Neue Lehrerin für Sprachförderung bei Flüchtlingskindern

Hubertus Schmalor, Pia Kemp, Anke Lohscheidt,  Andreas Disselnkötter und Andreas Joksch (von links) haben lange für eine Lehrerstelle für Sprachförderung gekämpft.  Jetzt  hat Derya Cömert (vorne rechts) die Arbeit angetreten. In dem Grundschulraum im Hintergrund soll der Förderunterricht laufen.
Hubertus Schmalor, Pia Kemp, Anke Lohscheidt, Andreas Disselnkötter und Andreas Joksch (von links) haben lange für eine Lehrerstelle für Sprachförderung gekämpft. Jetzt hat Derya Cömert (vorne rechts) die Arbeit angetreten. In dem Grundschulraum im Hintergrund soll der Förderunterricht laufen.
Foto: WP
Eine neue Lehrer-Stelle: Schulleiter und Politiker freuen sich in Herdecke über Fortschritte bei der Sprachförderung für Flüchtlingskinder.

Herdecke..  Monatelang wurde improvisiert und nach Geldgebern gesucht. Jetzt gibt es eigens eine Lehrkraft ausschließlich für die Sprachförderung von Kindern, die ohne Deutschkenntnisse vor der Schultüre stehen. Und bezahlt wird sie aus dem gleichen Topf wie alle anderen Lehrer auch. Entsprechend groß ist die Erleichterung am Gymnasium, an der Realschule und an der Werner-Richard-Grundschule in Herdecke. Gerade weil diese drei Schulen sich zusammen getan haben, wird es ihnen jetzt einfacher gemacht.

Drei Schulen im Verbund

Vor den Osterferien sah es noch nicht danach aus. Da stand der Arbeitskreis „Sprachförderung für zugewanderte Kinder und Jugendliche“ vor der gleichen Aufgabe wie schon in den Monaten zuvor. Also Sponsorensuche und Förderunterricht im Rahmen des Möglichen. Sparkasse, Bürgerstiftung, Kinderschutzbund, die Lions und die Soroptimistinnen hatten zwar Geld gegeben. Aber immer blieb offen, wie es um eine Anschlussfinanzierung bestellt ist. Eine Studentin wurde verpflichtet und sorgte dafür, dass die deutsche Sprache für Kinder von Flüchtlingen oder von Arbeitskräften aus dem Ausland immer weniger eine Barriere bildete.

„Es gab viele Höhen und Tiefen“, erinnert sich Andreas Disselnkötter an die Monate, in denen der Arbeitskreis nicht hinnehmen wollte, dass Kinder so hilflos in den Unterricht gesetzt werden und dass versprochene Hilfe vom Land über lange Zeit Herdecke nicht erreicht hat. „Irgendwann ist aber doch angekommen, dass wir eine Insel der Unversorgten sind“, fährt Disselnkötter, Schulpolitiker der Herdecker Grünen fort. Eine Auffangklasse wie in anderen Städten wird es in Herdecke zwar nicht geben. „Das funktioniert hier auch nicht“, stellt Hubertus Schmalor von der Realschule fest. Dafür gibt es an den einzelnen Schulformen nicht genug Flüchtlingskinder. Aber gemeinsam waren Grundschule, Realschule und Gymnasium im Frühjahr überraschend so stark, dass nun seit einigen Wochen die Realschule eine Lehrerin mehr hat. Ihr Name: Derya Cömert, 31 Jahre jung und erfahren in der Sprachförderung.

Geboren wurde sie in der Türkei, groß geworden ist sie in Deutschland. Der Vater hat einen Hauptschulabschluss. Die Mutter „hat Lesen und Schreiben gelernt, indem sie uns Kindern bei den Hausaufgaben geholfen hat.“

Auch deshalb weiß Derya Cömert, warum Sprache so wichtig ist, um richtig anzukommen in einem anderen Land. Sie hat Glück gehabt. Bildung war wichtig in ihrer Familie. Sie konnte studieren und ist jetzt Lehrerin für Sport und Deutsch.

Die eine oder andere Förderstunde hat sie in Herdecke schon gegeben. Aber eigentlich ist sie noch in der Einlebephase, kann Kontakte knüpfen und ein Konzept erarbeiten, das zum Bedarf passt. Zwei Kinder am Gymnasium müssen aktuell so weit gebracht werden, dass die Sprache ihren Lernerfolgen nicht mehr im Weg steht. An der Werner-Richard-Grundschule sind es sieben, an der Realschule zehn.

Ehrenamtler weiter im Einsatz

Deyra Crömert muss beim Förderunterricht auch deswegen noch nicht so hart ran, weil das alte Angebot weiter läuft. Und das soll auch so bleiben. Jedenfalls so lange Geld für Sprachförderung da ist oder auch noch wieder dazu kommt. „Es geht nicht um eine Ablösung“, sagt Pia Kemp, Leiterin der Werner-Richard-Schule. Die hauptamtliche Kraft für die Sprachförderung ist aktuell eher ein Plus. Das verstärkt die Anstrengungen insgesamt.

Und auch die ehrenamtlichen Helfer dürfen sich weiter gebraucht fühlen. „Mit ganz viel Herzblut“ haben sich an der Grundschule zwei Betreuerinnen in die Sprachförderung eingearbeitet, berichtet die Schulleiterin, und auch Mütter helfen. Dabei geht es nicht allein um Begriffe und Grammatik. „Die Flüchtlingskinder sollen sich angenommen fühlen“, sagt Pia Kemp. Die Zeit der Verunsicherung und des Schreckens soll für sie endgültig vorbei sein.