktober 1923 „bei der hiesigen Stadtkasse oder im Rechnungswege bei der Sparkasse der Stadt Herdecke“.

Gehalt in Form von Gutschriften

In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts verlor das Geld rasant an Wert. In einem Buch zum 150. Geburtstag der Sparkasse in der Nachbarstadt Wetter gibt es eine Statistik der Geldentwertung. Nach der musste man für einen US-Doller im Januar 1920 exakt 64,80 Mark hinlegen, im Januar 1923 dann 17 972,40 Mark, im Dezember 1923 sollten es sogar 4 200 000 000 000 Mark sein. Anders ausgedrückt waren das 4,2 Billionen Mark für einen einzigen US-Dollar.

Was also hätte sich Peter Arnold Ende Oktober 1923 für den Zehn-Millionen-Schein kaufen können? Auch darauf gibt das Buch für Wetter Antwort: eine Tageszeitung oder noch nicht einmal die. Bei 10 000 000 Mark stand der Kurs für eine Zeitung zu Beginn des Monats. Zum Ende hin mussten Kunden sich eine weitere Null hinten an die Kaufpreise hinzudenken.

In Wetter sind in den Zwanziger Jahren ähnliche Gutscheine ausgegeben worden wie in Herdecke. Abgebildet sind sie im Kapitel über Notgeld. Wie das aber genau funktioniert hat, wüsste Peter Arnold gerne. Er denkt: Seine Neuerwerbungen waren damals eine Art Anleihe bei der Stadt. Vielleicht haben die Käufer weniger gezahlt und zu einem festgesetzten Termin eine deutlich höhere Summe zurück bekommen – die nicht unbedingt viel mehr wert gewesen sein muss. Vielleicht hat die Stadt aber auch ihre Gehälter in solchen Gutschriften ausgezahlt, überlegt Arnold, was in einem Buchkapitel von Wilfried Schröder über Papiernotgeld in Wetter bestätigt wird: „Kommunen, Verbände und Firmen gingen dazu über, für Lohnzahlungen eigenes Notgeld herauszugeben.“

Lange hat Arnold überlegt, ob er bei den Gutscheinen zuschlagen soll. Dann legte er die paar Euro beim Händler in Hamm auf die Theke: „Da ich Heimatsammler bin, darf auch Geld nicht fehlen.“ Bisher hat Arnold vorrangig Fotos, Postkarten und Dokumente zusammen getragen. Die ersten Scheine könnten der Grundstock für eine eigene Sammlung werden, sie müssen es aber nicht.

Gearbeitet hat Peter Arnold als Schweißer bei den Stahlgusswerken Böhmer in Annen. Seit dem 1. Juli ist er Rentner und hat somit noch mehr Zeit, auf Speichern und Märkten nach Zeugnissen der Herdecker Stadtgeschichte zu stöbern. Vielleicht findet sich ja noch einmal ein Angebot, das er nicht ablehnen kann – und auf einen Schlag wäre Arnold nicht mehr nur Millionär, sondern stolzer Altgeld-Milliardär.