Verdursteter Junge
Mutter aus Herdecke unter Verdacht
08.09.2010 | 15:55 Uhr 2010-09-08T15:55:00+0200
Herdecke.Sieben Wochen nachdem ein fünfjähriger deutscher Junge in Spanien qualvoll verdurstet ist, schließen die Behörden ein Verbrechen nicht mehr aus. Die in Herdecke wohnende Mutter (40) steht laut einem Medienbericht unter Tatverdacht.
Am 20. Juli hatte ein Spanier die Polizei gerufen. Ihm war bei der Espiel, einer Stadt 50 Kilometer von Cordoba gelegen, ein hilflose Person am Straßenrand aufgefallen. Die Frau gab an, sich in der Einöde verlaufen zu haben und ihren Sohn nicht mehr finden zu können. Drei Tage später wurde der fünfjährige Junge verdurstet in der unwegsamen Bergregion Sierra del Castillo gefunden.
Nach Erkenntnissen der Gerichtsmediziner erlitt das Kind offenbar einen Kreislaufkollaps als Folge der großen Hitze und Wassermangels. Man habe den Kleinen mit „Prellungen und Symptomen von Dehydration“ gefunden, berichtete die Polizei, und zwar in einer schwer zugänglichen Schlucht, an einem Abhang.
Die 40-jährige Mutter konnte nach ihrem Auffinden nichts zur Aufklärung beitragen. Ein Sprecher der Polizei erklärte: „Mutter und Sohn wanderten durch die Bergregion. Und sie stürzten vermutlich in dem gefährlichen Gelände.“ Die Frau ließ ihn offenbar im Schatten eines Busches zurück. Neben seinem Körper lagen leere Wasserflaschen. Die Polizei fragt sich, warum die Frau mit ihrem kleinen Sohn bei der Gluthitze durch diese unwegsame Gegend lief. Mutter und Kind waren mit dem Auto aus Deutschland gekommen, obwohl die Frau kein Sorgerecht für ihren Sohn hatte. Das Auto wurde mit einer Panne auf einem Forstweg gefunden.
Auch die Staatsanwaltschaft prüft ein Verfahren gegen die Mutter
Gegen die Mutter wurde inzwischen in Spanien ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Frau war in Herford aufgewachsen, hatte dort 1989 Abitur gemacht und zuletzt in Herdecke gelebt. „Die Frau hätte überhaupt nicht mit dem Jungen nach Spanien fahren dürfen“, sagte laut „Westfalen Blatt“ am Dienstag Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer aus Hagen. Er hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem der Vater des toten Jungen die Mutter angezeigt hatte. Der Vater nimmt an, dass seine Frau für Alexanders Tod verantwortlich ist. Rahmer: „Die Eheleute lebten getrennt. Das Sorgerecht hatte alleine das Jugendamt.“
Am Dienstag wurden laut dem Blatt bekannt: Die spanische Polizisten hatte bei der Mutter größere Mengen Schlaftabletten gefunden. Die spanische Justiz hatte daraufhin die von der Mutter beabsichtigte Einäscherung des Kindes verhindert und eine toxikologische Untersuchung angeordnet. Oberstaatsanwalt Rahmer: „Das Ergebnis liegt uns noch nicht vor.“ Rahmer hat sich inzwischen die 140 Seiten starke spanische Ermittlungsakte übersetzen lassen. „Danach soll es in erreichbarer Nähe des Ortes, an dem der Junge gefunden wurde, Wasser gegeben haben.“ Rahmer: „Wir prüfen, ob ein Tötungsdelikt vorliegt. Es kommt aber auch Kindesentziehung in Frage.“
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15:16
wie unendlich traurig.