Mit dem Bürgerbus über den Elberg – da wird es eng

Der Bürgerbus Wengern auf seiner Fahrt durchs Trienendorf und über den Elberg. Am Steuer Wolfgang Jähme. Ist Gegenverkehr in Sicht, muss an einer Ausweichstelle gewartet werden.
Der Bürgerbus Wengern auf seiner Fahrt durchs Trienendorf und über den Elberg. Am Steuer Wolfgang Jähme. Ist Gegenverkehr in Sicht, muss an einer Ausweichstelle gewartet werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die geplante Bebauung des Elbergs ist Thema einer Bürgerversammlung heute abend um 19 Uhr in der Elbschehalle. Wir sind mit dem Bürgerbus durch die Straßen rund um den Elberg gefahren.

Wengern..  Es ist das kleine Schwätzchen mit den Fahrgästen, das Wolfgang Jähme bei seinen Fahrten mit dem Bürgerbus in Wengern so liebt. Doch nicht immer kann er wirklich zuhören, denn gerade wenn es durchs Trienendorf ‘rauf und über den Elberg wieder herunter geht, muss der Fahrer am Steuer des kleinen Busses hoch konzentriert sein. Die Straßen sind eng, manches Mal so eng, dass nicht zwei Fahrzeuge aneinander vorbei kommen. „Und es wird noch enger, wenn hier das neue Baugebiet kommt“, fürchten Heinz Eggert und auch Ulrich Griehl, die wie Jähme regelmäßig am Steuer des Bürgerbusses unterwegs sind, den zunehmenden Gegenverkehr.

Bürgerbus darf nicht zurück

Begegnungen, wie die mit einem großen schwarzen SUV, eines dieser geländegängigen Stadtautos mit Überbreite, gehören zum Alltag der Fahrer. In diesem Fall schaltet der Fahrer des Audi Q7 den Rückwärtsgang ein und fummelt sich gut 30 Meter zwischen parkenden Autos und dem Bordstein zurück, bis er in eine Einfahrt ausweichen kann. Auch wenn der Bürgerbus im Vergleich weniger Meter bis zu einer solchen Bucht gehabt hätte, darf sein Fahrer nicht zurücksetzen. „Dazu benötigen wir einen Einweiser“, erklärt Heinz Eggert. Im Notfall müsste ein Fahrgast aussteigen, um für dem Fahrer die notwendigen Handzeichen zu geben. Keine wirklich vorstellbare Lösung, so sehen das zumindest die Männer hinter dem Steuer.

Es geht also nur voran, und das mit Weitblick. Auf der Höltkenstraße, die sich auf dem Stadtplan mit fünf Millimeter Breite kaum schmaler darstellt als die in der Realität beinahe dreimal so breite Elberfelder Straße (auf dem Plan mit sechs Millimeter Breite eingezeichnet), sollen mit der Erschließung des neuen Baugebietes auf dem Elberg die Lastwagen rollen. Ein Feldweg am Bauern Schulte-Elberg vorbei soll als Baustraße fungieren. „Doch die Lkw müssen ja auch aus der Höltkenstraße heraus“, sagt Eggert. Und das sei angesichts der nur schwer einsehbaren Einmündung von der Elberfelder Straße und der fehlenden Breite dort ein Problem.

Während Eggert auf die Wiesen zeigt, die demnächst bebaut werden sollen, hält Wolfgang Jähme an einer Garagenausfahrt, um einen Wagen abzuwarten, der 150 Meter weiter langsam über die ­Höltken­straße rollt. „Man muss vorausschauend fahren“, sagt Jähme, der sich nach seiner Pensionierung als Leiter des Herdecker Gymnasiums ans Steuer des Bürgerbusses gesetzt hat. Drei Möglichkeiten zum Ausweichen gibt es an diesem Teilstück, dazwischen begrenzt ein fragwürdiges Bankett die Fahrbahn. „Wenn wir da mit dem schweren Bus ‘drauf fahren, liegen wir mit allen Fahrgästen unten auf der Wiese“, ergänzt Heinz Eggert.

Brücke als Engstelle

„Wir sind alles ehrenamtliche Fahrer“, betont Eggert, der sich selbst um die Einweisung der neuen Kolleginnen und Kollegen kümmert. Er testet mit den Anfängern die Maße des Busses aus. „Und die meisten nehmen an, dass sie schmaler sind.“ Auch der Radstand des langen Wagens ist gewöhnungsbedürftig. „Im Vergleich zum Pkw muss man schon aufpassen, dass man nicht gleich eine ganze Ecke mitnimmt“, sagt Jähme, während er vorsichtig auf die Brücke über die ehemalige Eisenbahnstrecke einbiegt. Links stehen geparkte Autos, den Blick nach rechts gewährt nur ein kleiner Spiegel. An einem trüben Tag wie diesem muss man schon genau hinschauen, um schon von weitem zu erkennen, dass die Brücke gerade frei ist.

Auch hier sehen die Fahrer des Bürgerbusvereins in der Zukunft Probleme. Denn die Anlieger des geplanten Baugebietes müssten zum Großteil auch über diese Brücke rollen, um ihr neues Haus zu erreichen. Eine Engstelle, die auch die Planer als solche erkannt haben. „Mit einer zusätzlichen Brücke für Fußgänger ist uns aber nicht geholfen“, sagt Ulrich Griehl. So viele gebe es davon nicht. Der ehrenamtliche Busfahrer fürchtet vielmehr den zusätzlichen Verkehr. Und nicht alle Autofahrer sind nach seiner Erfahrung so einsichtig wie der des Q7, der dem Bürgerbus an diesem Tag bereitwillig Platz machte. „Es gibt auch Zeitgenossen, die schalten den Rückwärtsgang nicht ein.“