Nicht nur studieren, sondern auch probieren

Die Kinder waren mit Eifer bei der Sache, als auf dem Schulhof gepflanzt wurde.
Die Kinder waren mit Eifer bei der Sache, als auf dem Schulhof gepflanzt wurde.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Angehende Lehrer müssen mehr als früher Praktika absolvieren. Kathrin Klimek hat ihres jetzt an der St.-Rafael-Grundschule in Wetter absolviert. Sie hat ein Pflanzenprojekt betreut.

Wetter..  Wurmfarn, Storchenschnabel oder auch Funkie – Begriffe, die die Viertklässler an der St.-Rafael-Grundschule in Wetter sicher einordnen können. Das sind Schattengewächse, die die Jungen und Mädchen in diesem Jahr unter Aufsicht von Kathrin Klimek gehegt und gepflegt haben. Und nicht nur das: Die Lehramtsstudentin hat mit den Kindern auch ein neues Beet angelegt und bepflanzt. Für die junge Frau war die Aktion Teil ihres Praktikums an der Schule, für die Kinder ein Abschiedsgeschenk vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule.

Das „richtige Leben“ kennenlernen

Wer Lehrer werden will, muss seit kurzem nicht mehr nur Universität und Referendariat absolvieren. Gleich mehrere Praktika sind vorgeschrieben, vor dem Einstieg ins Studium und als Teil der universitären Ausbildung. So soll der Bezug zur Praxis erhöht werden. Und nicht nur das: Die angehenden Pädagogen müssen sich auch in einem fremden Beruf ausprobieren. „Damit Lehrer auch einmal das richtige Leben kennengelernt haben“, sagt Julia Vincent, Leiterin der katholischen Grundschule ein wenig scherzhaft. Von der Schule an die Uni und dann zurück an die Schule, das soll es nicht mehr geben.

Für Kathrin Klimek kein Problem. Denn die 26-Jährige hat das „richtige Leben“ längt gesehen. Vor dem Studium machte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Nichts, was ihr beim Bestimmen von Pflanzen und der Frage, wo welche Blume am besten wächst, jetzt helfen würde. Dennoch sieht auch sie die Praktika für angehende Lehrer positiv. „Man sieht, was auf einen zukommt“, sagt sie. Und wenn es nur darum geht, hoch motivierte Nachwuchsgärtner beim Angießen der Pflanzen zu bremsen: „Nicht zuviel Wasser, sonst schwimmt die ganze Erde wieder weg.“

Im Rahmen des Landesprojektes „Schule der Zukunft“ haben Viertklässler schon vor zwei Jahren ein Schattenbeet vor dem Schulgebäude angelegt. Von der umfangreichen Dokumentation, die die Kinder damals angelegt haben, profitieren auch die nachfolgenden Klassen. „Auch wenn es nun mehr um die Pflege des Beetes geht, lässt sich das Thema gut in den Unterricht einbauen“, so Schulleiterin Julia Vincent. Und der Projektcharakter eignet sich bestens für die Ausbildung der Praktikanten.

Unterrichtsplanung

Kathrin Klimek ist für die Schule nämlich keinesfalls eine billige Hilfskraft. „Für uns bringen die Praktikanten viel Arbeit mit sich“, sagt die Schulleiterin, die die neue Regelung aber in jedem Fall begrüßt. Mit den angehenden Kollegen müssten Lehr- und Stundenpläne besprochen werden, Berichte werden eingefordert und eine Mentorin – in diesem Fall die Klassenlehrerin Dagmar Pösel – kümmert sich auch in Nachmittagssitzungen um die gemeinsam Unterrichtsplanung. Dafür gibt es für die Lehrer einen Zeitausgleich, in diesem Fall allerdings erst im nächsten Schuljahr. „Wie ich diese fehlenden Stunden dann auffange, ist noch nicht klar“, sieht Julia Vincent noch ein Problem bei der Umsetzung der Praktika-Pflicht.

Den Kindern ist das alles egal. Sie haben die von Eltern gespendeten Pflanzen rund um den steinernen Schul-Engel gesetzt. Friedhofsgärtner Sebastian Edler-Hirsch aus Witten hatte das Beet vorbereitet und gemeinsam mit Steinbildhauer Timothy Vincent eine Trockenmauer um den Engel gesetzt. Wenn die Pflanzen sich dort wohlfühlen, dann können die heutigen Drittklässler im kommenden Frühling mit der nächsten Praktikantin dann Taglilie, Goldfelberich und Frauenmantel gießen.