Musterkoffer wandert ins Heimatmuseum

Friedrich W. Brose in seiner Werkstatt: Er verdiente als Sattler sein Geld, fertigte also auch Taschen, Etuis und (Muster-)Koffer an. Einer seiner Koffer wird nun im Heimatmuseum einen Platz finden.
Friedrich W. Brose in seiner Werkstatt: Er verdiente als Sattler sein Geld, fertigte also auch Taschen, Etuis und (Muster-)Koffer an. Einer seiner Koffer wird nun im Heimatmuseum einen Platz finden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Martina Höfeners Vater war Sattler in Volmarstein. Von ihm stammt ein Musterkoffer für Vorhangschlösser, den sie nun dem Heimatverein für sein Museum überreichte – aufgefüllt mit alten Schlössern von Manfred Lüling.

Wetter..  Als Friedrich Wilhelm Brose als junger Mann im Alter von 24 Jahren bei der Amtsverwaltung in Volmarstein am 15.9. 1951 ein Gewerbe als Sattler anmeldete, trat er in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters. Damals konnte er nicht ahnen, welchen Weg eines seiner Produkte einmal nehmen würde.

Nun muss man wissen, dass ein Sattler nicht nur mit der Anfertigung und Reparatur solcher Dinge beschäftigt ist, die mit Reit- und Zugtieren zu tun haben. Er fertigt auch alle anderen Lederwaren wie Taschen, Koffer, Etuis und vieles mehr.

Nachdem Friedrich W. Brose 2013 im hohen Alter von 86 Jahren verstorben war, hinterließ er außer einer komplett eingerichteten Werkstatt noch etliche, zum Teil kuriose Gegenstände, die einem vielseitig interessierten Mann wie ihm im Lauf der Jahre in die Hände gekommen waren und die er nicht einfach wegwerfen wollte. Dazu gehörte gehörte auch eine Mustertasche für Vorhangschlösser, jedoch mittlerweile ohne Inhalt, die von Sattler Brose gefertigt, aber aus unbekannten Gründen nicht zur Auslieferung gekommen war.

Koffer ohne Inhalt?

Seine Tochter Martina Höfener, geb. Brose, wandte sich schließlich an den Heimatverein Wetter, der unter Federführung von Georg Leber ein Heimatmuseum in der Hegestraße 15 einrichtet, in dem Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände aus früherer Zeit ausgestellt werden sollen. Die Vereinsmitglieder waren also gerne bereit, die Mustertasche als Ausstellungsstück aufzunehmen. Aber ohne Inhalt?

Da war guter Rat teuer. Also wandte man sich, wie schon so oft, an den bewährten Helfer und wohl profundesten Kenner der heimischen Schlossindustrie, an den „Seniorchef“ Manfred Lüling von der Firma Burg. Der hatte im Januar 2013 nach zweijähriger Arbeit einen von ihm verfassten Bildband als „Chronik der Volmarsteiner Schlossindustrie“ herausgegeben. Manfred Lüling besah sich die Tasche, überschlug vor seinem geistigen Auge, wie die Tasche im (mit Schlössern) gefüllten Zustand wohl ausgesehen hatte und sagte zu, er wolle für einen entsprechenden Inhalt sorgen. Die Schlösser sollten aber schon aus den 70er Jahren stammen.

Auf die Frage, ob solche Mustertaschen für die Handelsvertreter von Vorhangschlössern heute noch im Gebrauch seien, erfuhr man, dass seines Wissens der Gebrauch solcher Taschen seit 1938 bis 2010 nachweisbar ist. Getreu dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ übergab Manfred Lüling nach einiger Zeit an Martina Höfener die versprochenen Schlösser.

Diese Schlösser passten natürlich nicht in die mit Samt ausgeschlagene Mustertasche, hatte doch stets jedes Schloss aufgrund verschiedener Form und Größe seine eigene Mulde. Da Martina Höfener bereits als junge Frau ihrem Vater hin und wieder beim Ausschlagen der Mustertaschen mit Karton und Samt geholfen hatte, wurde sie nun noch einmal tätig. So erstrahlte der Koffer bald in neuem Glanz, und Martina Höfener konnte ihn jetzt an Ernst Vohmann vom Heimatverein für das Museum als Ausstellungsstück übergeben.

Der Heimatverein sagt an dieser Stelle den an dieser kleinen Geschichte Beteiligten „Dank“ und bittet alle heimatverbundenen oder interessierten Bürger um Sachspenden, mit denen die Heimatgeschichte Wetters dokumentiert werden kann. In diesem Fall kann man sich an Georg Leber wenden: 68 13 07 oder per Email an georg.leber@buerstaette.de.