Musikreise durch Länder und Epochen

Wetter-Herdecke..  Der Benefiz-Klavierabend des Rotary Clubs Wetter-Herdecke Ruhrtal zu Gunsten des Projekts „Mein Körper gehört mir“ im Veranstaltungssaal der Sparkasse war wieder in jeder Hinsicht ein voller Erfolg: Das Konzert ausverkauft, der junge Pianist Jonathan Fournel eine erstklassige Wahl, das Publikum begeistert.

Das Programm ging im Rahmen chronologisch vor. Bach stand mit der Chromatischen Fantasie und Fuge BWV 903 am Anfang. Die sehr freie Form des 1. Satzes ließ melodische Rezitative immer wieder in sanfte Akkord-Kadenzen münden, durch Pedalgebrauch und Tempoveränderung romantisch betont. Auch die Fuge, die Thema und polyphone Begleitung immer in den Vordergrund stellte, bediente sich hier dieser modernen Klaviersprache.

Etüde für Super-Könner

Die Sonate F-Dur op. 54 von Beethoven hörte sich streckenweise wie eine Etüde für Super-Könner an. Im 1. Satz folgte einem sanften Thema mit aufsteigendem, punktiertem Dreiklang eine in akkordischen Triolen wild springende Passage; fantastisch die Treffsicherheit des Pianisten. Auch im Allegro, einem Non-stop-Rasen von Dreiklangsmotiven, von einer Hand in die andere übergehend, gegenläufig in beiden Händen, selten parallel, sorgte seine Finger-Akrobatik für atemlose Spannung. Der große Impressionist Claude Debussy ging mit seinen „Estampes“ (Kupferstiche) musikalisch auf Reisen, zuerst nach Asien („Pagodes“) mit seinen typischen Fünf-Ton-Skalen, dann nach Granada („La soirée dans Grenade), mit diversen spanischen Tanzrhythmen ein turbulent fröhliches Erlebnis.

In „Jardins sous la pluie“ hörte man lautmalerisch den Regen tropfen, in Klangschleiern fließen, von Windböen getrieben über die Klaviatur rasen. In „L`isle joyeuse“ (Die Insel der Fröhlichkeit) glitzerte das Wasser im Sonnenlicht: Virtuose Wirbel im Diskant. Tanzrhythmen bezeugten die Ausgelassenheit der Bewohner.

Skrjabin lotete in seiner einsätzigen Sonate Fis-Dur op. 53 spätromantische Kompositionsmöglichkeiten aus. Ständige Kontraste hielten das Publikum in Atem: Aufwärtsstürmende Akkorde mit plötzlich aufzuckenden Akzenten, sanfte Motive im Diskant, „trockene“ Sprünge ins Nirgendwo, ein Dialog der Hände, die sich nicht einigen konnten, zarte Arpeggien, markante Rhythmik, Wahnsinnszunahme der Lautstärke bis zum einsamen Schlusston als „Knalleffekt.“

Türkischer Marsch

Auch die Wanderer-Fantasie C-Dur op. 15 von Franz Schubert lud nicht zu Ausruhen ein. Forsch ging die Reise los. Ein Klopfrhythmus durchzog das ganze Stück wie ein Leitmotiv. Langsame liedhafte Themen im Moll-Modus über düster brodelndem Bass schilderten bedrohliche Situationen. An virtuoser Technik wurde nicht gespart: Rasendes Laufwerk, Akkordsprünge in alle Richtungen, Tremolo, ein unerbittlich gehämmertes Fugato, das zu einer dämonischen Schluss-Kadenz führte. Die Interpretation schilderte plastisch die Grundstimmung der Fantasie nach dem Schubert-Lied „Der Wanderer“, wo es heißt: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück“.

Das Publikum war begeistert und freute sich über den Türkischen Marsch von Mozart als Zugabe, den der russische Pianist Volodos in eine Paraphrase à la Liszt verkleidet hatte.