Mindestlohn - für viele Firmen kein Thema

Eine Bedienung trägt ein Tablett mit Bier - auch für Gaststättenmitarbeiter gilt ab Januar der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.
Eine Bedienung trägt ein Tablett mit Bier - auch für Gaststättenmitarbeiter gilt ab Januar der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Hotels, Friseursalons, Pflegedienste - nach eigenen Angaben haben diese Betriebe im Ruhrtal kein Probleme mit dem Mindestlohn. Und zahlen ihn schon lange.

Wetter/Herdecke..  Für viele Unternehmen in Wetter und Herdecke bringt die Einführung des Mindestlohns keine Probleme mit sich, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt.

Seit dem ersten Januar gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Vom Mindestlohn profitieren vor allem Beschäftige, denen bisher nur Niedriglöhne gezahlt wurden. Dies ist oft in Branchen mit einfachen Tätigkeiten der Fall. Laut Ulrich Brauer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Hagen, zählen dazu unter anderem Friseure, Teile des Einzelhandels, Gebäudereinigungen, Wäschereien sowie Pflegedienste.

Diese Branchen sind auch in Wetter und Herdecke vertreten. Den Mindestlohn haben hier aber schon viele Unternehmen lange vor Inkrafttreten des Gesetzes eingeführt. Negative Auswirkungen, also dass Mitarbeiter entlassen oder Preise erhöht wurden, haben die befragten Unternehmen und Betriebe laut eigener Aussage nicht erlebt. „Bei uns gilt der Mindestlohn schon länger“, sagt Nobert Willam, Inhaber des Hotels und Restaurants „Henriette Davidis“ in Wengern. Auswirkungen auf den Betrieb habe das nicht, so Willam. „Höchstens der Chef hat am Ende weniger Geld in der Tasche.“

Woran sich Willam aber stört, ist der bürokratische Aufwand. „Man muss Listen führen und die Leute da ein- und austragen. Das kostet viel Zeit und ich habe ja schließlich noch andere Dinge zu tun“, so der Hotel-Inhaber.

Im Burghotel in Volmarstein gilt der Mindestlohn schon seit eineinhalb Jahren. Für Inhaber Peter Vorberg ist das eine Selbstverständlichkeit. „Wer gute und motivierte Mitarbeiter haben möchte, der muss auch gut zahlen“, sagt er. Wilhelm Bonsmann, Inhaber des gleichnamigen Hotels in Herdecke, sieht das ähnlich. „Wir haben schon immer mehr als den Mindestlohn an unsere Mitarbeiter gezahlt. Ich wundere mich immer wieder, wie man Leute findet, die zum Beispiel für weniger als 3,50 Euro die Stunde arbeiten“, sagt er.

Eine kritische Stimme

Auch für Friseur Sacha Linnepe, der seinen Salon in Herdecke betreibt, hat sich mit dem neuen Gesetz nichts geändert. „Wir haben den Mindestlohn grundsätzlich schon immer gehabt, und ich finde es gut, dass er jetzt flächendeckend kommt“, sagt er. Auch in Monika Zwehrs Friseurbetrieb in Wetter wird schon lange nach Mindestlohn bezahlt. Die Friseurin und Geschäftsfrau sieht den Mindestlohn jedoch kritischer. „Für kleine Unternehmen ist das schon schwierig. Wir können ja nicht einfach die Preise erhöhen, die Kunden wollen schließlich nicht mehr bezahlen.“

Ein Problem sieht sie auch in der heutigen Konsum-Mentalität. „Man spricht ja häufig von der Geiz-ist-geil-Generation. Das Produkt oder die Dienstleitung soll gut sein, aber es darf nichts kosten“, sagt sie. In der Wäscherei BWS-Wäsche Service gilt der Mindestlohn schon seit 2009. Mitinhaber Dieter Pothöfer kann keine negativen Auswirkungen feststellen. „Preiserhöhungen gab es bei uns nicht.“

Ähnlich verhält es sich bei den befragten Pflegediensten. „Wir liegen bei unseren Beschäftigten schon lange über dem Satz“, sagt Andreas Kämpf, Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Cura 24 in Wetter. Nach Mindestlohn wird auch beim Pflegebüro Bahrenberg, das einen seiner Standorte in Wetter hat, bezahlt. „Bei uns arbeitet keiner darunter. Und das ist schon länger so“, sagt Alexandra Teixira vom Pflegebüro.

Keine Auswirkungen

Beim Einzelhandelsunternehmen Kaufland gilt seit 2011 ein interner Mindestlohn. „Aktuell erhält jeder Beschäftigte, der bei und für Kaufland tätig ist, mindestens neun Euro die Stunde brutto, zuzüglich aller Zuschläge sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, sagt Christine Axtmann, Pressesprecherin von Kaufland. Das neu in Kraft getretene Mindestlohngesetz habe daher keine wesentlichen Auswirkungen auf das Unternehmen, so Axtmann.