Nachbarschaft in Wetter rückt am Osterfeuer zusammen

Gemütlich ging es beim Osterfeuer 2015 der Nachbarschaft "Am Schlebusch" in Grundschöttel zu.
Gemütlich ging es beim Osterfeuer 2015 der Nachbarschaft "Am Schlebusch" in Grundschöttel zu.
Foto: Valentin Dornis
Was wir bereits wissen
Wetters Feuerwehr musste nach der Satzungsänderung zu keinem Osterfeuer ausrücken. Einige der wenigen Veranstalter übten aber Kritik.

Wetter..  Plötzlich geht es ganz schnell: Schon die erste Flamme aus dem Gasbrenner entzündet das Stroh, bald brennen auch Äste und Baumstämme. Dicker Rauch zieht in den Abendhimmel, auf dem Feld in Grundschöttel wird es im Schein des Osterfeuers wieder wärmer.

Doch so einfach dieses Feuer sich entfachen ließ, so kompliziert war es, dafür überhaupt eine Genehmigung zu bekommen. Denn in diesem Jahr gab es strenge Auflagen von der Stadt Wetter: Nur zwölf „Brauchtumsfeuer“ wurden überhaupt zugelassen, im Vorjahr waren es noch rund 150. Die Anmeldung musste ein Verein oder eine Organisation übernehmen; eine Regelung, die viele Nachbarschaftsfeuer von vornherein ausschloss.

Kurzfristige Verordnung in der Kritik

„Ich mache hier seit über drei Jahrzehnten Osterfeuer“, sagte Landwirt Gerhard Völker, „aber so kompliziert war das noch nie.“ Denn zwar ist die Nachbarschaft in Grundschöttel organisiert, veranstaltet regelmäßig Feste und hat sogar einen Vorstand – aber sie ist eben nicht als Verein eingetragen. „Unser Antrag wurde deshalb abgelehnt und wir mussten einen Verein suchen, der uns unterstützt“, erzählt Paul Decke, der das Osterfeuer mit organisierte. Mit dem Ortsverband des Westfälisch-Lippischen Landschaftsverbandes wurde so ein Partner schließlich gefunden. „Es ist ja auch eigentlich sinnvoll, dass es Regeln für solche Feuer gibt. Aber das war dann doch etwas kurzfristig“, so Decke. Denn zwischen dem Inkrafttreten der neuen Verordnung und der Anmeldefrist lagen nur zwei Wochen.

Vom Stress der Vorbereitung ist am Samstag allerdings nichts mehr zu merken. Schon am Nachmittag spielen die Kinder im Stroh und helfen, die letzten Äste heranzuholen. Gegen Abend kommen dann die ersten Nachbarn – mit Bollerwagen, Bier und Würstchen. Mit der Zahl der Gäste wächst auch das Buffet der mitgebrachten Brötchen, Kuchen und Getränke. Als das Feuer gegen 18.30 Uhr entzündet wird, ist es voller geworden auf dem Feld „Am Schlebusch“. Mehr als 100 Menschen und ein Pferd sind da. Letzteres mit dem Namen Lilli interessiert sich allerdings weniger für das Feuer, die Pferdedame wendet sich lieber dem Festmahl aus Strohballen zu.

Geschichten werden am Feuer erzählt

Rund um das Buffet treffen sich alte Bekannte wieder. Denn Nachbarschaft ist mehr ein Gefühl als eine Ortsangabe. Wer berufstätig ist, der trifft nicht unbedingt jeden Tag seine Nachbarn. Kinder und Enkelkinder gehören irgendwie auch zur Nachbarschaft, selbst wenn sie mittlerweile woanders wohnen. Echte Nachbarn sind die, die sich kennen und an einem Ort zusammengehörig fühlen. „Ich wohne jetzt seit 44 Jahren hier, und beim Osterfeuer sieht man jedes Jahr, was sich so getan hat“, sagt Paul Decke.

Je später der Abend, desto kälter wird es. Die Nachbarschaft rückt am Feuer zusammen, die Sonne verschwindet hinter den Hügeln. Geschichten aus der Gegend werden erzählt, jeder ist auf dem aktuellen Stand. „Brauchtum“ ist eigentlich ein seltsam distanziertes Wort. Hier, an der Glut des Osterfeuers, ist die gemeinsame Tradition aber ganz nah und sehr lebendig.