Mutige Helfer am Unfallort
01.02.2012 | 17:09 Uhr 2012-02-01T17:09:00+0100
Wetter.Es ist Dienstagabend, der 17. Januar, kurz vor sechs: Miriam Borrmann (18) und ihr Freund Daniel Link (22) haben sich gerade beim Griechen etwas zu essen geholt und sind „schwer hungrig“ auf dem Heimweg. Vor der ersten Kurve der Grundschötteler Straße stockt der Verkehr bergauf. Minuten später können sie den Unfall sehen, der kurz zuvor passiert sein muss.
Zwei Wochen später versuchen die Abiturientin und der Industriekaufmann sich zu erinnern, was in ihnen vorgegangen ist, als sie mit ihrem mutigen, kompetenten und beherzten Handeln einem 89-jährigen Mann das Leben retteten. „Ich bin rechts rangefahren, wir sind sofort ausgestiegen. Da erst sahen wir einen Opel, um den viele Leute herum standen“, erinnert sich Daniel. Ein Mann war in dem Fahrzeug, vor der Fahrertür hockte ein Passant und versuchte, ihn anzusprechen. „Wir haben gesagt, dass wir von der Feuerwehr sind. Da hat er sofort Platz gemacht und uns arbeiten lassen“, so der 22-Jährige. Dann ging alles ganz schnell.
Daniel spricht den Mann an, rüttelt leicht an dessen Schulter - keine Reaktion! „Ich habe seine Schultern genommen, Miriam die Füße. Wir haben ihn vorsichtig aus dem Wagen gezogen.“ Daniel schüttelt den Kopf, während er erzählt: „Ich kann jetzt noch nicht mal mehr sagen, ob der Mann schwer oder leicht war.“ Alles, was die jungen Leute danach unternehmen, haben sie zwar im Erste-Hilfe-Lehrgang gelernt, gingen aber nicht davon aus, dass sie es jemals würden anwenden müssen. „Wir haben den Mann hingelegt und die Vitalfunktionen überprüft, also Atmung und Puls gecheckt. Da war nichts“, berichtet Daniel, „dann haben wir angefangen zu reanimieren.“ Herz-Druck-Massage: 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen, 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen - und so weiter. Bis der Patient wieder atmet oder der Rettungsdienst da ist. Nach den ersten 30 Druckmassagen beginnt der 89-jährige wieder zu atmen. Stabile Seitenlage. „Aber wird hörten, dass er beim Atmen schnorchelt. Deswegen habe ich noch das Gebiss rausgenommen“, erzählt Miriam. Dann kommen Polizei, Notarzt, Rettungsdienst.
In dem Moment, als die Polizei die Personalien der beiden jungen Leute aufnimmt, meldet sich ihr Feuerwehr-Pieper. Sofort machen sie sich auf den Weg zum Feuerwehrgerätehaus am Loh, schlüpfen in ihre Uniform, besetzen die Drehleiter der Löschgruppe Grundschöttel und fahren zu dem Unfallort, von dem sie gerade kommen. Unfallstelle absperren, ausleuchten, Betriebsmittel abstreuen, das volle Programm. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei.
Danach kullerten ein paar Tränchen
Noch vor Ort betreut Gruppenführer Thorsten Duhme das Pärchen; anschließend sitzen sie noch mit Wolfgang Schneider von der PSU (psycho-soziale Unterstützung für Einsatzkräfte) im Gerätehaus zusammen und reden. „Also es sind schon ein paar Tränchen gekullert. Ich war so nervös, dass ich als Nervennahrung den Nikolaus geschlachtet habe, der noch im Gerätehaus lag. Das hat geholfen - und auch dass wir gehört haben, dass der Mann überlebt hat“, so Miriam. Die 18-Jährige und ihr Freund Daniel, den sie übrigens bei der Feuerwehr kennengelernt hat, haben am Unfallort nicht eine Sekunde gezögert, sondern sofort geholfen. Ist das normal? Miriam meint: „Ja. Wenn man so etwas kann, dann muss man auch helfen.“ Durch die Zugehörigkeit zur Feuerwehr sei in ihrem Hinterkopf immer eine Alarmbereitschaft.
Feuerwehr, das bedeutet für Miriam und Daniel, seine Freizeit sinnvoll zu verbringen, Gemeinschaft zu erleben, neue Freundschaften zu schließen. „Feuerwehr ist kein Hobby“, sagt Daniel. „Es ist eine Lebenseinstellung“, ergänzt Miriam.
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