Milde für Herdecker nach Schwarzfahrt ohne Absicht

Was wir bereits wissen
Der Richter in Wetter glaubt einem einschlägig vorbestraften Angeklagten aus Herdecke. Es bleibt bei seiner laufenden Bewährung

Herdecke/Wetter..  Trotz laufender Bewährung sollte ein 25-jähriger Herdecker sein Glück erneut auf die Probe gestellt und sich eine Schwarzfahrt mit der Bahn gegönnt haben. Vor dem Amtsgericht Wetter versuchte er, den Vorfall mit einem Versehen und dem Fluch der Technik zu begründen – letztendlich mit Erfolg.

Bewährung in Gefahr

Am 18. August um 18.30 Uhr wurde der Herdecker in einem Zug von Hagen nach Wuppertal ohne gültigen Fahrausweis erwischt. Der Verdacht: Der bereits einschlägig vorbestrafte 25-Jährige hatte gar nicht vorgehabt, Geld in ein Ticket zu investieren. Und damit stand seine Bewährung, die ohnehin bereits mehrfach verlängert worden war, einmal mehr auf dem Spiel.

Vor Gericht hatte der Herdecker jetzt allerdings eine Erklärung für sein strafbares Versäumnis parat. Tatsächlich besaß er ein „Ticket 2000“, mit dem er die Strecke ab 19 Uhr hätte fahren dürfen. An dem Abend habe ihn sein Handy nach einem Wechsel der SIM-Karte hinters Licht geführt.

Das Gerät habe fälschlicherweise angezeigt, dass es bereits nach 19 Uhr sei. Also habe er gedacht, er dürfe mit seinem Ticket fahren. „Das war keine Absicht“, beteuerte er mehrfach. Zumal er das Geld dabei gehabt hätte, um die Fahrt zu bezahlen. Diese Version präsentierte er auch dem Kontrolleur, der sich daran im Zeugenstand erinnern konnte.

Die Vertreterin der Anklage konnte der Herdecker mit dieser Geschichte allerdings nicht überzeugen. Sie ging von einer Schutzbehauptung aus und betonte, dass der 25-Jährige angesichts seiner laufenden Bewährung sorgfältig hätte handeln müssen.

Kein Vorsatz feststellbar

Sie beantragte drei Monate Haft ohne Bewährung und damit hätte auch der Widerruf der alten Bewährung gedroht. Das Gericht sah es anders und sprach den Herdecker frei. Es sei nicht feststellbar, dass der vorsätzlich ohne gültiges Ticket gefahren sei. Deshalb gelte der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Allerdings warnte Richter Heinz-Dieter Beckmann ihn eindringlich vor der Begehung einer neuen Straftat. In dem Fall würde seine Bewährung ganz sicher widerrufen.